IAEA-Chef Rafael Grossi | EPA

Atomstreit mit dem Iran IAEA-Chef sieht "Zeit für Diplomatie"

Stand: 13.09.2021 08:32 Uhr

Nach den Fortschritten im Streit um das iranische Atomprogramm sieht der Chef der internationalen Atombehörde IAEA, Grossi, eine leichte Entspannung der Lage. Es gebe nun "Zeit für die Diplomatie".

Die erzielte Übereinkunft der Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit dem Iran zur Überwachungstechnik in den iranischen Nuklearanlagen hat laut IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi Zeit für Verhandlungen erwirkt. Es handele sich um eine "Überbrückung, um eine Maßnahme, um Zeit für Diplomatie zu schaffen", so Grossi nach seiner Rückkehr von den Verhandlungen in Teheran.

Das "dringlichste Problem" sei mit der am Sonntag erzielten Übereinkunft gelöst worden. Seine Gespräche im Iran seien "offen" gewesen, sagte der IAEA-Chef. Die Kommunikation mit dem Iran über das Nuklearprogramm sei nun "wiederhergestellt". Er sei eingeladen worden, "sehr bald" in den Iran zurückzukehren.

Gestern hatte der Iran den Inspektoren der IAEA gestattet, die Überwachungskameras in den Nuklearanlagen des Landes wieder zu warten und die Festplatten auszutauschen.

IAEA bekommt Zugriff "innerhalb weniger Tage"

Die Inspekteure bekämen laut Grossi nun "innerhalb weniger Tage" wieder Zugriff auf die Überwachungstechnik und könnten sich nach mehreren Monaten der Unklarheit vergewissern, ob diese korrekt funktioniere. Damit werde die IAEA in die Lage versetzt, beim Wissen über das iranische Atomprogramm "Kontinuität zu bewahren". 

Vereinbart wurde allerdings nur der Zugriff der IAEA auf die Überwachungstechnik, nicht auf die gesammelten Daten selbst. Zugang zu den aufgenommenen Daten werde die Organisation erst erhalten, wenn es eine Einigung bei den Gesprächen über einen Neustart des Atomabkommens mit dem Iran von 2015 gebe, sagte Grossi. Erst dann könne das "Puzzle" zusammengefügt werden. 

Der Iran hatte der IAEA seit Februar den Zugriff auf Echtzeit-Kamerabilder und andere Daten aus den von der Organisation in iranischen Atomanlagen installierten Überwachungssystemen mehrere Monate lang verweigert. Die IAEA war deshalb besorgt, dass Daten verloren gehen könnten. 

Biden will Atomabkommen wiederbeleben

Das internationale Atomabkommen von 2015 soll den Iran am Bau von Atomwaffen hindern. Unter anderem verpflichtete sich das Land, seine Kapazitäten für die Urananreicherung einzuschränken und regelmäßige Inspektionen seiner Nuklearanlagen zuzulassen. Im Gegenzug wurden internationale Sanktionen gegen den Iran aufgehoben.

2018 stiegen dann aber die USA unter dem damaligen Präsident Donald Trump einseitig aus dem Abkommen aus und verhängten erneut massive Sanktionen. Danach zog sich Teheran ebenfalls schrittweise aus der Vereinbarung zurück.

Der seit Januar amtierende US-Präsident Joe Biden ist grundsätzlich zu einer Wiederbelebung des Atomabkommens bereit, macht aber zur Vorbedingung, dass sich Teheran wieder an seine darin eingegangenen Verpflichtungen hält.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. September 2021 um 06:00 Uhr.