Vegetation brennt auf der Halbinsel Peloponnes. | dpa
Reportage

Verheerende Waldbrände Deutsche Feuerwehr hilft jetzt in Griechenland

Stand: 14.08.2021 05:53 Uhr

Seit fast zwei Wochen brennt es in Griechenland. Im Kampf gegen die Flammen unterstützen 224 Feuerwehrleute aus Deutschland ihre griechischen Kollegen.

Von Verena Schälter, ARD-Studio Athen

Es ist ein ungewöhnliches Bild an der Tankstelle in der griechischen Hafenstadt Patras: 18 Fahrzeuge mit deutschem Kennzeichen, ein Großteil davon knallrot. Es sind Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr.

"Wir sind das erste eintreffende deutsche Waldbrandbekämpfungsmodul, das die Bundesregierung im Rahmen des europäischen Katastrophenschutz-Verfahrens entsandt hat", sagt Simon Friz von der Feuerwehr Bonn. Er leitet den Einsatz in Griechenland.

Insgesamt 57 Einsatzkräfte aus Nordrhein-Westfalen wollen die griechischen Kollegen beim Kampf gegen die Flammen unterstützen. Vor gut 50 Stunden sind sie in ihrer Heimat aufgebrochen. Jetzt fahren sie im Konvoi, eskortiert von der griechischen Polizei in die Berge. Ihr Ziel: Tropea, ein Dorf in der Region Arkadien auf der Halbinsel Peloponnes.

Die erste Nacht im Freien

Dort in der Nähe wollen sie ihr Basislager aufschlagen. Zwei bis drei Stunden wird die Fahrt dauern. Doch dann stoppt der Konvoi auf nicht einmal halber Strecke. Es geht auf einen Parkplatz in der Stadt Pyrgos.

Es gibt Probleme mit dem Basislager, erklärt Einsatzleiter Friz: "Der aktuelle Sachstand ist, dass wir nicht weiter fahren können momentan, weil der vorgesehene Platz, wo wir unser Camp aufschlagen sollten, umzäunt ist von Feuer. Ringsherum waren überall heute Mittag starke Brände. Uns ist es absolut wichtig, dass das Camp, das wir aufbauen, in einem sicheren Bereich ist, dass die Kollegen sich da auch ausruhen können."

Wie schnell sich die Lage in den Brandgebieten ändern kann, wird das Team in einigen Stunden selbst erleben. Nach Absprache mit der Gemeinde von Pyrgos steht nun aber erstmal fest: Das Team wird die erste Nacht hier im Freien verbringen.

Schwierige Bedingungen vor Ort

Der nächste Morgen: Ein Teil des Teams wird zunächst hier bleiben und sich um ein neues Lager kümmern, die anderen werden gleich zum ersten Löscheinsatz aufbrechen. Noch ist nicht ganz klar, wo genau die Feuerwehrleute gebraucht werden. Sie sind den griechischen Behörden unterstellt, von denen sie gesagt bekommen, wo sie löschen sollen. Doch die Bedingungen vor Ort sind schwierig.

"Grundsätzlich ist es so, dass die Möglichkeiten, überhaupt an Wasser zu kommen, relativ sporadisch nur sind. Das heißt, man muss das gut vorbereiten, dass man nicht in das Risiko läuft, von den Flammen eingeschlossen zu werden. Weil die Winde wechseln sehr stark, sodass man keine Ausbreitungsrichtung voraussagen kann", erklärt Friz.

Es regnet Asche

Letzte Vorbereitungen, dann geht es los in Richtung Tropea. Die griechischen Behörden lotsen Friz und sein Team in die Berge. Der Rauch wird immer dichter. Sobald ein wenig Wind geht, regnet es Asche. Rechts und links sind ganze Hänge abgebrannt, am Straßenrand ein verkohlter Tierkadaver, vielleicht ein Fuchs oder ein Hund. Die Einsatzkräfte halten auf einer Anhöhe. Wo genau sie löschen sollen, ist aber immer noch nicht klar.

Mehr als 600 Feuerwehrleute sind allein auf dem Peloponnes im Einsatz - sie alle müssen koordiniert werden. Für Friz und sein Team heißt das: warten. Irgendwo weiter unten steigt Rauch auf.

"Die Winde sind einfach zu stark"

Dann plötzlich, innerhalb von Sekunden, ist das Feuer da. Nur wenige Meter von dem Platz, an dem die Einsatzfahrzeuge geparkt sind, lodern meterhohe Flammen. Der erste Löscheinsatz für Friz und sein Team.

"Die Lage ist jetzt wieder einigermaßen sicher für uns hier. Und die Winde böen jetzt einfach hier um die Nachmittagszeit auf. Da ist die Brandausbreitung ganz schnell ganz extrem. Und Sie haben gesehen, wie schnell das gehen kann, wie das wegläuft", sagt Friz. "Wir haben das Feuer, das den Hang hochkommt, versucht, an den Flammen einzufangen. Das ist uns hier unten gelungen, aber die Winde sind einfach zu stark und das ist jetzt oben in den Hang reingelaufen und breitet sich jetzt weiter aus. Jetzt müssen wir gucken, wo die nächste Stelle ist, wo man es einfangen kann."

Sie bekommen das Feuer nach und nach in den Griff. Doch der Einsatz wird noch einige Stunden dauern. In der Zwischenzeit haben die Kollegen im Tal einen Platz für das Basiscamp gefunden: Es befindet sich in einem Tal in der Nähe eines Wasserkraftwerks. Sonst gibt es hier nichts - aber das Team hat alles dabei, um sich selbst zu versorgen.

Nudeln mit Pesto und Tomaten

Wir sind komplett autark und zwar angefangen von Trinkwasser übers Händewaschen, über Duschen, den Toilettengang, sämtliche Ausrüstungsgegenstände. Es ist alles dabei, was man für die möglichen sieben plus X Tage braucht", sagt Heiko Basten von der Feuerwehr Bonn.

Die Zelte mit den Feldbetten stehen bereits. Um das Wohlergehen der Feuerwehrfrauen und -männer kümmern sich Freiwillige vom Roten Kreuz und den Maltesern - dazu gehört auch die Verpflegung. In der mobilen Küche bereiten sie gerade das Abendessen vor: Nudeln mit Pesto und Tomaten.

In einer halben Stunde wird es dunkel. Dann werden auch die anderen vom Löscheinsatz zurückkommen und sich ein wenig erholen - bevor es morgen wieder losgeht.

Über dieses Thema berichtete WDR 5 in der Sendung Morgenecho am 14. August 2021 um 07:17 Uhr.