Joe Biden, Boris Johnson, Charles Michel, Yoshihide Suga und Mario Draghi  | AP

G7-Treffen "Wir müssen Lehren aus der Pandemie ziehen"

Stand: 11.06.2021 17:43 Uhr

Zum Auftakt des G7-Gipfels hat sich Gastgeber Johnson überzeugt gezeigt, dass eine wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie gelingen kann. Er forderte die Staats- und Regierungschefs zu mehr Impfspenden auf.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Mehrere hundert vor allem junge Menschen protestieren in ganz Cornwall gegen den G7-Gipfel, manche nahe am Tagungsort, andere ein paar Kilometer weiter entfernt. Mehrere Dutzend Veranstaltungen dieser Art soll es rund um den Gipfel geben, bislang war alles friedlich. Und auch im hermetisch abgeriegelten Tagungshotel in Carbis Bay geht es unter Gastgeber Boris Johnson freundlich zu. "Danke, dass alle gekommen sind. Wunderbar, alle mal wieder persönlich zu sehen." Das Treffen sei dringend nötig gewesen, findet Johnson.

Thomas Spickhofen ARD-Studio London

Johnson will Fehler nicht wiederholen

"Wir müssen die Lehren aus der Pandemie ziehen, und wir müssen unserer Wirtschaft wieder auf die Beine helfen. Ich glaube, dass sie stark aus der Krise herauskommen kann, es gibt allen Grund, optimistisch zu sein. Aber wir müssen auch darauf achten, dass sich die Fehler der Krise von 2008 nicht wiederholen, als die wirtschaftliche Erholung nicht alle Bereiche der Gesellschaft erreicht hat", so Johnson.

Am runden Konferenztisch mit Ausblick aufs Meer will Johnson seine Gäste davon überzeugen, dass sie der Welt eine Milliarde Impfdosen gegen das Coronavirus schenken. Bis Ende nächsten Jahres soll die Welt geschützt sein, fordert Johnson. Die USA haben bereits 500 Millionen Dosen versprochen, die Briten 100 Millionen, auch die EU will ihren Anteil beisteuern. Jörn Kalinski von der Wohlfahrtsorganisation Oxfam ist trotzdem unzufrieden. "Es ist ein erster Schritt, aber er kommt zu spät und er reicht nicht aus", sagt Kalinski.

Die Kritiker des G7-Plans verweisen darauf, dass laut Weltgesundheitsorganisation elf Milliarden Dosen erforderlich sind. Sie wollen einen weltweiten Ausbau von Produktionskapazitäten und eine Freigabe der Patente - so wie US-Präsident Joe Biden und wohl auch der französische Präsident Emmanuel Macron. "Die Position von Angela Merkel ist zunehmend isoliert und wir fordern sie auf, dies nochmal zu überdenken", so Kalinski.

Zahlreiche Themen auf dem Programm

Andere Themen in diesen Tagen sind die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie, der Klimaschutz, das Verhältnis zu Russland und China. Für Merkel ist es der letzte G7-Gipfel. Sie freut sich auf die neuen Gesichter und die Auffrischung der gemeinsamen Werte in dieser Runde.

"Joe Biden zum ersten Mal begegnen zu können ist natürlich etwas wichtiges, denn er präsentiert und repräsentiert das Bekenntnis zum Multilateralismus, das uns doch in den letzten Jahren gefehlt hat", sagt Merkel. Das könne helfen, glaubt Merkel, klare Worte gegenüber Russland und China zu finden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Juni 2021 um 17:00 Uhr.