Italiens Ministerpräsident Draghi gedenkt der Corona-Toten in Bergamo | EPA

Trauerfeier in Bergamo Italien gedenkt seiner Corona-Toten

Stand: 18.03.2021 14:17 Uhr

Mehr als 100.000 Menschen sind in Italien der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Besonders betroffen ist die Stadt Bergamo. Regierungschef Draghi legte dort am heutigen offiziellen Gedenktag einen Kranz nieder.

Italien hat seiner mehr als 100.000 Corona-Toten gedacht. Anlässlich des Gedenktages legte Ministerpräsident Mario Draghi in der Stadt Bergamo einen Kranz nieder. Anschließend würdigte er die Opfer mit einer Schweigeminute.

"Dieser Ort ist ein Symbol für den Schmerz einer ganzen Nation", sagte der frisch gewählte Regierungschef vor wenigen Dutzend Anwesenden. Die Menschen in Bergamo hätten "schreckliche Tage erlebt", in denen sie keine Zeit gehabt hatten, um ihre Lieben ein letztes Mal zu begleiten.

Bergamo sei das "Epizentrum der ersten Welle der Pandemie in Europa" gewesen und zum "Symbol der Tragödie" geworden, sagte Bürgermeister Giorgio Gori während der Trauerfeier. "Es war wie im Krieg." Bergamo werde aber "auch die symbolische Stadt der Wiedergeburt sein" und "eine positive Botschaft und Hoffnung" an den Rest Italiens aussenden. Auch in anderen italienischen Städten wurde der Toten gedacht.

Überfüllte Leichenhallen

Vor rund einem Jahr gingen erschütternde Bilder von Militär-Lastwagen um die Welt, die Särge mit Verstorbenen aus Bergamo fuhren. Die Armee musste die vielen Toten damals in Krematorien anderer Städte bringen, weil in der norditalienischen Stadt kein Platz mehr war.

Bis zu 70 Särge am Tag wurden im Frühling vergangenen Jahres von Soldaten aus Bergamo abgeholt - die dortigen Leichenhallen waren wegen der tödlichen Pandemie völlig überfüllt. Für die Bestattung der in Bergamo verbliebenen Corona-Opfer blieb nur wenig Zeit. Viele von ihnen erhielten keinen Grabstein, stattdessen wurden die Gräber provisorisch mit Schildern versehen, auf denen Namen und Fotografien der Verstorbenen abgebildet waren.

Särge in der Kirche San Giuseppe in Seriate, Italien | picture alliance/dpa

Zu Dutzenden lagen die Särge in der Region Bergamo im Frühjahr 2020 in den Kirchen. Bild: picture alliance/dpa

Situation erneut angespannt

Angesichts der derzeit wieder dramatisch steigenden Infektionszahlen in Italien befürchten viele in Bergamo eine Wiederholung der Tragödie des vergangenen Jahres. Die Intensivstation im Seriate-Krankenhaus im Osten von Bergamo ist erneut an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Alle acht Intensivbetten sind dort mit Corona-Patienten belegt. "Covid ist jetzt aggressiver", sagte der Leiter der Station. Es gebe viele Infektionsfälle mit der zuerst in Großbritannien entdeckten Variante.

Bei dem Gedenken betonte Draghi deshalb auch, dass Italien die Corona-Impfkampagne "mit derselben Intensität" fortsetzen werde wie bisher - unabhängig von der Entscheidung der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zur weiteren Verwendung des Vakzins von AstraZeneca. Seit Montag gilt in Italien wieder ein Lockdown. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. März 2021 um 14:00 Uhr.