Waldbrand bei Landiras im Südwesten Frankreichs | AP

Weltwetterorganisation Aktueller Hitzetrend "bis mindestens 2060"

Stand: 19.07.2022 20:23 Uhr

Europa leidet unter einer in einigen Ländern noch nie dagewesenen Hitzewelle. Laut dem Chef der Weltwetterorganisation ist das nur der Anfang dessen, was uns in den kommenden Jahrzehnten bevorsteht.

Von Kathrin Hondl, ARD-Studio Genf

Während WMO-Generalsekretär Petteri Taalas in Genf eine Pressekonferenz zur Hitzewelle abhielt, wurde aus London ein neuer Rekord gemeldet: 40,2 Grad - die höchste Temperatur, die jemals im Vereinigten Königreich gemessen wurde.

Kathrin Hondl ARD-Studio Genf

"Der Hitzerekord in Großbritannien wurde gebrochen", so Taalas. "In Sizilien hatten wir im vergangenen Sommer 48,8 Grad, die bis jetzt noch nicht überschritten wurden."

Aber es dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis auch der europäische Hitzerekord aus dem sizilianischen Sommer von 2021 gebrochen wird. Denn Hitzewellen, wie wir sie gerade erleben, werden immer häufiger vorkommen. Und sie werden immer heftiger werden, sagt der Generalsekretär der Weltwetterorganisation.

"Aktuelle Temperaturen werden uns milde erscheinen"

"Der aktuelle Trend wird noch bis mindestens 2060 anhalten, und zwar unabhängig vom Erfolg unserer Klimaschutzbemühungen. Wir werden uns an diese Art von Wetter gewöhnen müssen. Und die aktuellen Temperaturen werden uns in den kommenden Jahrzehnten mild erscheinen."

Die WMO und der Weltklimarat IPCC warnen schon seit vielen Jahren davor, dass durch den menschengemachten Klimawandel Extremwetter wie die aktuelle Hitzewelle immer häufiger werden.

"Als wir in den 80ern den Weltklimarat gründeten, hielten viele das für etwas rein Theoretisches, die meisten Leute glaubten nicht an unsere Szenarien", so Petteri Taalas. Jetzt hofft der WMO-Chef, dass die aktuelle Hitzewelle ein Weckruf ist für viele Regierungen, sowie die Wählerinnen und Wähler in demokratischen Staaten.

Weg von fossiler Energie

Das Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen, könne mit den aktuellen Klimaschutzmaßnahmen nicht erreicht werden, betonte Taalas. Im Moment bewege sich die Welt auf 2,5 Grad globale Erhitzung zu, der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase müsse dringend reduziert werden.

Auch wenn europäische Staaten gerade für die Energiegewinnung zur Kohle zurückkehrten: Um weniger abhängig von russischem Gas zu sein, gebe es die Chance, so der WMO-Chef, in den kommenden zehn Jahren von fossiler Energie loszukommen. Es müsse jetzt aber schnell gehen.

Wir müssen uns beeilen, von Energie aus Kohle, Öl und Gas wegzukommen. Das ist nötig für erfolgreichen Klimaschutz.

Noch mehr Hitzewellen in diesem Sommer?

Und Erfolg würde bedeuten, dass der negative Trend zu immer mehr und immer heißeren Hitzewellen in den 2060er-Jahren gebremst werden könnte. Ein Ende der aktuellen Hitzewelle in Europa sehen die Experten der Weltwetterorganisation vermutlich in der Mitte der kommenden Woche.

Und es könnte auch nicht die letzte heiße Phase in diesem Sommer gewesen sein, so der Klimaforscher Robert Stefanski in Genf. "Schon im Juni hatten wir eine Hitzewelle, jetzt ist es erst Mitte Juli, mal sehen, was in den kommenden Sommerwochen noch passiert."

Über dieses Thema berichtete BR24 am 19. Juli 2022 um 19:32 Uhr.