Emmanuel Macron und Mario Draghi  | AFP

Vertrag zwischen Rom und Paris Eine neue europäische Freundschaft

Stand: 26.11.2021 17:04 Uhr

Italien und Frankreich wollen enger zusammenrücken. Dafür haben sie einen Freundschaftspakt geschlossen - ähnlich wie der Elysée-Vertrag zwischen Berlin und Paris. Eine Konkurrenz sei der neue Pakt aber nicht.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Es ist kein Abkommen wie jedes andere, das im Quirinalspalast unterzeichnet wurde. Das merkten am Vormittag alle in Rom, als die Kunstflieger des italienischen Militärs über die Hauptstadt hinweg donnerten und mit ihren Flugzeugen die Farben Italiens und Frankreichs in den Novemberhimmel malten. Der Farbenflug der Frecce Tricolore ist stets besonderen Ereignissen vorbehalten, unter anderem ist er einer der Höhepunkte des italienischen Nationalfeiertags.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom
Sergio Mattarella, Präsident von Italien, und Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich gucken auf die Kunstflugstaffel der italienischen Luftwaffe. | dpa

Der italienische Präsident Mattarella und sein französischer Kollege Macron schauen sich den Farbenflug der Frecce Tricolore an. Bild: dpa

Heute wurde in Rom der Quirinalsvertrag zwischen Italien und Frankreich gefeiert, von dem Ministerpräsident Mario Draghi sagt: "Dieser Vertrag verstärkter Zusammenarbeit, den wir heute Vormittag unterzeichnet haben, markiert einen historischen Moment in der Beziehung zwischen unseren beiden Ländern."

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ordnet das Abkommen als ähnlich bedeutend ein: "Für uns ist es eine große Freude, heute in Rom zu sein - zur Unterzeichnung dieses historischen Vertrags zwischen unseren beiden Ländern."

Ähnliches Abkommen wie mit Deutschland

"Historisch", weil in Rom eine Zusammenarbeit zwischen Ländern vereinbart wurde, wie es sie bisher in der Europäischen Union nur zwischen Frankreich und Deutschland gibt. Macron sagte in der Pressekonferenz, die Gespräche zwischen Rom und Paris seien von der Idee inspiriert gewesen, ein ähnliches Abkommen zu schaffen wie den Elysée-Vertrag, der die Basis ist für die besonderen deutsch-französischen Beziehungen.

Gleichzeitig sandte Frankreichs Präsident beruhigende Signale Richtung Berlin, als er in der Pressekonferenz klarstellte: Die nun engere Kooperation zwischen Paris und Rom sei keine Konkurrenz zur eingeübten Zusammenarbeit zwischen Paris und Berlin. 

"Sie ergänzen sich, sie sind unterschiedlich", erklärte Macron. "So wie Deutschland auch eine spezielle Beziehung zu Rom hat. Man muss hier nicht nach Ersatzwegen suchen." Beide besonderen Beziehungen, unterstrich Macron, stärkten die Europäische Union.

Hände von Emanuel Macron und Mario Draghi zur Unterzeichnung des französisch-italienischen Quirinalvertrags. | dpa

Der französische Präsident Macron und der italienische Premierminister Draghi demonstrieren den Abschluss des gemeinsamen Quirinalvertrags. Bild: dpa

Gelassenheit in Berlin

In Berlin verbreitete Regierungssprecher Steffen Seibert Gelassenheit angesichts des Zusammenrückens von Italien und Frankreich: "Ich glaube, dass Europa nicht heißt, dass man eifersüchtig schaut, ob ein Land, mit dem man die engstmöglichen freundschaftlichen Beziehungen hat - wie Deutschland und Frankreich - vielleicht auch noch zu anderen Ländern engstmögliche freundschaftliche Beziehungen hat."

Teil des heute unterzeichneten Quirinalsvertrags ist, dass sich Italien und Frankreich künftig untereinander abstimmen vor Entscheidungen in der Europäischen Union - ähnlich, wie es seit langem zwischen Paris und Berlin üblich ist.

Außerdem ist im italienisch-französischen Abkommen vereinbart, dass Minister beider Länder regelmäßig teilnehmen an den Sitzungen der jeweils anderen Regierung. Auch die gesellschaftliche Zusammenarbeit soll gestärkt werden. So ist unter anderem ein gemeinsames italienisch-französisches Zivildienstprogramm geplant. Darüber hinaus sollen die Polizeikräfte beider Länder in Zukunft über eine gemeinsame operative Einheit vernetzt sein.

Regelmäßig austauschen wollen sich Rom und Paris auch über die Themen Forschung und Innovation. Im Bereich der Verteidigung werden Partnerschaften zwischen italienischen und französischen Betrieben angestrebt. Und es wird künftig einen gemeinsamen italienisch-französischen Sicherheitsrat geben, der sich unter anderem mit den Themen Rüstungskontrolle, Kampf gegen Terrorismus und Desinformation beschäftigen soll. Das Projekt einer gemeinsamen europäischen Armee wird von Rom und Paris unterstützt.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 26. November 2021 um 17:08 Uhr.