Wahlplakate hängen an einer Bushaltestelle in Reykjavik | AFP

Wahl in Island Regierungskoalition hält wohl Mehrheit

Stand: 26.09.2021 03:48 Uhr

Die Links-Rechts-Koalition von Islands Ministerpräsidentin Jakobsdóttir könnte wohl eine weitere Amtszeit regieren. Erste Teilergebnisse deuten auf eine erneute Mehrheit des Bündnisses bei den Parlamentswahlen hin.

Bei der Parlamentswahl in Island zeichnet sich trotz Verlusten für die Partei von Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir eine Mehrheit für die bisherige Regierungskoalition ab. Nach Auszählung von mehr als einem Drittel der Stimmen kamen die drei Parteien zusammen auf 38 der 63 Sitze im Parlament.

Demnach verliert Jakobsdóttirs Links-Grüne Bewegung mehrere Prozentpunkte und kommt wohl nur noch auf neun Sitze - zwei Sitze weniger als bei der Wahl 2017. Damit werden sie vom kleineren ihrer beiden Bündnispartner, der bäuerlich-liberalen Fortschrittspartei, die auf 13 Sitze hoffen kann, auf den dritten Platz verdrängt. Stärkste Kraft dürfte mit 16 Sitzen die konservative Unabhängigkeitspartei werden. Parteichef Bjarni Benediktsson, Finanzminister der bisherigen Regierung und ehemaliger Ministerpräsident, hofft, Jakobsdóttir als Regierungschef abzulösen.

 Koalition über die politische Mitte hinweg

Die Fortschrittspartei sei "zurück in der ersten Reihe" der Politik, jubelte Parteichef Sigurdur Ingi Johannsson. Jakobsdóttir sagte, es werde wohl "kompliziert", eine neue Regierung zu bilden. "Wir müssen abwarten, wie die Regierungsparteien insgesamt abschneiden und wie wir abschneiden", sagte die Ministerpräsidentin.

Jakobsdóttirs war nach der letzten Parlamentswahl 2017 mit der Unabhängigkeitspartei und der Fortschrittspartei eine ungewöhnliche Koalition über die politische Mitte hinweg eingegangen. Ihre Regierung ist erst die zweite seit 2008, die bis zum Ende der vierjährigen Amtszeit durchhielt. Zwischen 2007 und 2017 wurden infolge mehrerer Skandale insgesamt fünf Wahlen abgehalten. Die Ministerpräsidentin selbst ist sehr beliebt. Während ihrer vierjährigen Amtszeit führte sie ein fortschrittliches Einkommensteuersystem ein, erhöhte das Budget für den sozialen Wohnungsbau und verlängerte die Elternzeit. Auch ihr Umgang mit der Corona-Krise wurde gelobt: In dem Inselstaat mit seinen 370.000 Einwohnern starben nur 33 Menschen an den Folgen einer Infektion.

Das isländische Parlament Althing - eines der ältesten Parlamente der Welt - hat 63 Sitze. 32 sind somit für eine Mehrheit notwendig. Ein Endergebnis der Wahl dürfte erst am Sonntagmorgen feststehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. September 2021 um 18:30 Uhr und am 26. September 2021 um 04:00 Uhr in den Nachrichten.