Franzosen warten vor einem Coronatestzentrum | AFP

Corona in Frankreich "Die Inzidenzwerte explodieren"

Stand: 21.07.2021 10:17 Uhr

Angesichts deutlich steigender Corona-Infektionszahlen verschärft Frankreich die Auflagen. An vielen Orten müssen Besucher einen Gesundheitspass vorlegen. Andernfalls drohen Geldstrafen.

Von Cai Rienäcker, ARD-Studio Paris

Überall dort, wo mehr als fünfzig Menschen zusammenkommen, soll von den Veranstaltern der Gesundheitspass kontrolliert werden. Wie beim EU-Impfzertifikat wird beim Einlass ein QR-Code als Nachweis darüber gescannt, ob die Person vollständig geimpft ist, bereits genesen oder aktuell negativ auf Corona getestet ist. Das gilt ab sofort für alle Kinos, Theater, Konzerte, Museen oder den Eiffelturm.

Cai Rienäcker ARD-Studio Paris

In Diskotheken ist der Nachweis bereits seit zwei Wochen verpflichtend - genauso wie für Großveranstaltungen mit mehr als Tausend Menschen, so zuletzt auch bei der Zieleinfahrt der Tour de France in Paris. Trotzdem steigen die Zahlen in Frankreich rasant.

"Welle steigt stärker an als alle zuvor"

"Wir beobachten eine Welle, die schneller kommt und die steiler ansteigt als alle davor", sagt Regierungssprecher Gabriel Attal. "Die Inzidenzwerte explodieren. Einen so starken und plötzlichen Anstieg haben wir seit Beginn der Pandemie in unserem Land noch nicht erlebt."

Nach den Informationen des Regierungssprechers hat sich der landesweite Inzidenzwert in Frankreich innerhalb von einer Woche mehr als verdoppelt und liegt jetzt bei über 80. Im Norden Korsikas erreicht der Wert über 250, in Südfrankreich bei Perpignan an der Grenze zu Spanien liegt der Wert sogar bei 350 Infektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen.

Französischer Gesundheitspass | AFP

Ohne Gesundheitspass können viele Orte nicht mehr besucht werden. Bild: AFP

Junge Leute stärker betroffen

Auch die Krankenhäuser melden wieder verstärkte Aufnahmen. Der Anstieg ist jedoch bislang nicht so stark wie der bei den Infektionen. "Das ist eine Epidemie der jungen Leute", sagt Gesundheitsminister Olivier Véran. "Die 20-30-Jährigen haben viel weniger schwere Verläufe. Aber sie können Langzeitfolgen haben, dass sie wochenlang erschöpft sind, manchmal auch über Monate. Sie sollten also nicht glauben, dass sie außer Gefahr sind."

Die französische Regierung macht besonders auf die jungen Französinnen und Franzosen Druck, sich impfen zu lassen. Im Parlament wird gerade ein Gesetz beraten, dass die Corona-Maßnahmen - wie von Präsident Macron angekündigt - weiter verschärfen soll. Ab August sollen der Zugang zu Cafés oder Restaurants sowie Fahrten im TGV oder in Fernbussen ebenfalls nur mit gültigem Gesundheitspass möglich sein.

Regierung rudert etwas zurück

Eigentlich sollten die von Präsident Macron verkündeten Maßnahmen auch für Einkaufszentren gelten. Aber es gab Kritik, etwa vom Parteichef der Sozialisten, Oliver Faure: "Für die Dinge des täglichen Lebens, zum Beispiel für den Zugang zu einem Einkaufszentrum, gibt es da ein Problem. Man kann die Leute nicht vom Essen abhalten, weil sie nicht geimpft sind. Das geht so nicht."

Nun werden die Einkaufzentren vermutlich vom Gesundheitspass ausgenommen. Auch die Strafen bei Verstößen wurden wegen juristischer Bedenken kräftig abgesenkt. Bei den Impfpflichten für das Personal in der Gastronomie soll es eine einmonatige Übergangsfrist geben. Die französische Regierung will das Gesetz im Eilverfahren bis Ende der Woche durchs Parlament bringen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 21. Juli 2021 um 09:21 Uhr.

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Moderation 21.07.2021 • 20:30 Uhr

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