Der Arzt Anil Mehta verabreicht, umgeben von seinem Team aus Doktoren und Arzthelfern, Geeta Waddon ihre Corona-Schutzimpfung - und dabei die 10.000ste Impfung in seiner Praxis. | dpa

Britische Impfkampagne Erfolgreich - auch wegen der Hausärzte

Stand: 10.03.2021 08:19 Uhr

Kein anderes europäisches Land hat mehr Geld in Forschung, Produktion und Einkauf von Corona-Vakzinen gesteckt als Großbritannien. Die Impfkampagne ist ein Erfolg - auch weil Arztpraxen von Anfang an dabei waren.

Von Torben Ostermann, ARD-Studio London

Großbritannien bekommt die Pandemie zusehends in den Griff. Fast schon symbolisch wirkt da die Meldung, dass die provisorisch aus dem Boden gestampften Notfall-Lazarette nun abgebaut werden sollen, weil sie nicht mehr benötigt werden. Ein Grund: die Impfkampagne der britischen Regierung.

Torben Ostermann

Boris Johnson wusste bereits Anfang des Jahres, was seine Bürger nun in erster Linie von ihm erwarten: "Ich weiß, dass es gerade diese eine Frage gibt, die sie alle beschäftigt: Wie bekommen wir die abermillionen Dosen Impfmittel möglichst schnell in die Arme derer, die es dringend brauchen?"

Die Impfkampagne der britischen Regierung ist eine Erfolgsgeschichte. Bereits im Sommer bestellte Johnsons Kabinett Hunderte Millionen Impfdosen und damit viel mehr, als das Land jemals brauchen wird. Kein europäisches Land hat mehr Geld für die Erforschung, Produktion und vor allem den Einkauf der begehrten Vakzine bereitgestellt - und das zahlt sich aus: Rund 22 Millionen Briten haben mittlerweile die erste Dosis Impfstoff in den Arm gespritzt bekommen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es nicht einmal acht Millionen.

Hausärzte - von Anfang an

Fester Bestandteil der Impfkampagne waren von vorneherein auch niedergelassene Ärzte. Einer von ihnen ist Simon Tobey. In einem Fernsehinterview sagte er, es seien die besonders Verletzlichen, die er zuerst impfen werde. Er sei froh, der Pandemie endlich etwas entgegensetzen zu können.

Seit dem 15. Februar impfen niedergelassene Ärzte landesweit erwachsene Briten zwischen 16 und 64, die an Vorerkrankungen leiden. Seit dem 1. März können alle Bürger, die bereits eine erste Dosis erhalten haben, ebenfalls ihren Hausarzt aufsuchen, dort bekommen sie dann die zweite Impfung.

Anfangs kam es durchaus zu Schwierigkeiten, berichtet ein Arzt in einem Interview mit der BBC: "Von jetzt auf gleich mussten wir die Impfungen zusätzlich zu unserer übrigen Arbeit erledigen - und wir haben vorher schon am Limit gearbeitet." Andere Ärzte erzählen von Lieferschwierigkeiten - bereits vereinbarte Impftermine mussten vielfach kurzfristig verlegt werden.

Mittlerweile scheint das Impfen beim Hausarzt zu funktionieren. Für die 80-jährige Maureen ein Grund zur Freude. Sie habe zwar noch ihren Mann, dennoch haben ihr vor allem die sozialen Kontakte gefehlt, erzählt sie: "Mein Mann und ich leben seit 62 Jahren zusammen. Aber es war schon hart, die Familie nicht zu sehen."

Im Mai soll die Hälfte durchgeimpft sein

Für Premierminister Boris Johnson ist der Erfolg der Impfkampagne extrem wichtig. Sein Zick-Zack-Kurs während der ersten und zweiten Welle sorgte für viel Verdruss im Vereinigten Königreich. Mehr als 120.000 Briten sind an oder mit dem Coronavirus gestorben - eine traurige Spitzenposition im europäischen Vergleich.

Spitze ist Großbritannien nun allerdings auch beim Impfen. Spätestens im Mai soll die Hälfte aller Bürgerinnen und Bürger durchgeimpft sein. Ende Juni dann will Johnson alle Corona-Einschränkungen aufheben.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. März 2021 um 13:05 Uhr.