Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. | REUTERS

Großbritannien zu AstraZeneca "Unser Vertrag übertrumpft deren"

Stand: 25.03.2021 12:15 Uhr

Der Streit um den AstraZeneca-Impfstoff zwischen der EU und Großbritannien geht in die nächste Runde. Dem britischen Gesundheitsminister zufolge haben die Briten einen Exklusiv-Vertrag - und werden deshalb bevorzugt behandelt.

Großbritannien hat sich dem britischen Gesundheitsminister Matt Hancock zufolge beim Impfstoffhersteller AstraZeneca eine bevorzugte Behandlung gesichert. Mit Blick auf den Streit zwischen der EU und AstraZeneca über gekürzte Liefermengen sagte Hancock der "Financial Times": "Unser Vertrag übertrumpft deren. Das nennt sich Vertragsrecht und ist eindeutig." Die EU habe einen Vertrag, der lediglich "beste Bemühungen" seitens des Impfstoffherstellers zusichere, London habe sich hingegen Exklusivität zusichern lassen.

AstraZeneca sei in eine geopolitische Auseinandersetzung gestoßen worden. Das sei schwierig für jedes Unternehmen, meint Hancock. AstraZeneca habe sich darin aber "absolut brilliant" verhalten.

Hancock rät von Exportbeschränkungen ab

Hancock warnte Brüssel davor, Exportbeschränkungen für Impfstoffe zu verhängen. Das wäre ein schwerer Fehler, so der konservative Politiker. "Ich glaube daran, dass freie Handelsnationen sich an das Vertragsrecht halten." Unternehmen aus dem Bereich der Biowissenschaften würden sich in Zukunft in Großbritannien niederlassen, nicht in einer protektionistischen EU. "Von Großbritannien aus können Sie überall in die Welt exportieren - dem werden wir niemals einen Riegel vorschieben."

Aber auch mit Blick auf ein mögliches Export-Embargo der EU sagte Hancock, er sei "sehr zuversichtlich", dass es genug Nachschub gebe, um allen Briten auch die versprochene zweite Impfdosis zu geben. 

EU-Mitglieder beraten über Impfstoffknappheit

Die EU beklagt, dass bislang zwar Millionen von Impfstoffdosen in den vergangenen Monaten vom Kontinent nach Großbritannien geliefert wurden, aber so gut wie nichts in die entgegengesetzte Richtung gegangen ist. Hancock betonte, Gespräche mit der EU darüber seien "kooperativ, praxisorientiert und kollaborativ".

Noch heute wollen die Staats- und Regierungschefs der EU über die Impfstoffknappheit beraten. AstraZeneca hatte seine Lieferzusage mehrmals drastisch gekürzt und auf Schwierigkeiten bei der Produktion hingewiesen.

In Großbritannien wurden bislang rund 29 Millionen Menschen mindestens ein Mal geimpft. Das ist mehr als die Hälfte aller Erwachsenen. Bis Mitte April soll allen über-50-Jährigen und bis Ende Juli allen Erwachsenen eine Impfung angeboten worden sein. Die Impfbereitschaft im Vereinigten Königreich liegt bei etwa 90 Prozent.

Mit Informationen von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 25. März 2021 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.

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