Screenshot der Website vom ORF zur Impflotterie | werimpftgewinnt.orf.at

Corona-Pandemie in Österreich Mit der Impflotterie zum Eigenheim

Stand: 23.11.2021 18:28 Uhr

Ein Elektro-Auto, eine Marken-Küche oder gar ein Einfamilienhaus: Der ORF lockt in seiner Impflotterie mit wertvollen Preisen. Bereits in der ersten Nacht registrierten sich 170.000 Menschen.

Von Wolfgang Vichtl, ARD-Studio Wien

"Stöckl Live" hatte fast Straßenfegerqualität - mehr als eine Million der knapp neun Millionen Österreicherinnen und Österreicher schaute am ersten Lockdown-Abend bei der ORF-Moderatorin Barbara Stöckl vorbei.

Wolfgang Vichtl ARD-Studio Wien

Sie hatte sich vorgenommen, eineinhalb Stunden lang "Bedenken auszuräumen" gegen die Corona-Impfung. Diesmal "ganz ohne Politiker", wie sie sagte. Es wurden Zuschauerfragen beantwortet, Expertinnen und Experten erklärten, warum Impfen gegen Covid so wichtig ist, ehemalige Covid-19-Kranke, die sich selbst noch nicht wirklich als "genesen" bezeichnen würden, kamen eindrucksvoll zu Wort. Es war öffentlich-rechtliche Überzeugungsarbeit - Fakten und erschütternde Reportagen, wie in den vergangenen Wochen auch.

Fertighaus, E-Auto oder eine Küche

Eines war neu: Neben der harten Dosis Information lockt der ORF jetzt auch mit einer Impflotterie an die Nadeln - "Wer impft, gewinnt".

Vielleicht ein Fertighaus, ein E-Auto, eine neue Küche oder ein neues Smart-TV-Gerät. Ein Programm für die langen Abende zu Hause im Lockdown, denn Österreich hat mindestens 20 Tage "geschlossene Lockdown-Gesellschaft" vor sich.

Vorbild: Burgenland

Gutes Zureden und scharfe Regeln haben die Impfquote in der Alpenrepublik zuletzt nur von 63 auf etwas über 66 Prozent gehoben - bei freundlicher Zählung. Deshalb gibt es jetzt den Versuch mit der Lotterie als Impf-Booster. Knapp 1000 Sachpreise, weil "Aufklärung und Information manchmal nicht ausreichen" um die Unverzichtbarkeit der Schutzimpfung "bei möglichst vielen Menschen" zu verankern, sagt der scheidende ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

Die Landesregierung des Burgenlands hatte im Herbst Erfolg mit einer ähnlichen Lotterie - Hauptpreis war damals ein Golf GTI. Der Gewinn fürs Land: Mit etwas über 75 Prozent kann das Burgenland die österreichweit höchste Impfquote vorweisen.

Nicht nur für bisherige Impfverweigerer

Mitmachen dürfen alle in Österreich lebenden Menschen ab 18 Jahren, die seit dem 1. Oktober geimpft wurden, oder sich bis 20. Dezember noch gegen Covid-19 impfen lassen. Und zwar egal, ob es die bisherigen Verweigerer sind, die sich dann erst den ersten Stich setzen lassen, oder die, die zum zweiten oder schon zum dritten Mal geimpft werden.

Dem ORF-Generaldirektor geht es nicht nur darum, möglichst viele zum Impfen zu locken, sondern auch um "ein großes Danke an alle, die sich bereits haben impfen oder boostern lassen". Wer gewonnen hat, soll an Heiligabend bekanntgegeben werden, in der traditionsreichen ORF-Sendung "Licht ins Dunkel".

170.000 Lotterie-Teilnehmende

ORF-Moderatorin Stöckl freute sich am Tag danach, "über die große Resonanz" und "das enorme Vertrauen, das uns entgegengebracht wurde". Da gehe es ihr nicht nur um die 170.000 Menschen, die sich noch in der Nacht bei der Lotterie angemeldet haben. Es gehe auch um die halbe Million Menschen, die sich online bei werimpftgewinnt.orf.at informiert haben. Und die vielen Menschen, die sich während der Sendung von den Ärztinnen und Ärzten am Telefon haben beraten lassen - auch auf Serbisch, Kroatisch, Rumänisch, Englisch und Farsi.

Die FPÖ hat kein Verständnis

Einigen Zuschauern hat es allerdings nicht gefallen. Christian Hafenecker, Sprecher der rechtspopulistischen FPÖ, schäumt: "Wenn Du glaubst, schwachsinniger geht es nicht mehr, kommt auf einmal der ORF daher." Der FPÖ-Mann wettert gegen die "gebührenfinanzierte Lotterie", mit der sich der ORF an den "Chaoskurs" der Regierung in Wien anbiedere.

Wobei der ORF vorsorglich darauf hinwies, dass alle Preise von österreichischen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden - und nicht aus Gebührengeld finanziert sind.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. November 2021 um 15:54 Uhr.