Personal der Royal Navy injiziert einer Frau ihre Corona-Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca im Impfzentrum Bath in Großbritannien. | dpa

Britische Impfkampagne "Das ist ein einzigartiger Erfolg"

Stand: 15.02.2021 21:59 Uhr

Die schnelle Impfkampagne in Großbritannien zeigt Wirkung: 90 Prozent der über 70-Jährigen haben bereits eine Corona-Schutzimpfung erhalten. Premierminister Boris Johnson verspricht nun erste Lockerungen.

Die britische Regierung strebt nach Angaben von Premierminister Boris Johnson "vorsichtige, aber unumkehrbare" Lockerungen des Corona-Lockdowns an. Johnson sagte bei einem Besuch in einem Gesundheitszentrum in London, die Regierung werde bei den Lockerungen "sehr umsichtig" vorgehen, um einen erneuten Lockdown zu vermeiden. Die Regierung und auch die Menschen im Land erwarteten "Fortschritte, die vorsichtig, aber unumkehrbar sind".

Großbritannien ist mit über vier Millionen Infizierten und mehr als 117.000 Toten das am härtesten von der Corona-Pandemie betroffene Land Europas. Anfang Januar hatte die Regierung in London erneut einen Lockdown mit Schulschließungen verhängt, der bis zum 8. März gilt. Sie reagierte damit auf einen dramatischen Anstieg der Infektionszahlen, der auf die Ausbreitung einer ansteckenderen Coronavirus-Variante zurückgeführt wurde. Seitdem ging die Zahl der Neuinfektionen stark zurück.

Corona-Lockerungen im März

Daher wurde zuletzt die Forderung immer lauter, die aktuellen Corona-Beschränkungen noch im März zu lockern. Mehr als 60 Abgeordnete der regierenden Tories forderten einen Brief an Johnson einen klaren Zeitplan für Lockerungen und eine Aufhebung aller gesetzlichen Maßnahmen bis Ende April. "Wir müssen sehr klug sein, und was wir sehen wollen, das ist ein vorsichtiger, aber unumkehrbarer Fortschritt", sagte Johnson nun. Er kündigte einen vorsichtigen Ausstieg aus dem Lockdown an. "Wenn wir können, werden wir Termine festlegen."

Mittlerweile wird erwartet, dass die Regierung schnell einen Fahrplan für Lockerungen vorlegen wird. Für die Corona-Maßnahmen in den anderen Landesteilen sind die Regionalregierungen in Schottland, Wales und Nordirland verantwortlich. Die Schulen zumindest in England könnten bereits am 8. März wieder öffnen. Gesundheitsminister Matt Hancock bat die Menschen jedoch noch um Geduld. Die Regierung wartet seinen Angaben zufolge etwa noch auf Daten zur Wirkung von Impfstoffen auf die Übertragbarkeit des Virus.

Der Ausstieg aus dem Lockdown müsse behutsam vonstattengehen, damit das Ganze nicht ins Gegenteil umschlage, sagte auch Johnson. Die Schlüsselfrage sei, wie sehr sich eine Lockerung auf die Infektionszahlen auswirke. Die Bevölkerung wolle nicht, dass man nach einer Lockerung gezwungen sei, die Maßnahmen gleich wieder zu verschärfen, so der Premier.

15 Millionen Impfungen

Die britische Impfkampagne läuft allerdings so gut wie in keinem anderen europäischen Land. Mehr als jeder vierte Erwachsene in Großbritannien hat bereits eine erste Corona-Schutzimpfung bekommen. Mehr als 15 Millionen Bürgerinnen und Bürger aus der höchsten Risikogruppe sind bislang mit einer ersten Dosis geimpft worden - so wie von Premierminister Boris Johnson zu Beginn des Jahres als ambitioniertes Etappenziel ausgegeben. 90 Prozent der über 70-Jährigen wurden geimpft. "Das ist ein einzigartiger, nationaler Erfolg", sagte der Premier.

Aus Schottland hieß es vor einigen Tagen jedoch, man müsse das Tempo des Impfens womöglich langsam zurückschrauben - weil beim BioNTech/Pfizer-Mittel zumindest vorübergehend der Nachschub knapp wird. "Das ist kein Moment zum Entspannen", sagte Johnson. "Die Gefahr bleibt sehr real."

Impfung für alle über 50-Jährigen bis April

Zwar fällt die Zahl der Neuinfektionen seit einigen Wochen drastisch ab, ist aber weiter auf hohem Niveau. In den vergangenen sieben Tagen zählte das Land pro 100.000 Einwohnern knapp 150 Neuinfektionen. Am Montag war zusätzlich eine zehntägige Hotel-Quarantänepflicht für Rückkehrer aus 33 Hochrisiko-Ländern in Kraft getreten, in denen die neuen Coronavirus-Varianten stark verbreitet sind. Derweil geht das Impfprogramm weiter: Bis Ende April sollen alle über 50-jährigen Briten eine erste Impfung erhalten haben.