Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, fasst sich mit einer Hand durch die Haare, als er an einer Pressekonferenz zu der neuen Variante des Coronavirus' teilnimmt (Archivbild). | dpa

Omikron-Ausbreitung in Großbritannien Johnson scheut strengere Regeln

Stand: 16.12.2021 18:12 Uhr

In hohem Tempo breitet sich die Omikron-Variante in Großbritannien aus. Doch die Regierung tut sich schwer mit strengen Maßnahmen. Denn damit macht sich Premier Johnson in den eigenen Reihen unbeliebt.

Von Christoph Prössl, ARD-Studio London

Wer im Vereinigten Königreich eine stimmige Corona-Politik erwartet, der darf derzeit nicht auf den Fußball gucken. Am Mittwoch musste erneut ein Premier League-Spiel abgesagt werden - die Begegnung zwischen dem FC Burnley und dem FC Watford. Bei Watford hatte es einen größeren Corona-Ausbruch gegeben, dem Verein standen nicht genug Spieler zur Verfügung.

Christoph Prössl ARD-Studio London

Bereits am Dienstag hatte ein Spiel der Premier League ausfallen müssen. Das Spiel des FC Arsenal gegen West Ham United fand hingegen statt, mit knapp 60.000 Zuschauern im Stadion. Auf Bildern ist zu sehen, wie die Fans eng beieinanderstehen.

Immerhin gibt es neue Vorgaben der Regierung: stichprobenartig wurden Zuschauer kontrolliert, ob sie geimpft sind, einen Test gemacht hatten oder von den Vorgaben ausgenommen sind.

Höchststand an Omikron-Fällen

Solche Großereignisse passen so gar nicht zu der Besorgnis, die die Experten im Vereinigten Königreich ausdrücken. Am Mittwoch verzeichneten die Behörden mehr als 78.000 Infektionen - so viele wie noch nie.

Chris Whitty, Chefberater der Regierung, warnte, in den kommenden Tagen würden noch viele Rekorde gebrochen werden.

Doch Premierminister Boris Johnson ist zurückhaltend, weitere und strengere Maßnahmen zu verkünden. Er setzt vor allem auf Booster-Impfungen und ruft dazu auf, sich die dritte Spritze geben zu lassen. So könne ein Schutzwall aufgebaut werden.

"Plan B" bringt ein paar Verschärfungen

Fast 25 Millionen Menschen im Vereinigten Königreich sind bereits geboostert. Die Ausbreitung der Pandemie solle durch "Plan B" verhindert werden. Das heißt: Maskenpflicht in Geschäften, öffentlichem Nahverkehr und an vielen anderen öffentlichen Orten. Heißt aber auch: Impfnachweis oder Testnachweis bei Großereignissen und in Nachtclubs. Weihnachtsfeiern dürfen nach wie vor stattfinden. Die Regierung appelliert lediglich an die Menschen, gut zu überlegen, welche Feier wirklich sein muss.

Premier Johnson war in dieser Woche auf massiven Gegenwind gestoßen, als er die Pläne im Unterhaus durchbringen wollte. Aus seiner Partei stimmten zahlreiche Abgeordnete dagegen. Die Regierung erhielt die Zustimmung nur mithilfe der Opposition. Und die wirft Johnson vor, die Führungsstärke in der Pandemie vermissen zu lassen, die jetzt so unbedingt nötig sei.

Es bleibt also bei Appellen an die Vernunft - wie auch von Regierungsberater Whitty:

Die Menschen müssen priorisieren, was wirklich wichtig ist. Viele tun das ja auch. Ich brauche keinen medizinischen Abschluss, um zu wissen, wir wichtig das ist angesichts dieses hochansteckenden Virus.

 Gastronomen verzeichnen Einbußen

Und wirklich: Viele Restaurants und Pubs bekommen zahlreiche Absagen und fürchten um die Existenz. Patrick Dardis, Geschäftsführer der Pub-Kette Young's sagte im Interview in der BBC: "Diese Angst-Kampagne zerstört so viele Unternehmen, die möglicherweise überleben könnten." Tausende dürften im Januar Insolvenz anmelden, befürchtet Dardis.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 16. Dezember 2021 um 14:09 Uhr.