Die Innenstadt von Barcelona ist voller Menschen.  | AP

Corona-Pandemie Spanien wird offenbar Hochinzidenzgebiet

Stand: 23.07.2021 06:57 Uhr

Medienberichten zufolge will die Bundesregierung Spanien und die Niederlande zu Hochinzidenzgebieten erklären. In Spanien verlangsamt sich der Anstieg der Neuinfektionen, in Italien kommt der "Grüne Pass".

Die Bundesregierung will offenbar Spanien und die Niederlande als Corona-Hochinzidenzgebiet einstufen. Das berichtet die "Funke Mediengruppe" mit Verweis auf Regierungskreise. Das Robert Koch-Institut veröffentlicht heute die neuen Corona-Einstufungen der Bundesregierung für das Ausland. Die endgültige Entscheidung der zuständigen Ministerien für Gesundheit, Inneres und Auswärtiges fällt in der Regel kurz vorher.

Wer aus einem Hochinzidenzgebiet zurückkehrt und nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss für zehn Tage in Quarantäne, kann diese aber durch einen negativen Test nach fünf Tagen verkürzen. In Spanien und den Niederlanden waren die Corona-Infektionszahlen in den vergangenen Wochen stark gestiegen.

Anstieg der Neuinfektionen in Spanien verlangsamt sich

Zumindest in Spanien verlangsamt sich der Anstieg der Neuinfektionen ein wenig. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg gestern nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Madrid auf 333. Das war nur ein Zähler mehr als am Vortag. Für die Balearen mit Mallorca als liebster Ferieninsel der Deutschen wurde der Wert mit 365 angegeben - eine Steigerung von 18 Zählern im Vergleich zum Vortag. Damit liegen Spanien insgesamt und auch 16 seiner 17 Regionen über dem Wert von 200, ab dem Deutschland ein Land oder eine Region zum Hochinzidenzgebiet erklären kann.

Bei der Entscheidung über die Frage, ob Spanien oder einzelne Regionen vom Risikogebiet zum Hochinzidenzgebiet hochgestuft werden müssen, sollen aber auch andere Faktoren als nur die Inzidenzen berücksichtigt werden. Dies könnten etwa die Lage im Gesundheitssystem, die Todesrate und der Stand der Impfkampagne sein. In Spanien sind derzeit etwa 13,5 Prozent der Betten auf Intensivstationen mit Corona-Patienten belegt, binnen sieben Tagen wurden 78 Corona-Tote gezählt. 70 Prozent der 47 Millionen Einwohner haben mindestens eine Corona-Impfung verabreicht bekommen, 52,8 Prozent sind vollständig geimpft.

Spanien will noch diese Woche damit beginnen, 7,5 Millionen Impfdosen zu spenden. Laut Regierungschef Pedro Sanchez sollen die Vakzine vor allem nach Lateinamerika gehen. Wie Sanchez in einem Interview mit CNN erklärt, werden die Impfstoffe über die internationale Impfallianz Covax verteilt.

Italien führt den "Grünen Pass" ein

Wegen steigender Infektionszahlen verschärft Italien die Corona-Maßnahmen. Wer in dem Land die Innenräume von Restaurants, Bars oder Sportstätten betreten will, benötigt dafür künftig einen Gesundheitspass: Der sogenannte Grüne Pass soll ab 6. August eingeführt werden, wie die Regierung in Rom mitteilte. Das landesweit gültige Dokument gibt Aufschluss über Corona-Impfungen, vergangene Infektionen sowie Corona-Tests. Es soll bereits nach der ersten - und damit noch unvollständigen - Immunisierung gegen das Coronavirus ausgestellt werden.

"Der Gesundheitspass ist ein Instrument, das es den Italienern ermöglicht, ihren Aktivitäten nachzugehen und dabei sicherzustellen, dass sie sich nicht in der Nähe von ansteckenden Menschen befinden", sagte Ministerpräsident Mario Draghi. Der "Grüne Pass" gilt demnach auch als Eintrittskarte zu Sportveranstaltungen, Konzerten, Theateraufführungen, Messen oder Kongressen - überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen und sich mit dem Coronavirus infizieren könnten. Diskotheken sollen nach Angaben der Regierung weiterhin geschlossen bleiben.

Der Gesundheitspass hatte innerhalb der Regierungskoalition zu Spannungen geführt. Der Chef der rechtsextremen Lega-Partei, Matteo Salvini, hatte etwa vor "unangemessenen Entscheidungen" gewarnt, "die die Mehrheit der Italiener von ihrem Recht auf Arbeit und Bewegungsfreiheit abhalten". Ministerpräsident Draghi warnte die Italiener vor der ansteckenderen Delta-Variante, die sich auch in Italien zunehmend verbreitet. "Ich lade alle Italiener ein, sich impfen zu lassen, und zwar sofort", sagte der Regierungschef. Gestern registrierten die italienischen Gesundheitsbehörden 5057 Neuinfektionen binnen 24 Stunden, die Fallzahlen stiegen zuletzt wieder an.

Großbritannien will tägliche Tests für Supermarktmitarbeiter

Auch Israel will nach einem Anstieg bei den Neuinfektionen wegen der ansteckenderen Delta-Variante den Grünen Pass wieder einführen. Das Büro von Ministerpräsident Naftali Bennett teilte mit, dass die Maßnahme bei einer Zustimmung durch die Regierung ab dem 29. Juli in Kraft treten solle. An Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern dürften dann nur noch Personen teilnehmen, die vollständig geimpft oder genesen sind oder ein negatives Testergebnis aufweisen können. Dabei stünden vor allem kulturelle und sportliche Veranstaltungen, Fitnesscenter, Restaurants, Konferenzen, Touristenattraktionen und Gebetshäuser im Fokus. Israel hatte im Juni nach einem deutlichen Impffortschritt einen Großteil der Corona-Restriktionen aufgegeben.

Großbritannien will tägliche Corona-Tests für Mitarbeiter im Lebensmittelsektor einführen, um die Branche am Laufen zu halten. Mit einem negativen Testergebnis könnten Angestellte weiterarbeiten, auch wenn sie vorher von einer App-Warnung aufgefordert worden seien, sich in Quarantäne zu begeben, teilte die Regierung mit. Nach offiziellen Corona-Warnungen für hunderttausende Mitarbeiter im Einzel- und Großhandel waren in Großbritannien Regale in Supermärkten leer geblieben. Die mit der App-Warnung zusammenhängenden Probleme - in England kurzerhand "Pingdemic" getauft - fallen in eine Zeit, in der Premierminister Boris Johnson die Wirtschaft gerade erst weitgehend von Corona-Restriktionen befreit hat.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Juli 2021 um 06:00 Uhr in den Nachrichten.