Im belgischen Trooz ist während der Überschwemmungen ein Haus auf Autos geschoben worden. | dpa

Belgien und Niederlande "Die Leute konnten nicht mehr raus"

Stand: 16.07.2021 15:55 Uhr

Auch Belgien und die Niederlande kämpfen gegen das Hochwasser. Bewohner sind in Häusern eingeschlossen, mehrere Menschen kamen ums Leben. Mancherorts hat die Flut den höchsten Pegel noch nicht erreicht.

Von Stephan Ueberbach, ARD-Studio Brüssel

Die Flutwelle rollt weiter. Im Süden von Belgien gehen die Pegelstände zwar leicht zurück, allerdings stehen viele Städte nach wie vor unter Wasser, vor allem entlang der Maas und ihrer Nebenflüsse.

Stephan Ueberbach ARD-Studio Brüssel

Bisher sind mehr als 20 Menschen in den Fluten ums Leben gekommen. Mindestens fünf werden noch vermisst. Die Behörden befürchten, weitere Todesopfer zu finden, wenn der Wasserspiegel wieder sinkt und das wahre Ausmaß der Verwüstungen sichtbar wird.

In der Nacht wurden viele Bewohner mit Hubschraubern und Booten aus ihren Häusern geholt, berichtet ein Feuerwehrsprecher aus der Region Namur dem Sender RTBF. "Da waren Leute, die nicht mehr rauskonnten, weil das Wasser zu hoch stand. Wir haben sie mit Seilen ins Trockene gebracht."

Viele Menschen in Notunterkünften

Aber noch immer sind Bewohner in Häusern eingeschlossen. Andere konnten sich rechtzeitig retten oder wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht. Alleine in Lüttich haben mehr als 1000 Menschen die Nacht in Notunterkünften verbracht.

Inzwischen schieben sich die Wassermassen weiter Richtung Norden. An der Maas drohen Deiche nachzugeben, Schleusen stehen unter Druck, rund um Lüttich, aber auch weiter flussabwärts. Von Entwarnung könne keine Rede sein, sagte der Gouverneur der Provinz Limburg, Jos Lantmeeters, im flämischen Rundfunk. "Dafür ist es noch viel zu früh. Die Flut hat bei uns den höchsten Stand noch nicht erreicht, damit rechnen wir erst im Laufe des Tages."

Viele Ort ohne Strom

Besonders kritisch ist die Lage in der Gemeinde Maaseik. Der Ortsteil Heppeneert droht überspült zu werden, das Wasser läuft bereits über die Schutzmauer. Aber auch andere Landesteile stehen unter Wasser, viele kleine Flüsse wie die Gete oder die Dijle in Vlaams-Brabant sind über die Ufer getreten und haben Innenstädte, Straßen und Industriegelände überschwemmt.

In einigen Orten gibt es Probleme mit dem Trinkwasser. Leitungen sind zerstört, das Wasser ist verschmutzt. Viele Ortsteile sind ohne Strom, weil Verteilerkästen überflutet wurden. Bahnstrecken sind unterbrochen, betroffen ist auch die Verbindung von und nach Brüssel.

Die belgische Regierung hat über das Katastrophenschutz-System der EU Unterstützung aus anderen Mitgliedsstaaten angefordert, unter anderem Frankreich will dem Nachbarland mit Ausrüstung und Rettungskräften helfen. Flanderns Ministerpräsident Jan Jambon stellt den Flutopfern schnelle Finanzhilfe aus dem staatlichen Katastrophenfonds in Aussicht, er sieht allerdings auch die Versicherungsgesellschaften in der Pflicht.

Große Schäden auch in den Niederlanden

Auch in den Niederlanden ist die Flut noch längst nicht vorbei. Zwar war der Wasserstand in Maastricht nicht so hoch wie befürchtet, trotzdem sind die Schäden groß. Viele Anwohner mussten ihre Häuser vorsichtshalber verlassen. In der Stadt Meerssen und ihrer Umgebung wurden die Menschen nach einem Deichbruch aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Notfalldienste warnten, die Wassermassen drohten mehrere Dörfer zu überschwemmen.

In der Region Roermond steigt das Wasser gerade schneller als erwartet, auch hier werden Dutzende Anwohner in Sicherheit gebracht. Immerhin: Es hat aufgehört zu regnen und auch in den nächsten Tagen soll es trocken bleiben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. Juli 2021 um 11:00 Uhr.