Menschen werden wegen der anhaltenden Waldbrände in der Türkei mit Booten evakuiert.

Waldbrände am Mittelmeer Tausende fliehen vor der Feuersbrunst

Stand: 06.08.2021 13:36 Uhr

Hohe Temperaturen, starke Winde: Die Waldbrände in Griechenland und der Türkei lodern unkontrolliert weiter. Tausende Menschen müssen fliehen. Um die Katastrophe zu bewältigen, wollen sich beide Länder nun gegenseitig helfen.

In Griechenland drohen Temperaturen über 40 Grad Celsius und Orkanböen die seit Tagen andauernden Waldbrände weiter anzufachen. Dicke Rauchschwaden bedeckten erneut den Himmel von Athen. Sie rühren von Feuern in den nördlichen Außenbezirken der Hauptstadt her.

Mehrere Vororte wurden evakuiert, Tausende Einwohner mussten ihre Häuser verlassen. Hunderte Feuerwehrleute und zahlreiche Löschflugzeuge versuchten, den nahe gelegenen Ort Marathon vor den Flammen zu schützen, die entlang der zentralen Autobahn von Athen in den Norden des Landes wüteten.

Feuer noch immer außer Kontrolle

Am Morgen sei es zunächst nur darum gegangen, die Ausbreitung der Brände zu verhindern, berichtete die griechische Nachrichtenagentur ANA. Von einer Kontrolle der Flammen könne angesichts der starken Winde vorerst keine Rede sein. Binnen 24 Stunden gab es landesweit um die 90 neue Waldbrände, wie die Feuerwehr twitterte.

Auch die unweit der Hauptstadt gelegene Insel Euböa ist schwer von den Feuern getroffen. Kirchenglocken läuteten Alarm, Anwohner flohen oder versuchten, mit Traktoren und Kettensägen Schneisen zu schaffen, damit die Flammen sich nicht weiter fortbewegen können.

Weit mehr als 600 Menschen wurden nach Angaben der Küstenwache bereits von der Insel über das Meer in Sicherheit gebracht. Dabei wurden auch Touristenschiffe eingesetzt.

Mindestens 18 Menschen verletzt

Seit Dienstag hatten sich die Flammen durch ein großes Gebiet von Pinienwäldern gefressen und das Meer erreicht. Die örtlichen Behörden sprechen von der größten Katastrophe auf der Insel seit 50 Jahren. Hunderte Häuser seien beschädigt, große Acker- und Waldflächen zerstört.

Mindestens 18 Menschen kamen verletzt in Krankenhäuser. Die meisten litten an Atemwegsbeschwerden, sagte Gesundheitsminister Wassilis Kikilias. Die Kleinpartikel in der Luft erreichten im Zentrum der griechischen Hauptstadt Werte, die als sehr gefährlich für Menschen gelten. Sie waren angehalten, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Bis mindestens Montag ist es den Menschen untersagt, Wälder zu besuchen. Zudem sind Arbeiten verboten, die Funken oder Flammen erzeugen könnten.

Zehntausende Menschen in der Türkei evakuiert

Auch in der Türkei kämpfen die Einsatzkräfte weiter gegen die Flammen - inzwischen den zehnten Tag in Folge. Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Brände als die schlimmsten in der Geschichte des Landes.

13 Brände in sechs Provinzen waren nach offiziellen Angaben noch nicht unter Kontrolle. Besonders betroffen sind die Urlaubsregionen Antalya, Marmaris und Bodrum, dort bekommen die Einsatzkräfte die Brände seit Tagen nicht in den Griff. Aus den Küstenregionen wurden bislang Zehntausende Menschen evakuiert, darunter auch Touristen.

Regierung in der Kritik

Die Regierung steht zunehmend in der Kritik, zu langsam und unzulänglich auf die Bedrohung reagiert zu haben. Insbesondere der Mangel an Löschflugzeugen und -hubschraubern sorgt für Empörung. Die Türkei ist dadurch in großem Umfang auf Maschinen aus anderen Ländern angewiesen.

Oppositionspolitiker verwiesen auf Zahlen der Forstbehörde, wonach im ersten Halbjahr nur zwei Prozent der für die Bekämpfung von Waldbränden vorgesehenen Gelder in Höhe von umgerechnet rund 20 Millionen Euro tatsächlich eingesetzt wurden. Die Regierung macht dagegen die heimische Luftfahrtvereinigung verantwortlich, die die Löschflugzeug-Flotte trotz großzügiger Finanzausstattung nicht ausreichend gewartet habe.

Griechenland und Türkei wollen einander helfen

Griechenland und die Türkei wollen sich gegenseitig bei der Bekämpfung von Bränden helfen. Allerdings soll dies erst geschehen, wenn die beiden Staaten die Feuer im jeweils eigenen Land unter Kontrolle gebracht haben. Dies teilte der griechische Außenminister Nikos Dendias mit.

Die beiden Nachbarstaaten streiten sich seit Jahrzehnten um Hoheitsrechte in der Ägäis und um die Zypernfrage. In den vergangenen Monaten hatte sich die Lage weiter zugespitzt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. August 2021 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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wenigfahrer 06.08.2021 • 21:43 Uhr

Auf ntv

gibt es einen interessanten Artikel über Brände zu lesen, betrifft zwar Italien, ist aber aufschlussreich. Auch wenn sich da für mich Abgründe auftun. https://www.n-tv.de/panorama/Brandstiftungen-bleiben-lukratives-Geschaef...