Eine Person hält ein Smartphone, das das digitale Covid-Zertifikat der EU zeigt, und einen deutschen Reisepass. | dpa

EU-Impfnachweis Ohne Booster noch neun Monate gültig

Stand: 01.02.2022 01:22 Uhr

Die EU-Impfnachweise sind ohne Auffrischungsimpfung nur noch neun Monate gültig. Nach Ablauf dieser Frist werden Menschen ohne Booster bei Grenzübertritten wie Ungeimpfte behandelt.

Von Helga Schmidt, ARD-Studio Brüssel

Nicht nur in Deutschland laufen die Booster-Impfungen langsamer als erwartet - auch in anderen Teilen Europas ist das so. Die EU-Kommission will dafür sorgen, dass Europas Bürgerinnen und Bürger in Zukunft trotzdem möglichst sicher reisen können. Deshalb gilt der Impfnachweis ohne Auffrischungsimpfung nur noch, wenn die letzte Impfung nicht mehr als neun Monate zurückliegt.

Helga Schmidt ARD-Studio Brüssel

Schwächer werdender Schutzwirkung entgegenwirken

Spätestens dann muss geboostert werden - sonst werden Reisende beim Grenzübertritt ganz genauso behandelt wie Ungeimpfte. "Diese Regelung zielt darauf, dass wir ein Werkzeug haben, dass von allen Mitgliedsländern angewendet werden kann", sagt EU-Kommissionssprecher Eric Mamer.

Die EU will damit auf die von Monat zu Monat schwächer werdende Schutzwirkung der Impfstoffe reagieren. Je weiter die Impfung mit der Grundimmunisierung zurückliegt, desto geringer ist der Schutz vor einer Ansteckung. Gleichzeitig wird auch das Risiko einer schweren Erkrankung größer.

Mit Booster zunächst unbegrenzte Gültigkeit

"Ich persönlich kann nur jedem raten, sich nach spätestens sechs Monaten boostern zu lassen. Und auch nach drei Monaten ist es schon sinnvoll", sagt der CDU-Europaabgeordnete und Arzt Peter Liese. Dass die EU die Gültigkeit des Impfnachweises jetzt aber nicht auf sechs Monate oder sogar auf drei Monate begrenzt, sondern sie neun Monate in Kraft lässt, ist aus seiner Sicht ein Kompromiss.

Es sei eben in vielen Teilen Europas nicht so einfach, schnell an einen Termin für die Auffrischungsimpfung zu kommen , selbst für Menschen, die das wollen, so Liese. "Von daher hat man da einen pragmatischen Ansatz gewählt und gesagt: Die Menschen brauchen Zeit, den Booster auch tatsächlich zu bekommen."

Für diejenigen, die schon eine Auffrischungsimpfung haben, gilt der Nachweis zunächst unbegrenzt. Man wartet noch auf Studien, die belegen, wie lange eine solche Booster-Impfung schützt.

Testanforderungen bei Einreise sollen wegfallen

Die neue Regel soll das Reisen in einem Punkt auch einfacher machen: Wer bisher in den Urlaub fuhr, musste die Corona-Regeln im Urlaubsland verstehen. Und die konnten und können von Land zu Land sehr unterschiedlich ausfallen. Nun sollen Zusatzforderungen wie PCR-Tests oder Antigen-Tests bei der Einreise grundsätzlich wegfallen - jedenfalls in der Theorie.

Einige Länder wie Österreich verlangen zur Zeit noch Tests von Einreisenden - und der Europaabgeordnete Liese will nicht ausschließen, dass auch andere Länder in Zukunft durchaus noch mal von der Regel abweichen können. Und das zum Beispiel so begründen: "Wir testen Menschen aus einem Gebiet, wo relativ viele Menschen ungeimpft sind und wo es eine hohe Infektionslast gibt." Das werde sich nicht vermeiden lassen, wenn es noch mal gefährlich wird, so Liese.

Nationale Regelungen weiter möglich

Auch für Menschen, die schon eine Corona-Infektion hatten, sieht der Impfpass eine Frist vor. Nach der Genesung soll ihr Ausweis EU-weit für sechs Monate gültig sein. In Deutschland wurde die Dauer gerade auf drei Monate reduziert.

Nationale Alleingänge sind also auch in Zukunft nicht ausgeschlossen. Das gilt auch für die Bestimmungen innerhalb der Mitgliedsländer: Ob ein Land etwa für den Besuch im Restaurant oder bei Großveranstaltungen einen Test verlangt, bleibt Sache der nationalen Regierungen.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 01. Februar 2022 um 06:09 Uhr.