Blick auf den Veranstaltungsort der UN-Klimakonferenz in Glasgow, Schottland, Freitag, 29. Oktober 2021.  | AP

COP26 in Glasgow Gipfel in Coronazeiten - wie geht das?

Stand: 29.10.2021 16:56 Uhr

Zur Weltklimakonferenz werden 25.000 Teilnehmer aus aller Welt erwartet. Doch ist eine Massenveranstaltung in Pandemiezeiten überhaupt zu verantworten? Was könnte das nach sich ziehen, und wie wird vor Ort versucht, die Teilnehmer zu schützen? 

Von Imke Köhler, ARD-Studio London, z.zt. Glasgow

Wie der Herbst 2021 genau aussehen würde, konnte von langer Hand niemand sagen. Klar war nur, dass die Pandemie noch nicht vorbei sein würde. Jetzt in Großbritannien eine Massenveranstaltung abzuhalten, mit Teilnehmern aus aller Welt, hält Prof. Christina Pagel für riskant. Die deutsch-britische Professorin vom University College London ist als Mathematikerin in der Gesundheitsforschung tätig.

Imke Köhler ARD-Studio London

Ein weiteres Spreading-Event?

Die Ausgangslage sei schwierig, sagt Pagel. Großbritannien habe die höchsten Covid-Zahlen in Westeuropa, mit die höchsten weltweit. Und man wisse, dass die Fußball-Europameisterschaft ein Super-Spreading-Event gewesen sei. Auch der G7-Gipfel in Cornwall sei ein Super-Spreading-Event gewesen. Insofern gebe es eindeutig ein Risiko.

Wie viele der Konferenzteilnehmer in Glasgow geimpft sein werden, ist unklar. Zwar hat die britische Regierung bei der Anmeldung abgefragt, ob man bereits geimpft ist oder vorhat, sich impfen zu lassen. Aber welches Bild sich daraus in den letzten Wochen ergeben hat, teilt sie nicht mit. Auch gibt es inzwischen den Vorwurf, dass die britische Regierung ihre Hilfszusage an benachteiligte Länder nicht eingehalten habe.

Plötzlich keine Risikogebiete mehr

Großbritannien hatte versprochen, Impfstoffe für Delegierte zur Verfügung zu stellen, die ansonsten keine Möglichkeit haben würden, sich in ihren Heimatländern impfen zu lassen. Einer Klimaaktivistin aus Mosambik zufolge ist nicht in allen Ländern Impfstoff angekommen. Die britische Regierung spricht ihrerseits davon, Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 70 Ländern geholfen zu haben.

Für die Konferenz hat Großbritannien die Einreiseregeln verschärft. So müssen sich alle, die auf die Insel kommen wollen, zuvor auf Covid-19 testen lassen und zumindest einen weiteren Test innerhalb von 48 Stunden machen. Wer aus einem Land kommt, das auf der roten Liste steht, muss zunächst in Quarantäne. Allerdings hat die britische Regierung am Donnerstagabend mitgeteilt, dass ab Montag keine Länder mehr als "rot" eingestuft sein werden.

Ausnahmen in einer Ausnahmesituation

Bei der Quarantäne gab es ohnehin schon Ausnahmen. Nachdem mehrere lateinamerikanische Länder die Quarantänepflicht als diskriminierend kritisiert hatten, war die Vorgabe für hochrangige Regierungsvertreter und weitere Mitarbeiter ausgesetzt worden. Stellt das eine Gefährdung dar? Professorin Pagel vom University College London hält, wenn es um Corona geht, die internationalen Besucher für stärker gefährdet als die Briten.

Delta sei die dominante Variante, wo immer sie auftaucht, sagt sie. Länder, in denen sie noch nicht vorkommt, seien sehr gefährdet, weil Delta so infektiös sei. Daneben gebe es in Großbritannien inzwischen einen Subtypus von Delta, der AY.4.2 heißt.

Laut Pagel scheint dieser noch mal zehn bis 15 Prozent infektiöser zu sein als Delta - und in Schottland ist er weit verbreitet. "Daher gibt es die Gefahr, dass sich die Delegierten, die zur Weltklimakonferenz kommen, infizieren und die Infektion mit in ihre Heimatländer nehmen. In Ländern, die keine hohe Impfquote haben, wird das die Lage verschlechtern", warnt Pagel.

Und jenseits des Konferenzgeländes?

Damit sich so wenige wie möglich infizieren, müssen sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Glasgow täglich testen. Nur wer ein negatives Testergebnis vorweisen kann, kommt auf das Konferenzgelände. Zudem gilt die Ein-Meter-Abstandsregel, und es müssen außerhalb der Meetings und Verhandlungen Masken getragen werden. Die Verhandlungsräume sollen regelmäßig gelüftet und desinfiziert werden. Was jenseits des Konferenzgeländes in den Hotels, Restaurants und Clubs der Stadt passiert, haben die Organisatoren dagegen nicht in der Hand.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 29. Oktober 2021 um 16:08 Uhr.