Bar im Restaurant Torre in Mailand | REUTERS

Italien Zutritt nur noch mit Greenpass

Stand: 06.08.2021 01:12 Uhr

Italien verschärft die Bedingungen für den Besuch vieler Einrichtungen: Ab heute müssen Besucher einen Schnelltest machen oder ein Impf-Zertifikat vorweisen, den Greenpass. Das hat jetzt schon Folgen für die Impfbereitschaft.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Angelo Lepri sitzt in seiner Bar "L’Incontro" in der Nähe des Vatikans und ist nicht begeistert über das, was ab heute auf ihn zukommt. Wer in Italien in ein Restaurant oder eine Bar will, braucht nun eine Anti-Covid-Bescheinigung, den sogenannten Greenpass.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Der, sagt Lepri, bringe die Gastronomen in Schwierigkeiten, "weil wir jetzt eine Arbeit machen müssen, die nicht unsere ist. Wir müssen kontrollieren, nach Dokumenten fragen - das ist alles andere als sympathisch."

Angelo Lepri

Wenig begeistert von dem Greenpass: Angelo Lepri

Die Delta-Variante zwingt zum Handeln

Die Regierung hat die verschärften Zugangsbedingungen beschlossen, weil auch in Italien die Coronainfektionen mit der hochansteckenden Delta-Variante zunehmen. Die Regel ab heute lautet: Im Außenbereich gibt es keine Einschänkungen, aber in die Innenräume von Restaurants und Bars dürfen nur noch Geimpfte, Genesene und Getestete.

Sie müssen den Greenpass vorzeigen, so wird in Italien das von der Europäischen Union eingeführte Anti-Covid-Zertifikat genannt. Diesen bekommt, wer gegen Covid-19 geimpft oder von einer Covid-Erkrankung genesen ist. Alle anderen müssen in den 48 Stunden vor einem Restaurantbesuch einen Corona-Schnelltest machen.

Ministerpräsident Mario Draghi verteidigt die Maßnahme, die die Regierung bewusst zu Beginn der Haupturlaubszeit in Italien einführt. Der Greenpass sei "keine Willkür" - er sei "die Voraussetzung, um die wirtschaftlichen Aktivitäten offen zu halten".

Denn, so die Argumentation Draghis, indem im Prinzip nur noch Geimpfte und Geheilte in Bars und Restaurants dürfen, werde dort die Gefahr von Ansteckungen verringert und damit eine weitere Ausbreitung des Coronavirus gebremst.

Nicht nur für Restaurants und Bars

Die neue Greenpass-Pflicht gilt auch für Kulturstätten wie Museen und Ausstellungen, für Wellness- und Fitnesszentren sowie für den Besuch von Konzerten und Stadien.

Ein Effekt der neuen Vorschriften und den damit verbundenen Hürden für Nicht-Geimpfte: In Italien ist die Nachfrage nach Anti-Covid-Impfungen rapide angestiegen. Die Ärztin Maurizia D’Amore aus dem Impfzentrum im Römer Auditorium berichtet von einem "Draghi-Effekt". In ihrem Zentrum habe sich nach Draghis Ankündigung der Greenpass-Pflicht die Zahl der Anmeldungen mehr als verdoppelt.

Eine Pflicht, die vor allem bei den Gastronomen in Italien zu landesweiten Protesten geführt hat. Aber es gibt auch Bar- und Restaurantbesitzer, die sich hinter die neue Regelung stellen. Luca Prasciolu von der beliebten Vineria 19 im Norden Roms sagt, er sei "auf jeden Fall dafür". Der Pass sei eine Form des Schutzes für Gäste und Personal. In der Zeit einer Pandemie sei das sinnvoll.

Protest gegen den Greenpass in Mailand | EPA

So friedlich blieb es nicht immer: Der Protest gegen den Greenpass - hier in Mailand - schlug in manchen Städten in Gewalt um. Bild: EPA

Mitmachen - trotz Bedenken

Auch Angelo Lepri mit seiner Bar in der Nähe des Vatikans will trotz seiner Bedenken mitmachen. Er hat sich die App heruntergeladen, mit der er jetzt den QR-Code der Impfbescheinigungen kontrollieren kann. Die Gäste an diesem Platz will er nach der Impfbescheinigung fragen. Dazu hält er die Kamera seines Smartphones auf den Code - und nach wenigen Sekunden erscheint bei einer gültigen Impfung ein grünes Signal auf dem Display.

Gastronomen, die nicht kontrollieren, drohen Bußgelder von bis zu 400 Euro. Als Greenpass akzeptiert werden sowohl digitale als ausgedruckte Impfnachweise; eine Erstimpfung reicht dabei, hat die Regierung festgelegt. In Italien haben etwa 65 Prozent der Menschen ihre erste Impfdosis bekommen.

Von der Greenpass-Pflicht sind auch Teenager nicht ausgenommen: Die neuen Regeln gelten für alle, die älter als zwölf Jahre sind. Kein Greenpass ist allerdings notwendig, um in ein Hotel zu kommen. Und auch in Bars, Restaurants und Eisdielen gibt es eine wichtige Ausnahme: Wer im Stehen konsumiert, braucht keinen Impf- oder Testnachweis. Das heißt, für den in Italien beliebten Frühstücks-Espresso am Tresen gibt es keine Hürden.

Lehrkräften ohne Greenpass droht Suspendierung

Ab 1. September soll der Greenpass in Italien noch ausgeweitet werden. Italiens Regierung beschloss am Donnerstagabend, ab dann eine Greenpass-Pflicht auch für alle Zug- und Schiffsreisende einzuführen. Außerdem sollen ab Herbst alle Lehrerinnen und Lehrer nachweisen, dass sie gegen Covid-19 geimpft oder von einer Erkrankung genesen sind, beziehungsweise in den vergangenen 48 Stunden negativ auf das Coronavirus getestet wurden.

Lehrerinnen und Lehrer, die keinen Greenpass vorlegen, sollen vom Unterricht ausgeschlossen und nach dem fünften Tag suspendiert werden. Mit dieser harten Linie will Italiens Regierung einen Präsenzunterricht ohne Ansteckungsgefahr durch Lehrerinnen und Lehrer garantieren.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. August 2021 um 07:10 Uhr.

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Moderation 06.08.2021 • 14:26 Uhr

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