Die britische Außenministerin Liz Truss | REUTERS

Ukraine-Konflikt London wirft Moskau politische Einflussnahme vor

Stand: 23.01.2022 04:55 Uhr

Großbritannien hat Russland vorgeworfen, in der Ukraine eine prorussische Führung einsetzen zu wollen. Dafür gebe es intensive Geheimdienstkontakte zu ehemaligen ukrainischen Politikern. Moskau wies den Vorwurf als "Desinformation" zurück.

Die britische Regierung hat Russland vorgeworfen, in der Ukraine eine prorussische Führung installieren zu wollen. Russische Geheimdienstler seien bereits in Kontakt mit ehemaligen ukrainischen Politikern, die das Ruder übernehmen könnten, während die russische Führung "erwägt, ob sie in die Ukraine einmarschieren und sie besetzen soll", heißt es in einer Mitteilung, die das Ministerium veröffentlichte. Das Ministerium lehnte es allerdings ab, Beweise vorzulegen, die die Anschuldigungen untermauern.

Die britische Außenministerin Liz Truss warnte Russland davor, solche Pläne in die Tat umzusetzen: "Wir werden das Komplott des Kremls nicht tolerieren, eine prorussische Führung in der Ukraine zu installieren", schrieb sie auf Twitter.

Möglicher Kandidat steht auf russischer Sanktionsliste

Das britische Außenministerium nennt gleich mehrere Personen, die im Falle einer russischen Invasion in Kiew die Macht übernehmen könnten - darunter auch der frühere ukrainische Abgeordnete Jewgeni Murajew. Der allerdings steht selbst seit 2018 auf einer russischen Sanktionsliste.

Der Zeitung "Observer" zufolge sagte Murajew in einer ersten Stellungnahme, das britische Außenministerium scheine verwirrt zu sein. "Es ist nicht sehr logisch. Ich bin aus Russland verbannt. Nicht nur das, auch das Geld der Firma meines Vaters wurde konfisziert."

Moskau: London verbreitet "Desinformation"

Das russische Außenministerium wies den britischen Vorwurf als gezielte Falschinformation zurück. Die vom britischen Außenministerium "verbreitete Desinformation" sei ein "weiteres Zeichen, dass es die von den angelsächsischen Nationen angeführten NATO-Mitglieder sind, welche die Spannungen um die Ukraine verschärfen", erklärte das Ministerium auf Twitter. "Wir fordern das Außenamt auf, die Verbreitung von Unsinn zu stoppen", hieß es weiter.

Washington besorgt

Die Nachricht aus London wurde in den USA mit Besorgnis aufgenommen. "Diese Art der Verschwörung ist zutiefst beunruhigend", erklärte das Weiße Haus. "Das ukrainische Volk hat das souveräne Recht, seine eigene Zukunft zu bestimmen."

Bereits vor einer Woche hatten die USA Russland unterstellt, dass mutmaßlich eigene Agenten eine Spezialoperation im Osten der Ukraine planten. Der Kreml wies das zurück und verlangte Beweise dafür.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Januar 2022 um 02:56 Uhr.