Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht während der UN-Klimakonferenz in Glasgow, Schottland.  | via REUTERS

Klimakonferenz in Glasgow Eindringliche Appelle und erste Zusagen

Stand: 01.11.2021 19:43 Uhr

Am zweiten Tag der Weltklimakonferenz haben führende Politiker noch einmal eindringlich zum Klimaschutz aufgerufen. Bundeskanzlerin Merkel warb zudem für eine globale CO2-Bepreisung - US-Präsident Biden versprach Taten statt Worte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat auf der Weltklimakonferenz an alle Staaten appelliert, den Klimaschutz stärker voranzutreiben. Man sei noch nicht dort angekommen, wo man laut Pariser Klimaabkommen sein wollte.

Die Industrieländer hätten dabei eine besondere Verantwortung, so Merkel. Deshalb wolle Deutschland seinen Beitrag leisten und bis 2030 insgesamt 65 Prozent der Emissionen einsparen im Vergleich zu 1990. Bis 2045 will die Bundesrepublik klimaneutral sein.

Kanzlerin für weltweiten CO2-Preis

Außerdem wolle Deutschland durch weitere Projekte unter anderem den Schutz von Wäldern stärken und eine Energie-Partnerschaft mit Südafrika eingehen, um den Ausstieg aus der Kohlenutzung voranzutreiben. Sie sprach von einem "Pilotprojekt für viele afrikanische Länder".

Die Kanzlerin machte sich auch für einen weltweiten CO2-Preis stark. "Wir werden mit staatlichen Aktivitäten allein nicht vorankommen", sagte sie. Es gehe um eine umfassende Transformation des Lebens und Wirtschaftens. Deshalb wolle sie "ein klares Plädoyer einlegen" für die Bepreisung von Kohlenstoffdioxid-Emissionen.

Mit einem solchen Preis könne man die Industrie dazu bringen, die technologisch besten Wege zur Klimaneutralität zu finden. "In der Dekade des Handelns, in der wir jetzt leben, national ambitionierter zu sein, aber global Instrumente zu finden, die nicht nur Steuergelder einsetzen, sondern die wirtschaftlich vernünftig sind. Und das ist für mich die CO2-Bepreisung."

Biden entschuldigt sich für Trumps Handeln

Auch US-Präsident Joe Biden hielt zum Auftakt des zweiten Tages ein kurzes Statement. Darin versprach er, dass die USA ihre Klimaziele erreichen würden. Dies bedeute, dass die Emissionen bis 2030 um mehr als eine Gigatonne oder 50 bis 52 Prozent reduziert würden, sagte Biden in Glasgow. Dabei bezog er sich auf die Emissionen aus dem Jahr 2005. Es sei ein moralischer und ökonomischer Imperativ, den Klimawandel anzugehen, so der US-Präsident weiter. Die USA seien nicht nur zurück am Tisch, sie würden auch eine Führungsrolle einnehmen. Seine Regierung werde handeln und es nicht nur bei Worten belassen.

Biden entschuldigte sich zudem für die Klimapolitik seines Amtsvorgängers Donald Trump. "Ich entschuldige mich für die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten unter der letzten Regierung aus dem Pariser Abkommen ausgestiegen sind", so der Präsident. Jetzt wollten die Vereinigten Staaten ihren Teil dazu beitragen, um den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu senken. Biden hatte Trumps Entscheidung gleich nach seinem Amtsantritt wieder rückgängig gemacht.

Indien will bis 2070 klimaneutral sein

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rief Länder mit besonders hohen Treibhausgasemissionen zu engagierterer Klimapolitik auf. "Der Schlüssel für die nächsten zwei Wochen ist, dass die größten Emittenten, deren nationale Pläne mit dem 1,5-Grad-Ziel nicht übereinstimmen, ihre Ambitionen höher stecken", sagte Macron in Glasgow.

Neben mehr Ehrgeiz verlangte der französische Staatschef auch Solidarität und Transparenz. Reiche Länder müssten ihrer Verantwortung gerecht werden und ausreichend Gelder für Klimaschutz in ärmeren Regionen zur Verfügung stellen. Die Umsetzung der Versprechen und die Verwendung von Geldern sollten transparent sein.

Indiens Premier Narendra Modi nannte vor dem Plenum des Gipfels erstmals ein Ziel für die Klimaneutralität seines Landes: Bis 2070 will die bevölkerungsreichste Demokratie der Welt nur noch so viel klimaschädliche Emissionen ausstoßen, wie etwa in Senken wie Ozeanen und Wäldern aufgenommen werden können. Das ist das obere Limit, das der Weltklimarat (IPCC) für weltweite Klimaneutralität angegeben hat, damit das Leben auf dem Planeten Erde noch lebenswert bleibt.

Guterres spricht von "Todesurteil" für Inselstaaten

Auch UN-Generalsekretär António Guterres meldete sich zu Wort: Er sagte, die Welt steuere auf eine Klimakatastrophe zu. Für Inselstaaten und andere besonders verletzliche Länder sei das Scheitern der Klimaschutz-Anstrengungen keine Option, sondern "ein Todesurteil".

Guterres sprach von einem "Moment der Wahrheit". Die Erde bewege sich im Zuge ihrer Erwärmung auf Kipppunkte zu, deren Überschreiten eine gefährliche Eskalation zur Folge hätte. Er appellierte an die Staatschefs: "Entscheiden Sie sich für Ehrgeiz, entscheiden Sie sich für Solidarität, entscheiden Sie sich dafür, unsere Zukunft und die Menschheit zu retten." Klimaschutz stehe auf der Prioritätenliste der Menschen ganz oben, ungeachtet von Heimatland, Alter und Geschlecht.

Zuvor hatte auch schon Chinas Präsident Xi Jinping eine Botschaft an die Staatengemeinschaft veröffentlicht. Laut staatlichen Medien forderte er darin, nicht nur mehr für den Klimaschutz zu tun, sondern den Schwellenländern auch dabei zu helfen, besser zu werden. Jeder solle das Beste nach seinen Möglichkeiten gegen den Klimawandel unternehmen, erklärt Xi demnach. Chinas Präsident nahm - ebenso wie Russlands Präsident Wladimir Putin - nur per Videoschalte an der Konferenz teil. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte seine Teilnahme ab, allerdings erst kurzfristig.

Kein starkes Signal vom G20-Gipfel

Zwei Wochen lang verhandeln 197 Nationen auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow über die weitere Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015. Es sieht die Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, idealerweise 1,5 Grad, im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vor.

Allerdings hatte der G20-Gipfel am Wochenende in Rom nicht das Aufbruchssignal geliefert, welches sich viele für den Gipfel in Glasgow gewünscht hätten. So hatten sich die Länder der G20-Gruppe, die für 80 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich zeichnen, nur auf einen Minimalkonsens einigen können.

Das Ziel, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, wurde zwar bekräftigt, ein Zieldatum wurde aber nicht genannt. Auch bei der angestrebten CO2-Neutralität konnten sich die Staaten nicht auf ein konkretes Datum einigen. Diese soll nun "bis zur oder um die Mitte des Jahrhunderts" erreicht werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. November 2021 um 15:00 Uhr.