Antonio Guterres und Sergej Lawrow | AP

UN-Chef in Moskau Guterres dringt auf friedliche Lösung

Stand: 26.04.2022 21:00 Uhr

UN-Generalsekretär Guterres hat in Moskau Präsident Putin und Außenminister Lawrow getroffen. Er forderte eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg. Putin soll einer Evakuierung des Stahlwerks in Mariupol zugestimmt haben.

UN-Generalsekretär António Guterres hat in Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und zuvor mit Außenminister Sergej Lawrow Gespräche geführt. Das Treffen mit Putin im Kreml soll etwa eine Stunde gedauert haben.

Putin soll offen sein für Evakuierung von Stahlwerk

Im Anschluss teilten die Vereinten Nationen mit: "Der Präsident stimmte grundsätzlich der Beteiligung der Vereinten Nationen und des Internationalen Komitees für das Rote Kreuz an der Evakuierung von Zivilpersonen aus dem Asow-Stahlwerk in Mariupol zu."

Dazu sollten die UN mit dem russischen Verteidigungsministerium in Kontakt bleiben. Bei dem Gespräch mit Putin sei es auch um die Verbesserung der humanitären Hilfe für die Ukraine gegangen.

Putin hatte nach dem Gespräch gesagt, Russland hoffe auf eine "friedliche Lösung". Bei ihren Verhandlungen in Istanbul im März hätten russische und ukrainische Unterhändler einen "beträchtlichen Durchbruch" erzielt. Doch sei die ukrainische Seite später von einigen der vorläufigen Vereinbarungen abgerückt. Das erschwere es, einen "künftigen Deal" auszuhandeln.

Lawrow Bereitschaft zum Dialog erklärt

Zuvor hatte Guterres mehrere Stunden mit Lawrow gesprochen. Guterres forderte eine rasche Waffenruhe und ein Ende des Krieges. Er habe ein Interesse daran, alles zu tun, um den Krieg und das Leiden der Menschen zu beenden. Obwohl die Lage in der Ukraine komplex sei und es "unterschiedliche Interpretationen dessen, was dort geschieht", gebe, sei ein Dialog möglich, so der UN-Generalsekretär.

Er sei bereit, die Ressourcen der Vereinten Nationen in vollem Umfang zu mobilisieren, um Leben zu retten. "Tausende Zivilisten benötigen dringend lebensrettende humanitäre Hilfe", sagte Guterres. Es gehe ihm auch darum, die Auswirkungen der Gefechte in der Ukraine auf die Lebensmittelsicherheit in anderen Teilen der Welt zu vermindern. Schon jetzt seien die Auswirkungen des Krieges auf die Preise bei Lebensmitteln und Energie weltweit spürbar.

Trilaterale Gruppe zur Lösung humanitärer Probleme

Guterres äußerte sich zudem besorgt über mögliche russische Kriegsverbrechen in der Ukraine. Die Vorwürfe gegen die russischen Streitkräfte müssten unabhängig untersucht werden, sagte er. Die Vereinten Nationen seien bereit, alles dafür zu tun, um Menschenleben in der belagerten Hafenstadt Mariupol zu retten.

Er schlug die Bildung einer trilateralen Gruppe zur Lösung humanitärer Probleme in der Ukraine vor, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern von UN sowie den Regierungen in Kiew und Moskau. Diese Kontaktgruppe könne die Sicherheit von Fluchtkorridoren gewährleisten, sagte Guterres.

Nach dem Treffen wies Lawrow wiederum den Vorschlag der ukrainischen Regierung zurück, in Mariupol Friedensgespräche zu führen. Russland sei zwar an einer diplomatischen Lösung interessiert. Es sei aber noch zu früh, um darüber zu sprechen, wer bei den Verhandlungen vermitteln werde.

Guterres trifft Selenskyj

Für Guterres war es die erste Reise nach Moskau seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine. Er war als "Botschafter des Friedens" - wie er selbst sagte - in die russische Hauptstadt gereist. Nach seinem Russland-Aufenthalt reist Guterres über Polen in die Ukraine weiter, wo er mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammenkommen will.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. April 2022 um 21:45 Uhr.