TikTok-App | picture alliance/dpa

Vorwurf Anstiftung zum Suizid Ermittlungen gegen Influencerin in Italien

Stand: 28.01.2021 17:41 Uhr

In Italien ermittelt die Polizei gegen eine 48-jährige Influencerin. Ihr wird vorgeworfen, junge Menschen zu einem lebensgefährlichen Spiel angestiftet zu haben. Erst kürzlich hatte der Tod einer Zehnjährigen das Land erschüttert.

Die italienische Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Anstiftung zum Suizid gegen eine 48-jährige Frau aus der sizilianischen Provinz Syrakus. Die Frau habe auf der Videoplattform TikTok ein "äußerst gefährliches" Video hochgeladen, erklärte die Polizei. Dieses sei ohne Einschränkungen für alle Nutzer sichtbar gewesen, auch für Kinder. Das habe junge Nutzer zu einer möglicherweise lebensgefährlichen Mutprobe verleiten können.

Die Beschuldigte hat mehrere Hunderttausend Fans auf der Social-Media-App. Auf ihren Videos soll zu sehen sein, wie sie sich Mund und Nase mit transparentem Klebeband umwickelt, bis sie fast nicht mehr atmen kann. Die Polizei vermutet, die Frau habe mit diesen aufsehenerregenden Videos weitere Follower gewinnen wollen.

Die Ermittler stufen die Filme vor allem für Minderjährige als gefährlich ein. Bei Kindern und Jugendlichen ist TikTok besonders beliebt. Der Account der Influencerin wurde gesperrt.

Zehnjährige gestorben

In der vergangenen Woche hatte im sizilianischen Palermo der Tod eines Mädchens für Schlagzeilen gesorgt. Die Zehnjährige war bei einer sogenannten Blackout-Challenge ums Leben gekommen, vermutlich, nachdem sie sich an einer Mutprobe auf TikTok beteiligt hatte. In dieser ging es darum, sich bis zur Bewusstlosigkeit die Luft abzuschnüren und dabei zu filmen.

Die Polizei machte keine Angaben dazu, ob sich das Mädchen das Video der Beschuldigten angesehen hatte. Der Tod des Kindes hatte in ganz Italien Bestürzung hervorgerufen. Die italienische Datenschutzbehörde hat als Reaktion darauf vorübergehend den Zugang zu TikTok für Nutzer gesperrt, deren Alter nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist. TikTok schreibt für seine Nutzer eigentlich ein Mindestalter von 13 Jahren vor. 

 Mit Informationen von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

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