Feuerwehrleute bekämpfen einen Waldbrand in einem Waldgebiet nördlich von Athen. | dpa

Waldbrände in Südosteuropa "Ein Pulverfass"

Stand: 06.08.2021 11:34 Uhr

Die Flammen in Griechenland und der Türkei fressen sich weiter durch die Wälder. Griechenlands Ministerpräsident Mitsotakis warnte vor einer weiteren Verschärfung: Die Trockenheit habe das Land in ein "Pulverfass" verwandelt.

Die Waldbrände in Griechenland und der Türkei dauern unvermindert an. Auch in der Nacht bahnten sich Feuerwalzen den Weg durch vertrocknete Wälder, Busch- und Grasland. Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis schwor die Bürger auf weitere harte Tage ein - so brennt es unter anderem nahe der Hauptstadt Athen, wo sich die Lage weiter zuspitzt.

Am Morgen sei es zunächst nur darum gegangen, die Ausbreitung der Brände zu verhindern, berichtete die griechische Nachrichtenagentur ANA. Von einer Kontrolle der Flammen könne angesichts der starken Winde vorerst keine Rede sein. Binnen 24 Stunden gab es landesweit um die 90 neue Waldbrände, wie die Feuerwehr twitterte.

Mindestens 18 Menschen verletzt

"Wir haben mit Dutzenden Waldbränden zu kämpfen. Drei davon - in Athen, auf dem Peloponnes und auf Euböa - sind von gewaltigem Ausmaß", sagte Mitsotakis bei einer Ansprache im Staatsfernsehen.

Er warnte vor einem "noch nie da gewesenen Zustand, weil die vergangenen Tage der Hitze und Trockenheit das Land in ein Pulverfass verwandelt haben". Das Land stehe vor einer noch nie da gewesenen Umweltkrise, warnte Mitsotakis. Die Waldbrände spiegelten "die Realität des Klimawandels" wider.

Mindestens 18 Menschen kamen verletzt in Krankenhäuser. Die meisten litten an Atemwegsbeschwerden, sagte Gesundheitsminister Wassilis Kikilias. Die Kleinpartikel in der Luft erreichten im Zentrum der griechischen Hauptstadt Werte, die als sehr gefährlich für Menschen gelten. Sie waren angehalten, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Militär soll bei Brandbekämpfung helfen

Etwa 700 Feuerwehrleute hatten die ganze Nacht gegen eine mächtige Front aus Flammen im Norden Athens gekämpft, die sich langsam auf die griechische Hauptstadt zubewegt. Seit dem Morgen wurden die Einsatzkräfte laut Behördenangaben durch 82 französische Helfer unterstützt.

Mehrere Vororte mussten evakuiert werden, ebenso ein Flüchtlingslager. Mitsotakis kündigte an, verstärkt Militär zur Brandbekämpfung einzusetzen. Die Soldaten sollen die Lage aus der Luft mit Drohnen beobachten und neue Brandherde frühzeitig entdecken.

Ein Hubschrauber wirft in einem Waldgebiet nördlich von Athen Löschwasser ab | dpa

Ein Hubschrauber wirft in einem Waldgebiet nördlich von Athen Löschwasser ab. Bild: dpa

12.000 Hektar Land abgebrannt

Die Flammen bedrohten zudem die Stromversorgung in Teilen Athens, da das Übertragungsnetz beschädigt worden sei, teilten Behördenvertreter mit. Die Elektrizitätsgesellschaft schaltete vorsorglich einen großen Verteiler in der Region ab. Die Polizei sperrte die Autobahn zwischen der Hauptstadt und Thessaloniki; kurze Zeit später sprangen die Flammen auf die andere Seite der Fahrbahnen über.

Auch auf der zweitgrößten griechischen Insel Euböa, die stark bewaldet ist, gab es etliche neue Brandherde. Kirchenglocken läuteten Alarm, Anwohner flohen oder versuchten, mit Traktoren und Kettensägen Schneisen zu schaffen, damit die Flammen sich nicht weiter fortbewegen können.

Bis mindestens Montag ist es den Menschen untersagt, Wälder zu besuchen. Zudem sind Arbeiten verboten, die Funken oder Flammen erzeugen könnten. Laut dem griechischen Nationalobservatorium sind in diesem Jahr bereits mehr als 12.000 Hektar Land abgebrannt - mehr als im gesamten vergangenen Jahr.

Flammen bedrohen Wohngebiete in der Türkei

Auch in der Türkei kämpfen die Einsatzkräfte weiter gegen die Flammen - inzwischen den zehnten Tag in Folge. 13 Brände in sechs Provinzen waren nach offiziellen Angaben noch nicht unter Kontrolle. Besonders betroffen sind die Urlaubsregionen Antalya, Marmaris und Bodrum, dort bekommen die Einsatzkräfte die Brände seit Tagen nicht in den Griff. Die Einwohner sind verzweifelt und hoffen auf Regen - doch auch in den nächsten Tagen soll es extrem heiß werden.

Im westtürkischen Milas verschlangen die Flammen in der Nacht mehrere Viertel, die zuvor evakuiert worden waren. Dort und in Bodrum werden für Freitag mehr als 40 Grad erwartet.

Hoffnung für Antalya

Außenminister Mevlüt Cavusoglu, der seinen Wahlkreis in Antalya hat, machte etwas Hoffnung: Der Wind werde in Antalya nachlassen und man hoffe, die Brände dort unter Kontrolle zu bringen. Tausende Menschen mussten bereits ihre Häuser verlassen und wurden teils in Schulen und Sportstadien untergebracht.

Die Behörden verbreiten immer wieder Listen mit Dingen, die benötigt werden: Besteck, Teller, Kissen und Decken - der Bedarf ist groß. Das Feuer hat bereits weite Landstriche verwüstet. Acht Menschen kamen ums Leben, Schätzungen zufolge sind mindestens 100.000 Hektar Wald und Felder den Flammen zum Opfer gefallen. Es sind die schwersten Waldbrände seit mehr als 13 Jahren in der Türkei.


Mit Informationen von Johannes Reichart, ARD-Studio Athen

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin im Ersten am 06. August 2021 um 08:15 Uhr.

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Moderation 06.08.2021 • 14:11 Uhr

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