Boris Johnson verlässt die Downing Street 10. | AFP

Johnson erneut in der Kritik Privatfeier statt Krisenstabssitzung

Stand: 17.07.2022 19:10 Uhr

Wegen der erwarteten Hitzewelle hatte die britische Regierung für das Wochenende eine Sitzung des nationalen Krisenstabs einberufen. Premierminister Johnson erschien jedoch nicht - und lud stattdessen zu einer Party ein.

Der britische Premierminister Boris Johnson ist erneut wegen einer Feier in die Kritik geraten. Wie der Nachrichtensender Sky News berichtete, gab der scheidende Regierungschef eine private Party auf dem luxuriösen Landsitz Chequers. Die Regierung hatte zuvor wegen des für Anfang nächster Woche erwarteten Hitzerekords den Katastrophenfall ausgerufen und eine Sitzung des nationalen Krisenstabs einberufen. Dabei hatte sich Johnson einen Tag zuvor jedoch nicht blicken lassen.

Die stellvertretende Chefin der oppositionellen Labour-Partei, Angela Rayner, sprach von einer "Zombie-Regierung" und forderte Johnson auf, seinen Platz zu räumen, "wenn er immer noch nicht in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen". Es brauche einen Plan, wie Menschen angesichts der Hitze bei der Arbeit, im Verkehr, Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen sicher seien, so Rayner weiter.

Raab: Sonnenschein genießen

In die Kritik geriet auch Johnsons Stellvertreter Dominic Raab. Anlässlich der Hitzewelle hatte er dem Fernsehsender Sky News gesagt, es gebe "natürlich Ratschläge für den Umgang mit der Hitze wie die Vermeidung von Sonne in den heißesten Stunden und die Nutzung von Sonnencreme". Aber "wir sollten den Sonnenschein genießen", fügte er hinzu. Das Land sei widerstandsfähig genug, um mit der Hitze umzugehen.

Kritik kam unter anderem vom Verband der Rettungssanitäter, der warnte: "Das ist eine ernste Hitzewelle, die zum Tod von Menschen führen könnte." Auch Regierungsmitglied Kit Malthouse warnte vor "bedeutenden Störungen" bei den öffentlichen Verkehrsbetrieben und riet den Bürgern, möglichst zu Hause zu arbeiten.

Hitzewarnung in Großbritannien

Der britische Wetterdienst hat für Montag und Dienstag eine rote Wetterwarnung wegen Hitze herausgegeben - zum ersten Mal überhaupt. Erwartet werden in großen Teilen Englands bis zu 40 Grad Celsius. Der bisherige Temperaturrekord liegt bei 38,7 Grad und wurde 2019 in Cambridge gemessen.

Johnson war Anfang Juli unter massivem Druck aus seiner Fraktion und dem Kabinett vom Amt des Parteichefs zurückgetreten. Er hatte zuvor mit einem Skandal nach dem anderen zu kämpfen - unter anderem wegen verbotener Lockdown-Partys im Regierungssitz. Bis zur Wahl einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers will er aber im Amt bleiben.

Das Auswahlverfahren geht am Montag in eine weitere Runde, wenn sich die fünf verbliebenen Kandidatinnen und Kandidaten einer Abstimmung unter den Fraktionsmitgliedern der Konservativen Partei stellen. Der oder die Letztplatzierte fliegt raus. Der Vorgang wird solange fortgesetzt bis nur zwei Kandidatinnen oder Kandidaten übrig sind. Wer Johnson als Parteichefin oder -chef und damit als Premier nachfolgt, sollen dann die Tory-Parteimitglieder über den Sommer entschieden.

Über dieses Thema berichtete am 17. Juli 2022 BR24 um 13:16 Uhr und tagesschau24 um 16:00 Uhr.