Polizistinnen vor dem Wohnhaus von Sergej Skripal in Salisbury (Archivbild). | REUTERS

Giftanschlag auf Skripal Großbritannien klagt dritten Verdächtigen an

Stand: 21.09.2021 15:41 Uhr

Dreieinhalb Jahre nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Skripal in England haben die britischen Ermittler einen dritten Tatverdächtigen angeklagt. Demnach handelt es sich um einen Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdiensts GRU.

Die Polizei in Großbritannien hat einen dritten Verdächtigen wegen des Giftanschlags auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia angeklagt. Wie die Metropolitan Police mitteilte, handelt es sich um einen russischen Staatsbürger namens Denis Sergejew, der auch unter dem Aliasnamen Sergej Fedotow bekannt sei. Die Anklage lautet unter anderem auf versuchten Mord sowie Besitz und Verwendung einer chemischen Waffe.

Die britischen Ermittler gehen davon aus, dass es sich um einen Agenten des russischen Militärgeheimdiensts GRU handelt. Nach Angaben der britischen Anklagebehörde CPS wird London keinen Auslieferungsantrag stellen, da laut russischer Verfassung die Auslieferung von Russen an andere Staaten nicht erlaubt sei. Sollte sich dies ändern, werde sich Großbritannien um die Auslieferung Fedotows bemühen. Der russische Botschafter werde aber vom Außenministerium mit der Angelegenheit konfrontiert, sagte ein britischer Regierungssprecher.

Zwei Tatverdächtige bereits identifiziert

Skripal und seine Tochter waren im März 2018 mit schweren Vergiftungen auf einer Parkbank in der südenglischen Stadt Salisbury entdeckt worden. Wie sich später herausstellte, waren sie mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet worden. Sie kamen nur knapp mit dem Leben davon. Eine Frau, die später in der benachbarten Stadt Amesbury mit dem als Parfümflasche getarnten Giftbehälter in Kontakt kam, starb. Ein mit ihr befreundeter Mann und ein Polizist erlitten ebenfalls Vergiftungen - beide überlebten jedoch.

Die britischen Ermittler hatten bislang die beiden Russen Alexander Mischkin und Anatoli Tschepiga alias Alexander Petrow und Ruslan Boschirow als Tatverdächtige identifiziert, die später von Journalisten als GRU-Agenten entlarvt wurden. In einem Interview im russischen Fernsehen hatten die beiden zuvor beteuert, nur als Touristen nach Salisbury gereist zu sein, um die "die wunderschöne Stadt" und die "bekannte Kathedrale" zu besuchen. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnete sie als Zivilisten. 

Russland weist Verantwortung zurück

Der Kreml weist jegliche Verantwortung für den Anschlag zurück. Der Fall führte zu einer schweren Krise zwischen Russland und dem Westen; beide Seiten veranlassten die Ausweisung Dutzender Diplomaten.

Die britische Innenministerin Priti Patel bekräftigte, alles dafür zu tun, die Verdächtigen festzunehmen. Bösartiges Verhalten Russlands auf britischem Boden werde nicht geduldet. "Wir respektieren das russische Volk, aber wir werden alles tun, dass unser Land sicher bleibt", sagte sie im Parlament.

Die britischen Behörden haben in dem Fall bereits die GRU-Agenten Petrow und Boschirow angeklagt. Alle drei Angeklagten sollen sich in Russland aufhalten.