Emmanuel Macron, Präsident Frankreich | dpa

Polizei-Aktion in Frankreich Ex-Mitglieder der Roten Brigaden verhaftet

Stand: 28.04.2021 17:51 Uhr

Lange war das Verhältnis zwischen Italien und Frankreich belastet, weil sich Paris weigerte, Ex-Mitglieder der Roten Brigaden auszuliefern. Diesen Streit will Präsident Macron offenbar entschärfen: Ermittler nahmen zehn Terrorverdächtige fest.

Nach jahrelangem Druck aus Rom hat Frankreich sieben ehemalige Mitglieder der italienischen Terrorgruppe Rote Brigaden festgenommen. Nach drei weiteren werde noch gefahndet, erklärte das Büro von Präsident Emmanuel Macron. Der Élysée-Palast machte keine Angaben zu den Umständen der Festnahmen und zu den Personen.

Die per internationalen Haftbefehl gesuchten Männer und Frauen waren in Italien wegen linksterroristischer Anschläge in den 1970er- und 1980er-Jahren verurteilt worden. Sie konnten allerdings ins Ausland flüchten, gegen einige wurden Haftbefehle erlassen. Über ihre Auslieferung muss nun die französische Justiz entscheiden.

"Erinnerung an barbarische Taten ist wach"

"Frankreich ist selbst vom Terrorismus getroffen und versteht das Bedürfnis der Opfer nach Gerechtigkeit", hieß es in der Pariser Erklärung. Präsident Macron habe deshalb beschlossen, der Bitte Italiens nachzukommen, die Flüchtigen festzunehmen.

Der italienische Regierungschef Mario Draghi äußerte sich "zufrieden" über die Festnahmen. Draghi sagte, die Gesuchten seien "für sehr schwere terroristische Verbrechen verantwortlich, die eine offene Wunde hinterlassen" hätten.  

"Die Erinnerung an diese barbarischen Taten ist im Bewusstsein der Italiener noch wach", betonte der Regierungschef. Er hatte deshalb mehrfach mit Macron telefoniert.

Verhandlungen im Vorfeld

Staatschef Macron habe sich entschieden, den alten Streit mit Rom über die Auslieferung zu entschärfen, berichteten französische Medien. Der Entscheidung, die Namen der zehn Verdächtigen an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten, sei eine intensive Arbeit zwischen Paris und Rom vorausgegangen. Es gehe dabei um besonders schwere Verbrechen.

Der Élysée-Palast bestätigte, dass Rom geforderte habe, 200 Menschen zu überstellen. Die italienische Zeitung "Corriere della Sera" berichtete, die italienische Justizministerin Marta Cartabia habe ihren französischen Amtskollegen Éric Dupond-Moretti am 9. April getroffen und formal die Auslieferung beantragt.

Regierungschef ermordet

Frankreich hatte sich lange gesperrt, frühere Mitglieder der Roten Brigaden auszuliefern. Sie hatten dort Zuflucht gesucht, nachdem der damalige sozialistische Präsident Francois Mitterrand ihnen 1985 Schutz zugesichert hatte. Diese sogenannte "Mitterrand-Doktrin" sorgte zwischen Frankreich und Italien jahrzehntelang für Spannungen.

Die Anwältin der sieben Festgenommenen, Irene Terrel, warf Frankreich deshalb "einen unsäglichen Verrat" vor. Die Roten Brigaden werden in Italien für Hunderte Straftaten verantwortlich gemacht, unter anderem für den Mord an dem christdemokratischen Regierungschef Aldo Moro 1978.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. April 2021 um 16:44 Uhr.