Menschen warten in Paris vor einer Covid-Teststation (23. Dezember 2021). | AFP

Corona in Frankreich "Zahlen, die mich in Schwindel versetzen"

Stand: 29.12.2021 17:36 Uhr

Mit mehr als 200.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages verzeichnet Frankreich einen neuen Rekord. Der Gesundheitsminister sieht eine "Flutwelle" auf das Land zurollen - und verteidigt die geplanten Verschärfungen.

In Frankreich ist die Politik wegen der stark steigenden Corona-Zahlen alarmiert: "Beim Blick auf die Zahlen, die wir registrieren, neige ich dazu, von einer Flutwelle zu sprechen", sagte Gesundheitsminister Olivier Véran in der Nationalversammlung in Paris.

Die Zahl der binnen eines Tages in Frankreich nachgewiesenen Corona-Neuinfektionen stieg am Mittwoch auf rund 208.000. Erst am Dienstag war mit fast 180.000 Neuinfektionen ein Tageshöchstwert erreicht worden.

"Das sind Zahlen, die mich in Schwindel versetzen", ergänzte Véran. Jede Sekunde würden zwei Menschen in Frankreich positiv auf Corona getestet.

Olivier Véran | AFP

Hält die für Mitte Januar geplanten Verschärfungen für angemessen: Frankreichs Gesundheitsminister Véran. Bild: AFP

Ab Mitte Januar verschärfte Maßnahmen

Nach Weihnachten hatte die Regierung bereits verschärfte Corona-Regeln angekündigt. Vom 15. Januar an soll in vielen Lebensbereichen eine 2G-Regel greifen.

Künftig dürfen dann nur noch Menschen mit vollständigem Impfschutz in Restaurants, Kinos, Theater, Museen und Sportarenen. Der Nachweis dafür wird dann auch für die Benutzung von Fernzügen und Inlandsflügen verlangt; ein negativer Test nicht mehr akzeptiert.

Die geplante Regelung bedeutet für die Mehrzahl der Menschen die Notwendigkeit einer Auffrischungsimpfung. Diese kann ab sofort drei Monate nach der Immunisierung erfolgen. Spätestens nach sieben Monaten war sie bereits Pflicht für den Corona-Pass. Die meisten Geschäfte in Frankreich sind allerdings - anders als in Deutschland - weiterhin ohne einen Impfnachweis zugänglich.

Appell an Ungeimpfte

Véran verteidigte die Maßnahmen - und sagte an jene gerichtet, die nicht geimpft sind: "Es gibt diesmal eine wirklich nur kleine Chance, dass Sie (Covid-19) entgehen können. Das Virus verbreitet sich zu schnell."

In den öffentlichen Krankenhäusern von Paris seien 70 Prozent der Intensivpatienten mit Covid nicht geimpft. Er rief zur Impfung auf: "Schützen Sie sich selbst in den kommenden Tagen. Gehen Sie kein Risiko ein."

In Frankreich sind 77 Prozent der Bevölkerung gegen Corona geimpft. Aber mehr als vier Millionen Menschen sind nicht geimpft, darunter mehr als eine Million Menschen über 65 Jahre. Auf Intensivstationen werden mehr als 3400 Menschen mit Covid-19 behandelt, ein Anstieg von 10 Prozent gegenüber der Vorwoche.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL am 29. Dezember 2021 um 17:07 Uhr.