Annalena Baerbock | EPA

Treffen der G7-Außenminister "Globale Krise" durch russischen Angriff

Stand: 12.05.2022 21:43 Uhr

Wegen des Kriegs sitzen Millionen Tonnen Getreide in der Ukraine fest. Außenministerin Baerbock warnte vor einer weltweiten Ernährungskrise - die G7-Staaten dürften andere Länder nicht im Stich lassen.

Außenministern Annalena Baerbock hat vor den weltweiten Schockwellen gewarnt, die der Krieg gegen die Ukraine verursacht. Der "furchtbare völkerrechtswidrige Angriffskrieg" Russlands sei "nicht nur eine tiefe Krise für ganz Europa, sondern eine globale" Krise, sagte sie zum Auftakt des dreitägigen G7-Außenministertreffens in Weißenhaus in Schleswig-Holstein.

Angesichts der Bedeutung der Ukraine als Getreideexportnation habe der Krieg in dem Land massive Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit weltweit. Ziel des russischen Präsidenten Wladimir Putin sei es, seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine dazu zu nutzen, "die Weltgemeinschaft zu spalten", sagte Baerbock. Dem stelle sich die G7 entgegen.

Lösungen für Hafenblockaden?

Die Gruppe führender Industrienationen nehme ihre Verantwortung wahr und werde dafür sorgen, dass jene 141 Staaten, die in den Vereinten Nationen den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verurteilt hätten, "jetzt nicht im Stich gelassen werden". Getreide, das vor allem im Nahen Osten und in Afrika dringend gebraucht werde, könne wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine nicht mehr ausgeliefert werden, sagte Baerbock.

25 Millionen Tonnen Getreide seien derzeit in ukrainischen Häfen blockiert, stellte die Außenministerin fest. Die G7-Gruppe wolle sicherstellen, dass die Ukraine trotz des russischen Angriffskriegs ein bedeutender Getreideexporteur bleiben kann. Man berate gemeinsam darüber, wie man die von Russland ausgeübte Getreideblockade brechen und ukrainisches "Getreide in die Welt" bringen könne.

Allerdings ist fraglich, wie das gelingen soll. Denn sollte der Weizen statt auf dem See- künftig auf dem Landweg befördert werden, könnten wohl nur deutlich geringere Mengen außer Landes gebracht werden.

Russland will Getreideexporte steigern

Die Ukraine zählt weltweit zu den wichtigsten Getreidelieferanten. So war sie 2021 nach Zahlen der Welternährungsorganisation der UN noch drittgrößter Exporteur von Gerste und fünftgrößter Exporteur von Weizen. Kiew wirft Russland vor, ukrainische Getreidelager geplündert und Agrarprodukte ins eigene Land gebracht oder vernichtet zu haben.

Russlands Präsident Wladimir Putin kündigte an, dass er in diesem Jahr eine Rekordernte beim Weizen erwartet und die Exporte steigern will. Russland ist einer der größten Getreideproduzenten weltweit mit einer wichtigen Rolle für die Welternährung.

Energiesicherheit auf der Tagesordnung

Deutschland hat derzeit die G7-Präsidentschaft inne. Weitere Mitglieder sind die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan. US-Außenminister Antony Blinken hatte seine Teilnahme an dem G7-Treffen wegen einer inzwischen überstandenen Corona-Infektion abgesagt.

Auf den Treffen wollen die Teilnehmer angesichts der jüngsten Drosselung der Gaslieferungen aus Russland auch über Europas Energiesicherheit beraten. Darüber hinaus sind die Treffen der G7-Staaten mittlerweile ein wichtiges Instrument geworden, Sanktionen gegen Russland oder auch Waffenlieferungen für die Ukraine vorzubereiten und abszustimmen.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba und sein moldauischer Kollege Nicu Popescu nehmen als Gäste am G7-Außenministertreffen teil. Per Video zugeschaltet wird zudem die indonesische Außenministerin Retno Lestari Priansari Marsudi, deren Land derzeit die G20-Präsidentschaft innehat.

Mit Informationen von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio , zzt. Weißenhaus

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Mai 2022 um 19:00 Uhr.