Polizisten sichern die Gegend um die Einkaufsstraße Istiklal in Istanbul ab, Türkei. | RUETERS

Nach Anschlag in Istanbul 17 Verdächtige in Haft

Stand: 18.11.2022 12:35 Uhr

Nach dem Anschlag in Istanbul nahm die türkische Polizei viele Menschen fest - 17 von ihnen kommen jetzt in Haft. Nach Fertigstellung einer Anklageschrift wird ein Prozess erwartet. Das könnte aber Monate dauern.

Ein türkisches Gericht hat im Zusammenhang mit dem Anschlag in Istanbul Haft für 17 Personen angeordnet, darunter auch eine Hauptverdächtige. Die Inhaftierten gehörten zu einer Gruppe, deren Mitglieder die Istanbuler Polizei Anfang dieser Woche nach dem Angriff festgenommen hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem vorsätzliche Tötung und die "Verletzung der staatlichen Einheit" vor, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Zuvor hatten demnach mehrere Staatsanwälte 49 Verdächtige befragt, die im Zusammenhang mit dem Anschlag stehen sollen. Drei Verdächtige seien anschließend unter Auflagen bis zum Prozess freigelassen worden, 29 des Landes verwiesen worden.

Bei der Explosion eines Sprengsatzes in einer beliebten Einkaufsstraße waren am Sonntag sechs Menschen getötet und mehr als 80 Menschen verletzt worden. Die türkischen Behörden machen die kurdischen Milizen PKK in der Türkei und PYD in Syrien für den Anschlag verantwortlich. Die Gruppen weisen das zurück.

Hauptverdächtige ist eine Frau aus Syrien

Bei der Hauptverdächtigen handelt es sich der türkischen Polizei zufolge um eine syrische Staatsbürgerin. Laut Anadolu wurde sie fünf Stunden von der Polizei verhört. Die 23-Jährige habe ausgesagt, illegal in die Türkei eingereist zu sein und vier Monate in einem Haus in Istanbul gewohnt zu haben. 2017 sei sie durch ihren Partner mit der YPG in Kontakt gekommen ist. Aus Sicht der Türkei ist die YPG Ableger der PKK und ebenfalls eine Terrororganisation.

In einer Befragung mit der Staatsanwaltschaft gab die Frau an, am Tag des Anschlags auf Anweisung eines Mannes gehandelt zu haben, wie Anadolu berichtete. Er soll angeblich ebenfalls Mitglied der YPG sein. Der Mann habe sie angewiesen, auf einer Bank zu warten und dann eine Tasche dort zurückzulassen. Nachdem sie dies getan habe, sei es zu der Explosion gekommen und sie sei weggelaufen. Gemäß ihrer Aussage wusste die Frau nichts von einer Bombe in der zurückgelassenen Tasche, wie Anadolu berichtete.

Nach Fertigstellung einer Anklageschrift durch die Staatsanwaltschaft wird ein Prozess erwartet. Das könnte aber Monate dauern. Über die 29 Personen, die ausgewiesen werden, wurden keine Angaben gemacht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. November 2022 um 20:00 Uhr.