Eine Frau steht vor einem Café in Athen. | AP

Griechenland in der Pandemie Zurück in die Krise?

Stand: 04.02.2021 12:57 Uhr

Noch vor einem Jahr war Griechenlands Wirtschaft im Aufwärtstrend - bis die Corona-Krise kam. Deren Folgen bekommen besonders die Gastronomen zu spüren, die nun hoffen, dass die Pandemie zur Hochsaison unter Kontrolle ist.

Von Verena Schälter, ARD-Studio Athen

Das Psariston ist eine Taverne im Norden von Athen. Es ist bekannt für seine Fischspezialitäten, die Preise: eher gehoben. "Seit 30 Jahren koche ich Meeresfrüchte, weil ich glaube, dass sie die griechische Küche ausmachen. Also habe ich mich auf Meeresfrüchte spezialisiert", sagt der Restaurantbesitzer Vassilis Akrifos. Er steht allein in der Küche und schneidet Zwiebeln. Anfang November musste er sein Restaurant aufgrund der Corona-Pandemie schließen. Seitdem kann man bei ihm auch Essen zum Mitnehmen bestellen. Dafür musste er seine Speisekarte umstellen, denn viele seiner hochwertigen Speisen sind nicht zum Ausliefern gemacht, findet er. Richtig glücklich ist er damit trotzdem nicht.

Verena Schälter

"Mit dem Lieferservice kannst du nicht überleben. Da überleben vor allem Restaurants, die das schon vor Corona gemacht haben. Die stehen jetzt besser da", sagt Akrifos. "Für mich ist es schwierig, weil kaum jemand bereit ist, für vornehmes Essen zu bezahlen, um es sich dann nach Hause liefern zu lassen. Das ist ein Problem für uns."

Gewerkschaft: 40 Prozent der Betriebe ohne Rücklagen

Weil er finanzielle Rücklagen hat, konnte sich Akrifos bislang über Wasser halten. Andere schaffen das nicht, erzählt er. "Vor einer Stunde hat mich eine Freundin aus Thessaloniki angerufen und mir erzählt, dass sie seit zwei Tagen nur noch heult, weil sie pleite ist. Und so geht es vielen."

Viele Betriebe haben den ersten Lockdown im vergangenen Jahr noch irgendwie überstanden. Doch die darauffolgende Sommersaison fiel deutlich magerer aus und brachte nur einen Bruchteil der sonstigen Einnahmen. Dann kam der Herbst und Anfang November mussten alle Gastronomiebetriebe erneut schließen. Zwar hat die griechische Regierung Hilfsprogramme aufgesetzt, doch die Gelder reichen nicht, um die laufenden Kosten zu decken, beklagt die Gewerkschaft GSEVEE. Sie hat eine aktuelle Umfrage veröffentlicht. Demnach haben 40 Prozent der Betriebe ihre Rücklagen mittlerweile aufgebraucht. 20 Prozent können gerade noch einen weiteren Monat überleben. 

Konsequenzen für gesamte Wirtschaft

Die einzige Hoffnung nicht nur für die Gastronomen, sondern für die griechische Wirtschaft insgesamt ist, dass die Pandemie sehr bald unter Kontrolle gebracht wird, sagt Ökonom Nikos Vettas. "Wenn die Pandemie im Frühjahr europaweit nicht rechtzeitig unter Kontrolle ist, wird es fast unmöglich sein, dass sich die Wirtschaft im Sommer wieder erholt - wenn für den Tourismus Hochsaison ist." Dann würden einige Bereiche, die von den Einnahmen des Tourismus abhängen, wie Transportunternehmen, die Gastronomie oder die Baubranche, ebenfalls leiden, sagt Vettas. "Und das wird sich negativ auf die gesamte griechische Wirtschaft auswirken.“

2019 haben mehr als 34 Millionen Touristen Griechenland besucht. Der Tourismussektor trägt etwa ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt bei und war nach der Finanzkrise einer der wichtigsten Wachstumsmotoren. Die Pandemie war ein herber Rückschlag.  

Ökonom: Timing für Griechenland besonders schlecht

"Griechenland war bereits 2018 im Aufwärtstrend, stärker noch 2019, als uns die Corona-Krise getroffen hat", sagt Vettas. "Während es mit der Wirtschaft in Griechenland bergauf ging, ist es im Rest von Europa größtenteils nach unten gegangen. Deshalb war das Timing für uns besonders schlecht."

Es wird also noch eine Weile dauern, bis Griechenland aus dem Krisenmodus herauskommt. Wie lange, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Februar 2021 um 16:05 Uhr.