Der indische Premierminister Narendra Modi, der australische Premierminister Scott Morrison, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der italienische Premierminister Mario Draghi, der französische Präsident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Boris Johnson und Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, Qu Dongyu auf dem G20-Gipfel in Rom | AFP

G20-Gipfel in Rom Streitfall Klimazusagen

Stand: 31.10.2021 10:24 Uhr

Gestrichene Textpassagen, aufgeweichte Ziele: Ein Entwurf der G20-Abschlusserklärung zeigt, dass sich die Staaten offenbar nicht auf konkrete Klimamaßnahmen verständigen können. Sogar die Einigung auf "sofortiges Handeln" wurde gestrichen.

Es sollte ein starkes Signal der Staats- und Regierungschefs für den Weltklimagipfel in Glasgow werden: Nun aber drohen die Bemühungen um konkrete Maßnahmen der G20-Staaten für den Klimaschutz zu scheitern. Wie aus einem Entwurf des Abschlusskommuniqués des Gipfels hervorgeht, kann sich die Gruppe der großen Wirtschaftsmächte offenbar nicht auf konkrete Ziele zum Klimaschutz einigen.

In dem aktuellen Entwurf wurden ursprünglich beabsichtigte Zielvorgaben und konkrete Zusagen zum Kampf gegen die gefährliche Erderwärmung aus früheren Versionen wieder gestrichen. Nicht einmal mehr eine Einigung auf "sofortiges Handeln", wie es in einem früheren Entwurf noch geheißen hatte, ist in dem Dokument schriftlich festgehalten.

Trotz Verhandlungen bis in die Nacht konnten sich die Staaten bisher nicht darauf einigen, das 1,5-Grad-Ziel als gemeinsame Zielsetzung in die Abschlusserklärung mit aufzunehmen.

Zieldatum für CO2-Neutralität aufgeweicht

Auch beim Ziel der CO2-Neutralität gab es auch keine Fortschritte. War ursprünglich 2050 als Zieldatum angestrebt worden, ist jetzt allgemeiner von "Mitte des Jahrhunderts" die Rede. Das geschah offensichtlich auch aus Rücksicht auf China. Der größte Produzent von Kohlendioxid hatte sich bisher nur bis 2060 dazu verpflichtet. Der Gruppe der Wirtschaftsmächte kommt eine wichtige Rolle zu, weil sie für rund 80 Prozent der globalen Treibhausgase verantwortlich ist.

Der zweitägige Gipfel der Staats- und Regierungschefs endet an diesem Sonntag in der italienische Hauptstadt, während in Schottland das zweiwöchige Klimatreffen (COP26) beginnt. Dort beraten ab Montag dann rund 200 Staaten zwei Wochen lang, wie die Menschheit die beschleunigte Erderhitzung auf ein erträgliches Maß eindämmen kann. Angestrebt wird, die bisherigen Klimaziele der einzelnen Länder höher zu stecken. Als umso wichtiger galt eine Vorab-Einigung der G20 in Rom.

Macron: Zusammenarbeit "absolut entscheidend"

"Wir dürfen denen, die nach uns kommen, keinen Planeten hinterlassen, der Konflikten ausgeliefert ist, auf dem die natürlichen Ressourcen verschwendet wurden, wo das Ökosystem durch Egoismen aufs Spiel gesetzt wurde", sagte Italiens Präsident Sergio Mattarella beim Abendessen der G20 am Samstag.

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rief die G20 zur Unterstützung der COP26 in Glasgow auf. Im "Journal du Dimanche" sagte er, dass auch vor Abschluss des Pariser Klimaabkommens nichts klar gewesen sei - doch sei die Zusammenarbeit von Europa, den USA und China "absolut entscheidend" gewesen.

NGOs hoffen auf Last-Minute-Einigung

Die G20 hatten am Samstag eine Mindestbesteuerung von Unternehmen in Höhe von 15 Prozent beschlossen. Auch bei den Plänen für eine geplante Ausweitung der Impfrate gegen das Coronavirus herrschte weitgehende Einigkeit.

Klimaschützer werfen den G20 schon lange vor, nicht genug zu tun, um die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Die Abschlusserklärung von Rom wird denn auch von Umweltschützern und Hilfsorganisationen genau unter die Lupe genommen werden. Trotz wenig ermutigender Formulierungen in Entwürfen für den Abschlusstext hofften NGO-Vertreter noch auf einen Fortschritt in letzter Minute.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. Oktober 2021 um 11:00 Uhr.