Impfzentrum im schottischen Blairgowrie | dpa

Corona-Politik in Großbritannien Auffrischungsimpfungen und ein "Plan B"

Stand: 14.09.2021 17:07 Uhr

Seit der Aufhebung fast aller Corona-Beschränkungen verzeichnet Großbritannien Zehntausende Neuinfektionen täglich. Mit Auffrischungsimpfungen soll nun verhindert werden, dass auch die Zahl schwerer Verläufe steigt. Sonst greift "Plan B".

Mit Auffrischungsimpfungen für etwa 30 Millionen Menschen will die britische Regierung die Corona-Situation im Land in den Griff bekommen. Alle Menschen über 50 Jahre sowie Vorerkrankte und Pflegekräfte sollen ab der kommenden Woche eine weitere Immunisierung erhalten.

Wie Gesundheitsminister Sajid Javid sagte, folgt die Regierung damit einer Empfehlung der zuständigen Expertenkommission, dem Gemeinsamen Ausschuss für Impfungen und Immunisierung (JCVI). Beschlossen wurde zudem die umstrittene Empfehlung, künftig auch Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 15 Jahren zu impfen.

mRNA-Impfstoffe besonders empfohlen

Der JCVI-Vorsitzende Wei Shen Lim sagte, Impfdaten deuteten auf einen "leichten Rückgang" der Schutzwirkung der Corona-Impfstoffe nach der zweiten Impfdosis von "etwas über 90 Prozent auf etwas unter 90 Prozent" hin. Der größte Rückgang werde bei Menschen über 50 Jahre beobachtet. Darum sei es vernünftig, ihnen und anderen Risikogruppen eine Auffrischungsimpfung anzubieten.

Wie die Chefin der britischen Arzneimittelbehörde MHRA, June Raine, mitteilte, können hierfür die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca genutzt werden. Besonders empfohlen werden demnach die mRNA-Präparate von BioNTech/Pfizer und Moderna. Von letzterem Impfstoff soll nur eine halbe Dosis verabreicht werden.

Infektionszahlen weiterhin hoch

Großbritannien hatte im Dezember mit seiner Corona-Impfkampagne begonnen. Inzwischen sind rund 81 Prozent aller Erwachsenen zweifach geimpft. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörden wurden durch die Impfungen rund 24 Millionen Infektionsfälle und 112.000 Todesfälle verhindert.

Allerdings sind die Infektionszahlen trotz der Impfkampagne weiterhin hoch. Das könnte unter anderem daran liegen, dass die Regierung im Juli nahezu alle Corona-Beschränkungen aufgehoben hatte. Premierminister Boris Johnson und sein Kabinett behalten sich daher vor, im Herbst und Winter wieder Schutzmaßnahmen wie eine Maskenpflicht oder eine Homeoffice-Empfehlung einzuführen. Auch Impfpässe für den Zutritt zu Diskotheken oder Stadien wären dann möglich.

"Es wäre einfach nicht vernünftig, solche Maßnahmen auszuschließen, wenn sie entscheidend dafür sein könnten, Geschäfte offen zu halten", sagte Johnson. Die Maßnahmen seien Teil eines "Plan B", wenn die Pandemie mit Auffrischungsimpfungen nicht unter Kontrolle gehalten werden könne. Die Notfallpläne würden aber nur bei "unhaltbarem" Druck auf den Gesundheitsdienst NHS in England in Kraft gesetzt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. September 2021 um 17:00 Uhr.