Ein Polizeieinsatz in Bristol | AP

Bristol Krawalle bei Protest gegen Polizeigesetz

Stand: 22.03.2021 13:35 Uhr

Ein umstrittenes Gesetz soll in Großbritannien ein schärferes Vorgehen der Polizei auch bei friedlichen Demos erlauben. In Bristol endete ein Protest dagegen gewalttätig - und spielt so den Befürwortern in die Hände.

Von Udo Schmidt, ARD-Studio London, zurzeit in Hamburg

Tausende waren gestern in Bristol auf die Straße gegangen, um anfangs friedlich gegen ein geplantes verschärftes Sicherheitsgesetz zu protestieren. Am Abend dann änderte sich die Lage, mehrere hundert Demonstranten gingen gewaltsam gegen Polizisten und eine Polizeiwache vor.

Udo Schmidt

"Die Demonstration wuchs schnell auf 3000 an, dann waren es etwa 500, die deutlich auf Gewalt aus waren und am Abend damit anfingen im Zentrum Bristols", sagte Any Marsh von der Somerset Police in der BBC. Etwa 20 verletzte Beamte mussten schließlich behandelt werden, Einsatzfahrzeuge brannten, es gab regelrechte Straßenschlachten.

"Kill the Bill", so lautete das Motto der Demonstration, die sich gegen die geplante Neufassung des Gesetzes "Police, Crime, Sentencing and Courts Bill" richtete. Das von der Regierung von Boris Johnson eingebrachte Gesetz sieht vor, dass auch friedliche Demonstrationen künftig stärker eingeschränkt werden dürfen, wenn sie "die Öffentlichkeit einschüchtern" oder "schweres Unbehagen" auslösen. Dehnbare Begriffe, die nicht nur bei den Demonstranten Besorgnis auslösen.

Hohe Haftstrafen für Beschädigen von Denkmälern

Das geplante Gesetz sieht auch hohe Haftstrafen von bis zu zehn Jahren für das Beschädigen von Denkmälern vor. In Bristol war im Sommer die Statue eines früheren Sklavenhändlers gestürzt und im Hafenbecken versenkt worden.

Auch Bristols Bürgermeister Marvin Rees hat Bedenken wegen des neuen Gesetzes, verurteilt aber deutlich die Demonstrationen beziehungsweise die Gewaltbereitschaft vieler. Dies spiele ausschließlich den Befürwortern des Gesetzes in die Hände. "Das war eine Zahl von immer wieder Gewaltbereiten, die einfach auf eine Gelegenheit gewartet haben, gegen das Establishment vorzugehen", sagt er.

Organisator von Gewalt überrascht 

Martin Booth ist einer der Organisatoren des Protestes und ebenfalls überrascht von der plötzlichen Gewalt: "Es war ein auffälliger Unterschied zwischen der friedlichen Demonstration am Nachmittag und dem Abend, als die Gewalt wie aus dem Nichts kam." Die Gewaltbereiten, erzählt Booth, hätten Steine von einem Dach geworfen, die friedlichen Demonstranten hätten gerufen, werft nicht, werft nicht.

Kritik gab es am Einsatz der Polizei, dieser sei zu zurückhaltend gewesen. Demonstranten hätten die Schutzschilde der Polizisten mit Graffiti besprühen können, niemand habe sie gehindert. Der gewaltsame Protest, aber auch das geplante Gesetz werden Bristol und ganz Großbritannien noch weiter beschäftigen

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. März 2021 um 13:33 Uhr.

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Moderation 22.03.2021 • 21:50 Uhr

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