Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian | AFP

Streit mit USA und Australien Frankreich ruft Botschafter zurück

Stand: 18.09.2021 02:26 Uhr

Zwölf konventionelle U-Boote hatte Australien in Frankreich fest bestellt - bis die USA Australien Atom-U-Boote anboten und das Land daraufhin den Vertrag mit Frankreich kündigte. Frankreich setzt nun ein diplomatisches Signal.

Wegen eines geplatzten U-Boot-Geschäfts hat Frankreich seine Botschafter aus den USA und Australien zu Konsultationen zurückgerufen. Dieser außergewöhnliche Schritt geschehe auf Wunsch von Präsident Emmanuel Macron, teilte Außenminister Jean-Yves Le Drian mit.

Atom- statt konventioneller U-Boote

Hintergrund ist das neue Indopazifik-Sicherheitsbündnis AUKUS zwischen Australien, Großbritannien und den USA, dessen Gründung die Länder am Mittwoch bekanntgegeben hatten. Über diesen Pakt erhält Australien Zugang zu US-Technologie zum Bau atomgetriebener U-Boote.

Kurz nach Bekanntgabe des Abkommens hatte Australien daher erklärt, es werde aus einem seit Jahren verhandelten Vertrag mit dem mehrheitlich in französischem Staatsbesitz befindlichen Unternehmen DCNS aussteigen, der den Bau von zwölf konventionellen U-Booten für 56 Milliarden australische Dollar (rund 34,8 Milliarden Euro) vorsah. Der überraschende Ausstieg rief in Paris Empörung hervor.

"Inakzeptables Verhalten"

Nun sagte Le Drian, die Entscheidung stelle ein inakzeptables Verhalten zwischen Verbündeten und Partnern dar. Die Konsequenzen berührten den Kern der Allianzen und Partnerschaften Frankreichs sowie die Bedeutung des Indopazifiks für Europa.

Die neue Allianz zwischen den USA, Großbritannien und Australien richtet sich nach Ansicht von Sicherheitsexperten eindeutig gegen die militärische Bedrohung durch China im Indopazifik. Zur Zusammenarbeit gehört auch der Bau der U-Boote. US-Präsident Joe Biden sprach von sich "rasch entwickelnden Bedrohungen". In den kommenden 18 Monaten solle ein Weg gefunden werden, damit Australien moderne U-Boote bekomme.

USA und Australien zeigen sich betroffen

Die USA und Australien zeigten sich über Frankreichs Reaktion betroffen. "Frankreich ist ein wichtiger Partner und unser ältester Verbündeter und wir legen größten Wert auf unsere Beziehungen", erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price. Washington hoffe, die Diskussion über das Thema in den kommenden Tagen fortsetzen zu können. Auch während der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York in der kommenden Woche soll es dazu diplomatische Gespräche geben.

Ein Sprecher des australischen Außenministeriums bedauerte ebenfalls den kurzfristigen Abzug des französischen Botschafters in einer Erklärung: "Australien schätzt seine Beziehungen zu Frankreich. Wir freuen uns darauf, mit Frankreich wieder über unsere vielen gemeinsamen Themen und Interessen zu sprechen, die auf der Grundlage gemeinsamer Werte basieren."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. September 2021 um 09:00 Uhr.