Podium beim Klimagipfel in Glasgow | AP

Klimakonferenz in Glasgow Weitere Beschlüsse - und ein "Berg Arbeit"

Stand: 09.11.2021 17:25 Uhr

Der Klimagipfel in Glasgow könnte in die Verlängerung gehen: Konferenz-Präsident Sharma sagte, man habe einen Berg Arbeit vor sich. Deutschland schloss sich einer Initiative für den Ausstieg aus der Finanzierung fossiler Energien im Ausland an.

Deutschland schließt sich einer Initiative für den Ausstieg aus der Finanzierung fossiler Energien im Ausland bis Ende 2022 an. Das verkündete Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow.

Am vergangenen Donnerstag hatten bereits die Regierungen der USA und etwa 20 weiterer Länder angekündigt, sich bis Ende kommenden Jahres aus der Finanzierung von Kohle-, Erdöl- und Erdgasprojekten im Ausland zurückzuziehen.

Investitionen in Gasinfrastruktur weiter möglich

Flasbarth erläuterte, Deutschland habe ein paar Tage länger gebraucht, da noch einige Einzelheiten zu klären gewesen seien. Der Beitritt sei nun möglich gewesen, weil Deutschland die Bestätigung erhalten habe, dass in Einzelfällen weiterhin Investitionen in Gasinfrastruktur möglich seien.

Dies ist laut Flasbarth etwa sinnvoll als Überbrückung beim Ausstieg aus der Kohle und dem Einstieg in die erneuerbaren Energien.

Auch für die Produktion von grünem Wasserstoff werde Erdgas gebraucht. "Das muss natürlich auf die Zukunft gerichtet sein", sagte Flasbarth zu den möglichen Investitionen.

Außerdem seien diese nur noch in einem Übergangszeitraum "von wenigen Jahren" nötig. Der Umwelt-Staatssekretär hob zugleich hervor, dass im Falle Deutschlands die Finanzierung von Kohleprojekten im Ausland "schon lange passé" sei.

Forschern zufolge ist die Weltgemeinschaft aber trotz der Zusagen rund um die Konferenz von Glasgow noch weit vom notwendigen Klimaziel entfernt. Das zeigen neue Prognosen des Climate Action Tracker (CAT), die auf der Konferenz veröffentlicht wurden.

Plus 2,4 Grad - wenn alles eingehalten wird

Wenn die Zusagen aller Staaten zum Klimaschutz für das Jahr 2030 umgesetzt werden, klettert die Erderwärmung den Forschern zufolge bis zum Ende des Jahrhunderts immer noch auf etwa 2,4 Grad.

Wenn man nur betrachtet, was die Staaten jetzt tun, und weitere Ankündigungen ausblendet, steigt die Erderwärmung demnach bis 2100 sogar auf 2,7 Grad.

Laut den CAT-Forscher ist auch ein "optimistisches Szenario" von lediglich 1,8 Grad Erwärmung denkbar - aber nur, wenn diejenigen Staaten ihre langfristigen Zusagen einhielten, die bis zur Mitte des Jahrhunderts klimaneutral werden wollen. Dazu fehlten aber den meisten Ländern belastbare, konkrete Konzepte.

Das im Pariser Klimaabkommen von 2015 vereinbarte Ziel ist, den Temperaturanstieg auf unter zwei Grad, möglichst 1,5 Grad, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Entscheidende Phase des Gipfels

Das Weltklimatreffen kommt nun in die entscheidende Phase, wo die Minister selbst in die Verhandlungen eingreifen. Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze wollte am Mittwochabend anreisen. Das Treffen in Glasgow ist bis Freitagabend angesetzt, wobei eine Verlängerung bis Samstag nicht überraschend wäre.

Konferenz-Präsident Alok Sharma sagte, man sei vorangekommen, habe aber noch einen Berg Arbeit vor sich. Die Welt müsse nun darauf vertrauen können, dass die Versprechen der Staaten auch gehalten würden.

In der Nacht zum Mittwoch könnte es seinen Worten zufolge einen ersten Entwurf für ein Abschlussdokument geben.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 09. November 2021 um 16:08 Uhr.