Jamal Khashoggi auf einem Gedenkplakat (Archivfoto: Oktober 2018) | AFP

Frankreich Verdächtiger im Fall Khashoggi festgenommen

Stand: 07.12.2021 18:32 Uhr

Kommt in den Mordfall Khashoggi neue Bewegung? Auf einem Pariser Flughafen wurde ein Mann festgenommen, der zum Killerkommando gehört haben soll. Möglicherweise wird er nun in die Türkei ausgeliefert.

Die französische Grenzpolizei hat in Paris ein mutmaßliches Mitglied des Killerkommandos festgenommen, das für die Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi verantwortlich gemacht wird. Der 33-Jährige wurde am Morgen am Flughafen Roissy festgenommen, als er einen Flug Richtung Riad nehmen wollte, wie aus Justizkreisen verlautete.

Der Radiosender RTL gab den Namen des Verhafteten mit Khalid Aedh A. an. Er sei Angehöriger der königlichen Wache gewesen, die in den Mord an Khashoggi verwickelt gewesen sein soll. Er habe nun auf einer türkischen Fahndungsliste gestanden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Polizeikreise.

Das saudiarabische Konsulat in Istanbul. | AFP

Khashoggi wurde 2018 unter Sicherheitsversprechen in das Konsulat in Istanbul gelockt. Dort wartete eine ganze Gruppe an Mördern auf ihn. Bild: AFP

Eingeflogene Mörder warten im Konsulat

Der 59-jährige Regierungskritiker Khashoggi war am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet worden. Nach offiziellen Angaben aus der Türkei und den USA wartete in der diplomatischen Vertretung ein 15-köpfiges Kommando, tötete und zerstückelte ihn und ließ seine Leiche verschwinden.

Die USA hatten Ende Februar einen Geheimdienstbericht veröffentlicht, in dem der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman direkt für die Ermordung Khashoggis verantwortlich gemacht wurde. Demnach hatte Saudi-Arabiens Kronprinz den Einsatz zur Gefangennahme oder Tötung Khashoggis genehmigt.

Spätes Eingeständnis in Riad

Saudi-Arabien streitet diese Darstellung ab. Die Regierung räumte jedoch nach wochenlangen Dementis 2018 ein, dass Khashoggi im Konsulat getötet wurde. Es habe sich aber um einen missglückten Einsatz zu seiner Festnahme gehandelt. In Geheimprozessen wurden mehrere Bürgern des Landes zum Tode verurteilt. Nachdem die Familie Khashoggis erklärt hatte, dass sie den Tätern verzeihe, wurden die Todesurteile in langjährige Haftstrafen umgewandelt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte in der vergangenen Woche als erster westlicher Staatsmann seit der Ermordung den Kronprinzen besucht. Der französische Präsident verwies auf das "demografische, wirtschaftliche, historische und religiöse Gewicht" des erzkonservativen Golfstaates. Die Regionalmacht Saudi-Arabien ist ein wichtiger Gegenspieler des schiitischen Iran.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Dezember 2021 um 19:00 Uhr.