Brände am Stadtrand von Athen | AFP

Waldbrände in Südosteuropa Feuerwalze steht vor Athen

Stand: 06.08.2021 01:28 Uhr

Fachleute hatten vor erhöhter Brandgefahr in Südeuropa gewarnt, nun ist ein Brand nördlich von Athen außer Kontrolle geraten. Die Stromversorgung musste unterbrochen werden. Griechenlands Regierung spricht von einer nie dagewesenen Krise.

Rund 20 Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Athen ist ein riesiger Waldbrand ausgebrochen. Fernsehbilder zeigten eine kilometerlange Wand aus haushohen Flammen und Rauch. Löschflugzeuge und -hubschrauber waren im Einsatz, mussten jedoch bei einbrechender Dunkelheit die Arbeit einstellen. Etwa 700 Feuerwehrleute sollen aber die ganze Nacht hindurch weitermachen. Einsatzkräfte gingen am Abend von Haus zu Haus, um Anwohner in Sicherheit zu bringen. Das Feuer näherte sich auch einem Sommerpalast in Tatoi außerhalb von Athen, den die frühere griechische Königsfamilie nutzte.

Die Flammen bedrohten die Stromversorgung in Teilen Athens, da das Übertragungsnetz beschädigt worden sei, teilten Behördenvertreter mit. Die Elektrizitätsgesellschaft schaltete vorsorglich einen großen Verteiler in der Region ab.

Viele Brände - überall im Land

Auch in vielen anderen Gegenden des Landes brennt es derzeit nach langer Trockenheit und Hitze. Zahlreiche Ortschaften wurden evakuiert, viele Häuser fielen den Flammen zum Opfer. Nördlich von Athen wurde die Autobahn zwischen der Hauptstadt und Thessaloniki gesperrt; kurze Zeit später sprangen die Flammen auf die andere Seite der Fahrbahnen über. Die Ortschaft Krioneri wurde evakuiert, ebenso ein Flüchtlingslager.

Auch auf der zweitgrößten griechischen Insel Euböa, die stark bewaldet ist, gab es etliche neue Brandherde. Kirchenglocken läuteten Alarm, Anwohner flohen oder versuchten, mit Traktoren und Kettensägen Schneisen zu schaffen, damit die Flammen sich nicht weiter fortbewegen können.

Ministerpräsident: Nie da gewesene Krise

Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis erklärte am Donnerstagabend, das Land stehe vor einer noch nie da gewesenen Umweltkrise mit zahlreichen Bränden während einer andauernden Hitzewelle. Es stünden noch weitere schwere Tage bevor, denn es werde erwartet, dass der Wind erneut auffrische und die Hitze anhalte. Mitsotakis betonte, er verstehe die Wut der Menschen, die ihr Eigentum in den Flammen verloren hätten. Die Rettung von Menschenleben habe jetzt aber absolute Priorität.

Die Waldbrände spiegelten "die Realität des Klimawandels" wider, so Mitsotakis weiter. Von nun an solle verstärkt Militär zur Brandbekämpfung eingesetzt werden. Die Soldaten sollen die Lage aus der Luft mit Drohnen beobachten und neue Brandherde frühzeitig entdecken. Zudem sollen sie die Feuerwehr mit Baggern und anderem schweren Gerät unterstützen und mit Tankwagen Wasser zu den Brandherden transportieren.

Feuer wüten weiter in der Türkei

Nicht nur in Griechenland, auch in der Türkei wüten weiterhin große Brände. Seit Tagen bekommen die Rettungskräfte Großbrände in den Provinzen Antalya und Mugla nicht unter Kontrolle. Allein in Mugla wurden knapp 12.000 Häuser und mehr als 36.000 Menschen evakuiert, wie Sprecher lokaler Behörden sagten.

2000 Häuser wurden offiziellen Angaben zufolge bisher beschädigt, mindestens acht Menschen kamen ums Leben. Das türkische Forstamt meldete 180 Brände, von denen zwölf noch nicht unter Kontrolle seien.

Zweithöchste Alarmstufe in Bulgarien

In Italien kämpften die Einsatzkräfte ebenfalls weiter gegen die Flammen. Unter anderem Sizilien und Kalabrien waren betroffen. Löschflugzeuge seien in den Provinzen Messina und Palermo im Einsatz, teilte die Feuerwehr auf Twitter mit. Rund 70 Prozent der Feuer seien auf Fehlverhalten von Menschen zurückzuführen, sagte Umweltminister Roberto Cingolani. Hinzu kämen die Folgen des Klimawandels.

In Bulgarien wurde die zweithöchste Alarmstufe für 24 der 28 Regionen ausgerufen - auch in der Hauptstadt Sofia mit rund 1,5 Millionen Einwohnern. Die beiden Großbrände im Süden des Balkanlandes konnten zunächst unter Kontrolle gebracht werden, wie bulgarische Medien berichteten. Allerdings kamen dabei zwei Forstarbeiter ums Leben, ein weiterer erlitt schwere Verbrennungen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 05. August 2021 um 22:15 Uhr.