António Guterres inspiziert im Hafen von Istanbul ein Schiff mit Getreide aus der Ukraine | EPA

UN-Chef Guterres in der Türkei "Eine bemerkenswerte Operation"

Stand: 20.08.2022 18:30 Uhr

UN-Generalsekretär Guterres hat sich beim Besuch des Kontrollzentrums für die ukrainischen Getreideexporte in Istanbul bewegt gezeigt. Wichtig sei nun aber auch, dass Russland Düngemittel exportieren könne.

Von Uwe Lueb, ARD-Studio Istanbul

"Was für eine bemerkenswerte und anregende Operation" - mit diesen Worten lobt UN-Generalsekretär António Guterres die Arbeit des gemeinsamen Kontrollzentrums zur Überwachung des Getreidekorridors in Istanbul. Er sei tief bewegt, dass durch den Korridor Getreide zu denen gebracht werde, die es dringend benötigten.

Uwe Lueb ARD-Studio Istanbul

Das habe er in Odessa empfunden, als dort Getreide geladen wurde - und nun wieder beim Anblick der "Brave Commander". Der Frachter ist das erste Schiff, das im Auftrag der UN Getreide nach Afrika bringen soll und zuletzt vor Istanbul lag. "Meine Hoffnung ist, dass dieser außerordentliche Geist des Abkommens, den man im gemeinsamen Kontrollzentrum sieht, Früchte trägt und in einen Prozess mündet, an dessen Ende alle gern Frieden hätten."

UN: Ohne russischen Dünger wird es nicht gehen

Für den Moment sei es aber wichtig, die Getreideausfuhren weiter zu steigern. Das betreffe auch Exporte aus Russland, die nicht den Sanktionen unterlägen. Die UN arbeite daran. Wegen der Sanktionen und damit zusammenhängenden Versicherungsfragen ist es für Russland nach eigenen Angaben schwer, Schiffe zu chartern.

Doch vor allem russische Düngemittel seien wichtig, mahnt Guterres: "Es ist wichtig, dass alle Regierungen und die privaten Reedereien zusammenarbeiten, damit nicht sanktionierte Waren aus Russland auf den Markt kommen. Ohne genug Dünger in diesem Jahr könnte es kommendes Jahr zu wenig Lebensmittel geben."

Türkei hofft weiter auf Verhandlungen

Doch es gebe auch unmittelbare Auswirkungen, wenn rasch mehr Getreide und Düngemittel aus der Ukraine und Russland ausgeführt würden. Das wirke sich positiv auf die Preise auf dem Weltmarkt aus: "Mehr Lebensmittel und Dünger aus der Ukraine und Russland zu bekommen, ist wichtig, um die Märkte zu beruhigen und die Preise zu senken."

Auch der Verteidigungsminister der Türkei, Hulusi Akar, lobte das Abkommen, das unter Vermittlung seines Landes zustande gekommen ist. Zudem hoffe sein Land weiter auf ein Ende des Krieges durch Diplomatie. "In diesem Sinne wird sich Präsident Erdogan weiter um eine Einigung auf dem Verhandlungsweg bemühen. Er hat sein Angebot immer wieder gemacht, die Präsidenten Russlands und der Ukraine in der Türkei zu begrüßen und zusammenzubringen."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. August 2022 um 18:01 Uhr.