Eine Boeing 737-800 der belarusischen Fluglinie Belavia startet vom Moskauer Flughafen Domodedowo | REUTERS

Sanktionen gegen Belarus Das irische Leasing-Dilemma

Stand: 15.11.2021 04:42 Uhr

Die EU-Außenminister sprechen heute über weitere Sanktionen gegen Belarus. Immer wieder wird dabei auch die belarusische Flugline Belavia genannt, die ihre Maschinen in Irland least. Das bringt Irland in ein Dilemma.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio London

Irland ist einer der größten Umschlagplätze für Flugzeuge weltweit. Niedrige Gewerbesteuern und historisch bedingte Flugbegeisterung haben auf der grünen Insel einen Wirtschaftssektor entstehen lassen, in dem rund 70.000 Menschen beschäftigt sind.

Gabi Biesinger ARD-Studio London

14 Fluggesellschaften sind in Irland registriert, das insgesamt nur fünf Millionen Einwohner hat. Darunter ist auch die weltweit zweitgrößte Airline, die Billigfluglinie Ryanair. Und neun der zehn weltweit bedeutendsten Flugzeugleasingfirmen sind ebenfalls in Irland ansässig. John Higgins, Chef des Leasing-Betreibers Avolon, der Nummer zwei in der Branche, dem rund 900 Jets gehören, rühmt sich, dass alle zwei Sekunden irgendwo in auf Welt ein Flugzeug abhebt, das von einer irischen Leasingfirma bereitgestellt wird.

Vor der Corona-Pandemie hatten Flugzeug-Leasingunternehmen einen Anteil von 46 Prozent an der zivilen Luftfahrtflotte. Vor allem für kleinere Airlines war es von jeher finanziell vorteilhaft Maschinen zu leasen, denn sie konnten sich Investitionen wie rund 240 Millionen US-Dollar nach Listenpreis für eine Boeing 787 nicht leisten. Dasselbe Flugzeug zu leasen, kostet dagegen nur rund zwölf Millionen US-Dollar im Jahr.

Auch Belarus ist dabei

Auch an die belarusische staatliche Fluggesellschaft Belavia verleihen mindestens zwei irische Leasingbetreiber Flugzeuge: Nordic Aviation Capital (NAC) stellen Belavia laut ihrer Internetseite fünf Flugzeuge zur Verfügung. Zuletzt wurde ein Jet im September 2020 ausgeliefert. Der Guardian zitierte NAC in der vergangenen Woche, man werde die Krise sorgfältig beobachten, sich an Auflagen der Regierung halten und mit den Kunden unter Einhaltung aller Vorschriften zusammenarbeiten.

Der irische Außenminister Simon Coveney hatte sich im Oktober in Luxemburg für weitere Sanktionen gegen Belarus ausgesprochen, allerdings hatte auch er erklärt, es sei rechtlich schwierig, bestehende Verträge auszusetzen, und sich damit hinter die irische Leasing-Industrie gestellt.

Aber die EU könne ja das künftige Leasen von Maschinen durch belarusische Airlines mit Sanktionen belegen, und dabei sei Irland dann im Boot: "Wir sind uns nicht sicher, ob wir laufende Verträge einfach rechtlich sauber aufkündigen und abwickeln können. Aber was wir auf jeden Fall sagen, ist, dass es keine neuen Verträge oder Geschäftsbeziehungen zu Belavia geben wird. Und wir sind auf jeden Fall offen dafür, mit der EU zu überlegen, wie man den Druck erhöhen kann."

Erste Gespräche

Die irische Regierung hatte vergangene Woche bestätigt, dass es Gespräche gegeben habe mit einer Reihe irischer Leasingfirmen. In einer Videoschalte hätten Vertreter des Verkehrs- und des Außenministeriums der Industrie mögliche Sanktionsmodelle vorgestellt und Fragen beantwortet.

Ob Irland nach juristischer Prüfung nun doch auch bereit sein könnte, bestehende Verträge zu sanktionieren, muss sich am Verhandlungstisch zeigen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. November 2021 um 06:21 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".