Das Frachtschiff "Razoni" | AFP

Ukrainisches Getreideschiff "Razoni" darf Zielhafen anlaufen

Stand: 03.08.2022 14:21 Uhr

Der ukrainische Getreidefrachter hat alle Kontrollen in Istanbul bestanden und fährt nun in Richtung Libanon. Internationale Experten hatten das Schiff zuvor auf Waffen kontrolliert - nicht frei von Spannungen.

Der erste mit ukrainischem Getreide beladene Frachter seit Beginn des russischen Angriffskriegs hat nach einer Inspektion in Istanbul die Freigabe zur Weiterfahrt in den Libanon erhalten. Internationale Kontrolleure hätten ihre Inspektion beendet, teilte das türkische Verteidigungsministerium mit.

Die Experten der Ukraine, Russlands, der Türkei und der Vereinten Nationen waren am Morgen an Bord des Schiffes gegangen und hatten geprüft, ob wirklich nur die 26.000 Tonnen Mais oder möglicherweise auch Waffen transportiert würden.

Überfahrt in zwei Booten

Die gemeinsame Mission lief nicht ohne Spannungen ab, wie ARD-Korrespondent Michael Schramm berichtet: "Man muss, um den großen Getreidefrachter zu untersuchen, mit einem kleinen Boot übersetzen. Allerdings haben sich die Vertreter der Ukraine und Russlands geweigert, das im selben Boot zu tun. Es wurde also in zwei getrennten Booten übergesetzt. Da konnte man sofort sehen: Hier ist Spannung." Insgesamt habe die Inspektion mit zwei Stunden auch recht lange gedauert.

Die "Razoni" hatte am Montag als erstes Schiff im Rahmen des Ende Juli von der Ukraine und Russland unterzeichneten Abkommens den ukrainischen Schwarzmeer-Hafen Odessa verlassen.

Weitere Schiffe sind bereits beladen

Einer Mitteilung des ukrainischen Infrastrukturministeriums zufolge warten aktuell 17 bereits beladene Schiffe auf die Erlaubnis, ablegen zu können. Sie sollen über einen sicheren Korridor durch vermintes Gewässer im Schwarzen Meer gelotst und vor der Ausfahrt ins Mittelmeer von ukrainischen, russischen, türkischen und UN-Experten überprüft werden.

Damit soll der Export von Millionen Tonnen Getreide gesichert werden, die in der Ukraine wegen des russischen Angriffskriegs festhängen. Zugleich soll möglicher Waffenschmuggel unterbunden werden.

Moskau warnt vor Scheitern des Abkommens

Ungeachtet des erfolgreichen Transports warnte Russland erneut vor einem möglichen Scheitern des Getreideabkommens. Die Vereinbarung habe einen "Paketcharakter", sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, der Agentur Interfax zufolge. "Darum warnen wir vor Versuchen, den zweiten Teil des Pakets zu verzögern oder nicht zu erfüllen", sagte sie mit Blick auf eine in Aussicht gestellte Lockerung einiger Sanktionen gegen Russland.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. August 2022 um 13:00 Uhr.