Mitarbeiter im Krankenhaus Lyon-Sud in Frankreich tragen medizinische Schutzausrüstung. | AFP

Impfpflicht in Frankreich Umstritten und erfolgreich

Stand: 14.09.2021 19:59 Uhr

Beschäftigte im französischen Gesundheitswesen oder etwa bei der Feuerwehr müssen ab heute nachweisen, dass sie gegen das Coronavirus geimpft sind. Doch die Teil-Impfpflicht ist nach wie vor umstritten.

Von Julia Borutta, ARD-Studio Paris

Die Aufregung ist völlig unangemessen, findet Martin Hirsch. Der Direktor der öffentlichen Krankenhäuser von Paris zieht einen einfachen Vergleich: "Ein Zugführer muss einen Augentest bestehen, bevor er den Job machen kann. Unser Augentest ist der Nachweis, dass wir niemanden mit Covid-19 anstecken können."

Julia Borutta ARD-Studio Paris

Noch größerer Personalengpass befürchtet

So gelassen und pragmatisch sehen es nicht alle. Die Impfpflicht für die Beschäftigten in Krankenhäusern und Altenheimen, in Arztpraxen und Apotheken, bei der Feuerwehr und sogar für Medizinstudenten sorgt für wiederkehrende Proteste und für Stress in den ohnehin unterbesetzten Teams der Kliniken.

Jetzt würden noch mehr Pflegerinnen und Pfleger ausfallen, fürchtet Cédric Lussiez von der Krankenhausgruppe Nord Essonne: "Wenn Mitarbeiter nicht arbeiten können, weil sie nicht geimpft sind, müssen natürlich die Kollegen einspringen und Überstunden machen, um die Lücken zu füllen."

Großteil der Beschäftigten vollständig geimpft

Wie groß diese Lücken aber tatsächlich sein werden, ist nur schwer absehbar. Laut der französischen Gesundheitsbehörde sind rund 84 Prozent der Angestellten im Gesundheitsbereich vollständig geimpft. Unter den freiberuflich tätigen Ärztinnen und Ärzten oder ambulanten Pflegekräften sind es sogar 91 Prozent.

Die zuständige Gewerkschaft CGT warnt zwar: Die jetzt greifende Impfpflicht könne dazu führen, dass in den Krankenhäusern weniger Patienten aufgenommen und Operationen ganz abgesagt werden müssten. Doch viele Gesundheitsmanager gehen davon aus, dass sich nur eine sehr geringe Zahl von ein bis zwei Prozent der Beschäftigten dauerhaft einer Impfung widersetzen wird. Deshalb ist auch Hirsch optimistisch:

Die bevorstehende Woche wird zwar schwierig, aber ist es die Mühe wert? Die Antwort ist Ja. Hat die Impfpflicht zu einer Steigerung der Impfrate geführt? Ja. Hat die Impfung zu weniger Erkrankungen und Ausfällen im Gesundheitswesen geführt? Ganz klar - ja.

Nicht-Geimpften droht Suspendierung

Die Impfquote nimmt also zu. Denn wer aktuell nicht mindestens die erste Dosis vorweist, kann vom Arbeitgeber suspendiert werden - ohne Gehaltszahlung.

Ab Mitte Oktober dann müssen alle 2,7 Millionen Beschäftigte der betroffenen Berufsgruppen die vollständige Impfung nachweisen. Doch die Krankenhäuser sind findig. In Lyon etwa, bekommen alle nicht geimpften Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Krankenhäuser eine Erinnerungs-SMS aufs Handy - inklusive Vorzugsreservierung in einem Impfzentrum.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. August 2021 um 07:23 Uhr.