In Genua wird der "Grüne Pass" eines italienischen Arbeiters kontrolliert. | AFP

"Grüner Pass" in Italien Ohne "G" keine Arbeit

Stand: 15.10.2021 08:29 Uhr

Ab heute muss jeder italienische Beschäftigte nachweisen, dass er geimpft, genesen oder getestet ist. Ein Großteil der Bevölkerung steht laut Umfragen hinter dieser Corona-Regelung. Doch es gibt auch Gegenwind.

Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

Am Hafen von Triest haben die Arbeiter schon vor Tagen lautstark gegen die Einführung des Corona-Passes für Arbeitnehmer protestiert. Ihr Sprecher Stefano Puzzer verkündete immer wieder in den italienischen Medien: "Wenn wir diesen 'Grünen Pass' nicht zu Fall bringen, dieses Dekret, das unserer Meinung nach kriminell ist, müssen wir den Hafen blockieren."

Elisabeth Pongratz ARD-Studio Rom

Die norditalienische Stadt zählt zu den wichtigsten Umschlagplätzen im internationalen Handelsverkehr. Von den 950 Arbeitern haben 40 Prozent keinen "Grünen Pass", sie sind also weder gegen Corona geimpft, davon genesen oder haben sich testen lassen. Kostenlos sollen diese Tests sein - so die Forderung vieler Arbeitnehmer und der Gewerkschaften. Doch bisher hat sich die Regierung stur gestellt, Ausnahmen gibt es nur für diejenigen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können.

Kurz vor Inkrafttreten der neuen Regelung haben sich die Gewerkschaften mit Ministerpräsident Mario Draghi getroffen. Sie wollen, dass die Tests, die momentan 15 Euro kosten, billiger werden, so der Generalsekretär von CGIL, der größten Gewerkschaft Italiens, Maurizio Landini: "Jetzt ist der Moment, an dem man beginnen sollte, die Kosten für den Covid-Test erheblich zu senken." Gleichzeitig müsse es für die Unternehmen mehr Steuererleichterungen geben, was die Kosten der Hygienemaßnahmen betrifft. "Ich glaube auch, dass es sehr wichtig wäre, wenn alle Betriebe - und nicht nur einige - die Kosten für die Tests aller Arbeitnehmer übernehmen würden."

Kontrollen und Strafen

Probleme könnte es auch beim Transport auf der Straße geben. Schon jetzt suchen die Speditionsunternehmen oft händeringend Personal, nun könnten viele Lkw-Fahrer zusätzlich ausfallen. Denn wer den "Grünen Pass" nicht hat, darf nicht arbeiten. Die Arbeitgeber müssen dies kontrollieren, es drohen hohe Strafen. Der Branchenverband Trasportounito befürchtet, dass 80.000 Fahrer fehlen könnten, was zu immensen Lieferverzögerungen führen würde. Selbst dann, wenn die italienischen Fahrer geimpft sind.

"Ich habe den 'Grünen Pass', aber meine Kollegen, die aus dem Ausland kommen, wo es diese Pflicht nicht gibt, wie sollen die das hier in Italien machen?", schimpft ein Lkw-Fahrer. Viele Fahrer aus dem Ausland seien auch mit Impfstoffen geimpft, die in der EU nicht anerkannt sind, wie etwa dem russischen Sputnik. 

Ansturm auf Apotheken

Insgesamt sind etwa 23 Millionen Beschäftigte von den neuen Regeln betroffen. Sie gelten vorerst bis zum Ende des Jahres. Mit ihrer Einführung will die Regierung Draghi zum einen die Sicherheit am Arbeitsplatz erhöhen, zum anderen aber vor allem die Impfquote nach oben treiben. Mehr als 80 Prozent der über 12-Jährigen in Italien sind inzwischen vollständig geimpft. Die anderen müssen sich nun testen lassen, wenn sie arbeiten wollen.

Das führt zu einem großen Andrang bei den Apotheken. Allein in den vergangenen vier Wochen sind bis zu 300.000 Tests am Tag durchgeführt worden. Nun könnte es zu bestimmten Zeiten zu langen Wartezeiten kommen, befürchtet ein Apotheker aus Livorno: "Im Laufe des Tages können wir theoretisch die Nachfrage befriedigen. Das Problem ist, dass sich die Leute auf bestimmte Uhrzeiten konzentrieren."

"Zusammen können wir Probleme lösen"

Aktuellen Umfragen zufolge halten zwei Drittel der Italiener die Nachweis-Pflicht am Arbeitsplatz für notwendig. Die Ablehnung der anderen treibt auch den Chef des Industrieverbandes Confindustria, Carlo Bonomi, um. "Wir sind besorgt, weil es Leute gibt, die Öl ins Feuer gießen", sagt er. "Ich glaube, in diesem Moment müssen wir gemeinsam eine nationale, kollektive Verantwortung an den Tag legen." Es gäbe sicher Probleme, denn es handele sich um eine Maßnahme, die schwer anzuwenden sei. "Aber zusammen können wir sie angehen und lösen."

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 15. Oktober 2021 um 07:38 Uhr.

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KOMMENTARE

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Tada 15.10.2021 • 12:00 Uhr

11:57 von fathaland slim 11:20, Denkerist

Wenn man aktuell krank ist, sollte man sich nicht impfen lassen. Vielleicht ist das gemeint.