Jamal Khashoggi (Archivfoto: Dezember 2014) | AFP

Frankreich Verdächtiger im Fall Khashoggi wieder frei

Stand: 08.12.2021 15:06 Uhr

Ein Fall von Verwechslung durch Namensgleichheit? Die französische Justiz hat nach Medienberichten einen Mann wieder freigelassen, den sie der Beteiligung am Mord des Journalisten Khashoggi verdächtigte.

Der am Dienstag unter dem Verdacht der Beteiligung am Kashoggi-Mord in Frankreich festgenommene Mann ist offenbar wieder auf freiem Fuß und kann das Land verlassen.

Wie mehrere französische Medien übereinstimmend berichten, habe eine Prüfung der Identität des Mannes ergeben, dass es sich bei dem saudischen Bürger nicht um den Mann handele, der auf einer Fahndungsliste der Türkei steht.

Saudi-Arabien hatte zuvor die Festnahme scharf kritisiert. "Der fragliche Bürger hat keinerlei Verbindung zu der Angelegenheit", erklärte die Botschaft des Landes in Frankreich am Morgen. Die Nachrichtenagentur AFP zitiert nicht näher vorgestellte Sicherheitskreise, wonach der von der Türkei mit internationalem Haftbefehl gesuchte Chalid A. bereits in einem saudischen Gefängnis sitze. Es gebe in dem Land viele Bürger mit diesem Namen.

Das saudiarabische Konsulat in Istanbul. | AFP

Khashoggi wurde 2018 unter Sicherheitsversprechen in das Konsulat in Istanbul gelockt. Dort wartete eine ganze Gruppe an Mördern auf ihn. Bild: AFP

Eingeflogene Mörder warten im Konsulat

Der 59-jährige Regierungskritiker Khashoggi war am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet worden. Nach offiziellen Angaben aus der Türkei und den USA wartete in der diplomatischen Vertretung ein 15-köpfiges Kommando, tötete und zerstückelte ihn und ließ seine Leiche verschwinden.

Die USA hatten Ende Februar einen Geheimdienstbericht veröffentlicht, in dem der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman direkt für die Ermordung Khashoggis verantwortlich gemacht wurde. Demnach hatte Saudi-Arabiens Kronprinz den Einsatz zur Gefangennahme oder Tötung Khashoggis genehmigt.

Spätes Eingeständnis in Riad

Saudi-Arabien streitet diese Darstellung ab. Die Regierung räumte jedoch nach wochenlangen Dementis 2018 ein, dass Khashoggi im Konsulat getötet wurde. Es habe sich aber um einen missglückten Einsatz zu seiner Festnahme gehandelt. In Geheimprozessen wurden mehrere Bürgern des Landes zum Tode verurteilt. Nachdem die Familie Khashoggis erklärt hatte, dass sie den Tätern verzeihe, wurden die Todesurteile in langjährige Haftstrafen umgewandelt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte in der vergangenen Woche als erster westlicher Staatsmann seit der Ermordung Khashoggis den Kronprinzen besucht. Der französische Präsident verwies auf das "demografische, wirtschaftliche, historische und religiöse Gewicht" des erzkonservativen Golfstaates. Die Regionalmacht Saudi-Arabien ist ein wichtiger Gegenspieler des schiitischen Iran.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Dezember 2021 um 15:00 Uhr.