Johnson und Biden | AFP

Johnson und Biden beim G7-Treffen Frischer Wind - Gegenwind?

Stand: 11.06.2021 20:43 Uhr

Die Erleichterung, dass nicht mehr Trump, sondern Biden als US-Präsident am G7-Gipfel teilnimmt, ist deutlich zu spüren. Doch der frische Wind könnte besonders für Gastgeber Johnson zu einer kräftigen Brise werden.

Von Christoph Prössl, ARD-Studio London, zzt. Cornwall

In Carbis Bay weht immer ein Wind. Der malerische Ort liegt direkt am Meer. Zum Treffen der Staats- und Regierungschefs ist der Wind eine schöne Metapher für den politischen Wandel, der spürbar ist. Den neuen US-Präsidenten Joe Biden auf dem Treffen begrüßen zu können, sei ein "breath of fresh air", eine Stoß frischer Luft, sagte der britische Premierminister Boris Johnson zum Auftakt der Gespräche. Der Name Donald Trump fällt nicht, aber jeder empfindet die Erleichterung, dass dies nicht nur das erste persönliche Treffen seit Langem ist, sondern auch, dass der neue Präsident Joe Biden heißt.

Christoph Prössl ARD-Studio London

"Der Multilateralismus ist zurück", sagen die Sherpas, die in den vergangenen Wochen die Themen bearbeitet und die Abschlusserklärung vorbereitet haben und unterstreichen, dass die Zusammenarbeit richtig gut war.

Die Staats- und Regierungschefs der G7 wollen die großen Probleme anpacken. Beim Klimawandel muss viel geschehen, wenn die Staatengemeinschaft wirklich die Ziele des Pariser Abkommens erreichen will. Im November findet in Glasgow die nächste Klimakonferenz im Rahmen der Vereinten Nationen, COP26, statt. Trump hatte den Austritt der USA aus dem Klimaabkommen auf den Weg gebracht.

"Gigantischer Medienzirkus"

Es sind viele schöne Bilder, die es aus Cornwall zu sehen gibt. Begrüßungen unter freiem Himmel mit der See im Rücken, und - wegen des Windes - meistens ohne Maske. "Dies sollte eigentlich ein Kamingespräch sein", sagte Gastgeber Johnson, "aber es ist zu einem gigantischen Medienzirkus geworden, bei dem wir uns immer wieder begrüßen müssen". Dabei hatte Johnson es natürlich in der Hand, dieses Treffen so zu gestalten. Und es wird auch deutlich, dass er hier seine neue Außenpolitik definieren will, das Selbstverständnis des Vereinigten Königreiches nach dem Brexit. "Global Britain" sind die außenpolitischen Leitlinien, die Johnson vor Wochen vorgestellt hat, die so ehrgeizig sind, wie der Titel vermuten lässt.

Johnson wird viel beweisen müssen in den kommenden Tagen, vor allem Biden, dem neuen US-Präsidenten, zu dem sein Land zwar eine "special relationship" unterhält, aber so mag der Premierminister es nicht nennen, wie er in einem BBC-Interview sagte. Denn irgendwie trifft es das nicht, meinte Johnson, und wahrscheinlich ist es ihm zu anbiedernd.

Ist der Mann mit den wuscheligen Haaren, die partout nicht zu bändigen sind, immer noch der unberechenbare Querulant, der das undenkbare vorangetrieben hat und das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union geführt hat? Biden nannte Johnson 2019 einen "physischen und emotionalen Klon" von Trump. Aber seitdem hat sich viel geändert. Das Vereinigte Königreich ist für die USA nach wie vor ein wichtiger Partner, militärisch, beim Handel, in der Zusammenarbeit der Geheimdienste.

Abschlusserklärung wird Gradmesser für Johnson

Die Abschlusserklärung zum G7-Gipfel wird der Gradmesser für die außenpolitischen Fähigkeiten von Johnson und ob es stimmt, was Johnson in Carbis Bay formuliert hat, dass die Beziehungen beider Länder "unverwüstlich" seien. Zu wie viel "Global Britain" ist Johnson fähig, lautet die Testaufgabe für den Premier.

Und Biden schickte noch eine Testaufgabe vorweg. Bevor er anreiste, ließ er deutlich machen, dass das Friedensabkommen zwischen Nordirland und Irland aus dem Jahr 1998 erhalten bleiben muss und forderte den britischen Premier auf, in den Verhandlungen um den Brexit und das Nordirland-Protokoll mit der EU eine Lösung zu finden. Ganz so harmonisch ist es also nicht in der "special relationship" zwischen dem Vereinigten Königreich und den USA. Da weht ein kräftiger Wind.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 11. Juni 2021 um 21:50 Uhr.

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KOMMENTARE

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laurisch._karsten 11.06.2021 • 23:46 Uhr

@0_Ahnung

Entschuldigung. Ihr Name sagt eigendlich alles und ist mehr als nur Deutlich. " Am 11. Juni 2021 um 23:25 von 0_Ahnung @ wenigfahrer ... und einige große Länder fehlen leider." Es fehlen China, Russland, Indien und und und. Ohne diese Länder können wir machen was wir wollen Ohne diese Länder ist alles was wir machen "Kokolores".