Der frühere britische Finanzminister Rishi Sunak (Aufnahme vom 31. August 2022). | EPA

Premier-Suche in Großbritannien Sunak erhält nötige Rückendeckung

Stand: 22.10.2022 01:58 Uhr

Bis Montag sollen die Kandidaten für die Nachfolge der britischen Premierministerin Truss feststehen. Die brauchen breite Unterstützung aus der Tory-Fraktion. Ex-Finanzminister Sunak ist offenbar der Erste, der diese Voraussetzung erfüllt.

Nach dem Rücktritt der britischen Premierministerin Liz Truss wollen die Torys ihre Nachfolge möglichst zügig regeln - schon in rund einer Woche soll feststehen, wer künftig an die Spitze der Regierung rückt. Nun steht mit dem früheren Finanzminister Rishi Sunak offenbar der erste mögliche Kandidat fest, der auch die notwendige Rückendeckung aus der eigenen Partei erhält, um ins Rennen um den Posten als Premier zu gehen.

Bis Montag (15.00 Uhr MESZ) können Nominierungen für die Truss-Nachfolge eingehen. Voraussetzung ist dabei, dass jeder Kandidat oder jede Kandidatin mindestens 100 Abgeordnete der Torys hinter sich hat, die ihm oder ihr ihre Unterstützung aussprechen.

Nach Aussage des konservativen Abgeordneten Tobias Ellwood ist das bei Sunak der Fall. Ellwood selbst gab auf Twitter an, der 100. Abgeordnete zu sein, der zum Unterstützerkreis des Ex-Finanzministers zählt. Zuvor hatte auch schon die Zeitung "The Guardian" berichtet, Sunak habe die nötige Anzahl an Befürwortern beisammen.

Noch keine offizielle Kandidatur

Offiziell hat Sunak seine Kandidatur bislang nicht eingereicht, er gilt aber als einer der Favoriten für die mögliche Nachfolge von Truss. Auch Penny Mordaunt, die Ministerin für Parlamentsfragen, sowie aus dem rechtskonservativen Lager die erst am Mittwoch zurückgetretene Innenministerin Suella Braverman werden als mögliche Kandidatinnen gehandelt.

Mordaunt hat ihre Bereitschaft, den Posten an der Regierungsspitze zu übernehmen, bereits öffentlich auf Twitter verkündet. "Ich bin ermutigt worden von der Unterstützung durch Kollegen, die einen Neustart, eine geeinte Partei und eine Führung im nationalen Interesse wollen", schrieb sie. Als Parteichefin und Premierministerin wolle sie das Land einen, die Wahlversprechen der Tories umsetzen und die nächste Parlamentswahl gewinnen. Ob Mordaunt aber auch die notwendigen 100 Abgeordneten hinter sich vereinen kann, ist bislang noch offen.

Abstimmungsverfahren hängt von Anzahl der Kandidaten ab

Durch die Voraussetzung des Unterstützerquorums sind theoretisch maximal drei Kandidaten im Rennen um den Posten als Premier möglich, da die Tory-Fraktion 357 Mitglieder hat. Erreichen tatsächlich drei potenzielle Nachfolger die nötige Anzahl an Unterstützern, soll am Montag zunächst die Fraktion abstimmen. Der Kandidat mit den wenigsten Stimmen würde ausscheiden, die Entscheidung zwischen den beiden verbliebenen Kandidaten oder Kandidatinnen läge dann bei der Parteibasis.

Erhält nur ein Kandidat oder eine Kandidatin die Unterstützung von 100 Mitgliedern der Fraktion, wäre er oder sie automatisch neuer Parteichef oder -chefin und damit auch neuer Regierungschef oder -chefin.

Zweite Chance für Johnson?

Neben den bereits genannten Favoriten steht aber auch die Frage im Raum, ob Ex-Premier und Truss-Vorgänger Boris Johnson ein mögliches Comeback starten will.

Für seine Rückkehr sprach sich als erstes Kabinettsmitglied der britische Wirtschaftsminister Jacob Rees-Mogg aus. "I'm backing Boris" ("Ich unterstütze Boris"), twitterte der als exzentrisch geltende Brexit-Hardliner am Freitag. Seinen Tweet versah er zudem mit dem Hashtag #BORISorBUST (auf Deutsch etwa: Boris oder kaputtgehen).

Berichten zufolge soll der erst Anfang September wegen zahlreicher Skandale aus dem Amt geschiedene Ex-Premier Johnson Interesse an einer erneuten Kandidatur haben. Doch auch bei Johnson ist unklar, ob er genug Unterstützung in der Fraktion erhält. Zudem läuft derzeit noch eine Untersuchung im Parlament, die klären soll, ob der frühere Premier im Zusammenhang mit der Partygate-Affäre über verbotene Lockdown-Feiern im Regierungssitz 10 Downing Street gelogen hat.

Über dieses Thema berichteten die tagesschau am 21. Oktober 2022 um 20:00 Uhr und tagesschau24 am 22. Oktober 2022 um 09:00 Uhr.