Eine Frau läuft mit Mundschutz durch London | dpa

Omikron in Großbritannien Mehr als 100.000 neue Fälle

Stand: 22.12.2021 20:49 Uhr

Großbritannien meldet mit 106.122 so viele Neuinfektionen an einem Tag wie noch nie. Doch die Regierung scheut härtere Maßnahmen, verkürzt stattdessen die Quarantäne. Die Queen reagiert vorsichtiger.

In Großbritannien sind erstmals mehr als 100.000 Infektionen mit dem Coronavirus an einem einzigen Tag verzeichnet worden. Das Land, das mit einer massiven Omikron-Welle konfrontiert ist, zählte laut Regierung 106.122 Neuinfektionen.

Nach Regierungsangaben sind bisher 14 Todesfälle im Zusammenhang mit der neuen Variante registriert worden. Zudem würden derzeit 129 Omikron-Patienten in Krankenhäusern behandelt, sagt Gesundheitsstaatssekretärin Gillian Keegan dem Sender Sky News.

Die Corona-Modelliererin vom University College London, Christina Pagel, macht vor allem die Verbindung zu Südafrika für die Fallzahlen auf der Insel verantwortlich: "London ist ein riesiger Reiseknotenpunkt. Es ist kein Zufall, dass London der Hotspot ist."

Johnson gegen Verschärfungen an den Festtagen

Trotz der beunruhigenden Entwicklung hatte Premierminister Boris Johnson am Dienstag eine weitere Verschärfung der Corona-Maßnahmen für den größten Landesteil England für die Festtage ausgeschlossen.

Die Regierung will abwarten, bis es eine klare Datenlage dazu gibt, ob mit dem starken Anstieg der Infektionen auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen steigt. Studien aus Südafrika und Großbritannien deuten darauf hin, dass Omikron weniger krank machen könnte als die Delta-Variante des Coronavirus. Experten warnten aber vor vorschnellen Schlüssen.

Personalengpässe in vielen Bereichen

Fakt ist: Schon jetzt sind die Auswirkungen der Omikron-Welle im Alltag in Großbritannien deutlich spürbar. Vom Bahnverkehr über die Unterhaltungsbranche bis hin zur Feuerwehr fallen Arbeitskräfte aus, weil sie sich isolieren müssen.

Auch in Krankenhäusern gibt es Engpässe. So waren in London am 12. Dezember 1900 Pflegekräfte und Ärzte krankgeschrieben, am 16. Dezember bereits 4700 - mit massiven Auswirkungen. Die Beschäftigten im Gesundheitsdienst NHS sind bereits seit Monaten am Anschlag. Operationen werden verschoben, wegen der Booster-Impfungen sagen Allgemeinmediziner normale Sprechstunden ab.

Im schottischen Edinburgh musste die vielbesuchte Burg Edinburgh Castle wegen kranker Mitarbeiter die Pforten schließen - ebenso wie das berühmte Naturhistorische Museum in London. Auch Hotels und Gastronomie reagieren auf Omikron: "Wir entschuldigen uns für all die Tischreservierungen, die wir absagen mussten", heißt es etwa von Seiten der Londoner Kneipe Duke of Richmond auf Instagram. "Wir müssen zur Sicherheit unserer verbleibenden Mitarbeiter und unserer Kunden schließen."

In den vergangenen Tagen haben viele Menschen angefangen, wieder im Homeoffice zu arbeiten.

Quarantäne von zehn auf sieben Tage verkürzt

Um die Personalengpässe in den Griff zu bekommen, verkürzte die Regierung die Dauer der bei einer Infektion notwendigen Isolation. Wer in Quarantäne ist, kann nun schon nach sieben Tage wieder arbeiten gehen, wenn er zwei negative Tests vorlegt. Bislang galt eine Frist von zehn Tagen.

"Es ist wichtig, dass Infizierte sich in Quarantäne begeben", sagte Gesundheitsminister Sajid Javid: "Aber wir müssen auch versuchen, die Auswirkungen dieser Politik zu reduzieren. Und dieser Schritt in Absprache mit Fachleuten ist ein vorsichtiger Schritt nach vorne."

Schottland und Wales verschärfen Regeln

Andere Teile des Königreichs gehen härter gegen die Omikron-Welle vor: So gelten in Schottland vom zweiten Weihnachtsfeiertag an Obergrenzen bei Besucherzahlen für Sportveranstaltungen. In Wales dürfen sich ab kommender Woche nicht mehr als sechs Personen in einem Pub treffen. Außerdem sollen die Menschen im öffentlichen Raum einen Sicherheitsabstand von zwei Metern einhalten, kündigte Regierungschef Mark Drakeford heute an. Omikron sei längst angekommen in Wales und verteile sich nun sehr schnell.

Im Vereinigten Königreich sind die Regionalregierungen von Wales, Nordirland und Schottland für den Gesundheitsschutz zuständig, die britische Regierung für England.

Queen in Sorge

Die Queen reagierte auf die verschärfte Lage und sagte das traditionelle Familienweihnachtsfest im ostenglischen Sandringham vor wenigen Tagen ab. Stattdessen wird die Monarchin Weihnachten wie im vergangenen Jahr auf Schloss Windsor verbringen.

Mit Informationen von Gabi Biesinger, ARD-Studio London

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Dezember 2021 um 19:00 Uhr in den Nachrichten.