Eric Ciotti und Valérie Pécresse nach ihrer Wahl zur Präsidentschaftskandidatin. | EPA

Präsidentschaftswahlkampf Buhlen um Frankreichs Erzkonservative

Stand: 06.12.2021 12:03 Uhr

Frankreichs Konservative wollen mit Valérie Pécresse den amtierenden Präsidenten Macron stürzen. Doch selbst in ihrer Partei ist sie vielen zu moderat. Denn vom rechten Rand kommt Druck.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Unité - Einheit ist das Wort des Tages nach der Kandidatenkür bei den französischen Konservativen. Kurz nachdem Valérie Pécresse, Präsidentin des Pariser Großraums Ile de France als Spitzenkandidatin vorgestellt wurde, verspricht die 54-Jährige, ihre Partei wieder zusammenzuführen: "Ich werde alles tun und alles geben, um unsere Werte und Überzeugungen durchzusetzen. Gemeinsam werden wir Frankreichs Stolz wieder stärken, wir werden die Franzosen beschützen."

Sabine Wachs ARD-Studio Paris

Spätestens seit der Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen 2017 schwelte ein interner Richtungsstreit zwischen Kräften von rechts und aus dem gemäßigten Lager. Pécresses erste Worte waren nun ein Zugeständnis an ihren in der Stichwahl unterlegenen Konkurrenten Eric Ciotti. 39 Prozent der Mitglieder hatten für den Mann vom rechten Flügel und seine Themen gestimmt, unter anderem will er das Geburtsortprinzip - Franzose ist, wer auf französischem Boden geboren wird - abschaffen.

Zemmour lobt Ciotti - der geht auf Distanz

Nach seiner Niederlage gratulierte Ciotti der Siegerin, versprach sie zu unterstützen, stellte aber gleichzeitig klar:

Ich rufe zu einem offenen Wahlkampf gegen den Macronismus auf. Es sind Werte wie Autorität, Identität und Freiheit, für die sich die Franzosen mit uns entschieden haben. Unsere Programme sind ähnlich, Valérie. Unsere Anhänger fordern Sicherheit angesichts der Verrohung unserer Gesellschaft, sie fordern den Respekt unserer Kultur und unserer Lebensweise angesichts der Gefahr des Islamismus.

Zwar gibt sich Pécresse selbst auch als Verfechterin einer strengeren Einwanderungspolitik, anders als Ciotti aber hatte sie sich schon vor der Kandidatenkür klar vom rechtsnationalen Kandidaten Eric Zemmour distanziert. Der Ex-Journalist, der sich erst kürzlich zum Präsidentschaftskandidaten erklärt hatte, hielt - taktisch geschickt - nur einen Tag nach der Kandidatenkür der Konservativen seine erste große Wahlkampfveranstaltung ab: "Ich rufe all die Konservativen auf, sich mir anzuschließen, die sich von den Abgeordneten der Republicains verraten fühlen", rief er dort. "Ich reiche die Hand all jenen, die sich durch meinen Freund Eric Ciotti repräsentiert fühlten."

Verschwörungsmythen statt konkreter Vorschläge

Der Saal in einem Kongresszentrum nahe Paris, der rund 22.000 Menschen fasst, war etwa zur Hälfte besetzt. Bis jetzt kann Zemmour offiziell nur auf die Unterstützung von zwei extrem konservativen katholischen Strömungen zählen, die sich nach der Wahl der Spitzenkandidatin von der Partei abgewandt haben. Ciotti hatte Zemmour mit seinem Bekenntnis zu Pécresse eine Absage erteilt. Zemmour stellte auch seine neue Parteir namens "Reconquete", Rückeroberung, vor, mit der er nach eigener Aussage Frankreich vor einem drohenden Niedergang retten will.

Obwohl der Rechtsnationale ebenfalls auf die Themen Bildung, Familie, Kaufkraft setzt, blieben anders als bei Pécresse konkrete Vorschläge aus. Zemmours Kernthema bleiben die Identitätsdebatte und die rechtsextreme Verschwörungserzählung vom Bevölkerungsaustausch.

Mit solchen und anderen Aussagen rückt Zemmour zwar die allgemeine Debatte über Immigration und Sicherheit in den Fokus des Wahlkampfes um die Präsidentschaft. Ob er mit seinen teils rassistischen Positionen aber für ein breites konservatives Publikum wählbar ist, zumal, wenn sich die Partei Les Republicains geschlossen hinter ihrer Kandidatin Valérie Pécresse versammelt, ist fraglich.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Dezember 2021 um 13:22 Uhr in der Sendung "Informationen am Mittag".