Französische Sicherheitskräfte in La Chapelle-sur-Erdre, bei Nantes | AFP

Messerattacke in Frankreich Angreifer verletzt Polizistin

Stand: 28.05.2021 18:21 Uhr

Ein Angreifer hat in Frankreich eine Polizistin verletzt, bevor er offenbar bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet wurde. Über sein Motiv ist bislang nichts bekannt. Er soll psychische Problemen gehabt haben.

Im Westen Frankreichs ist eine Polizistin bei einem Messerangriff lebensgefährlich verletzt worden. Bei der Festnahme des zunächst flüchtigen Verdächtigen wurden zwei weitere Polizisten sowie der mutmaßliche Angreifer verletzt, der wenig später starb, wie es aus Ermittlerkreisen hieß.

Die Tat ereignete sich Polizeiangaben zufolge am Morgen im Polizeigebäude von La Chapelle-sur-Erdre nahe Nantes. Der Mann stach demnach auf der Wache mit einem Messer auf eine Polizistin ein und entwendete ihre Dienstwaffe. Dann flüchtete er. Bei der Fahndung nach dem Mann waren mehr als 200 Sicherheitskräfte, Hubschrauber und Spürhunde im Einsatz. Der Täter war zu Fuß geflüchtet.

Die Schulen in der Umgebung wurden nach Angaben eines Sprechers der Stadtverwaltung alarmiert und angewiesen, die Schüler nicht aus dem Gebäude zu lassen. Via Twitter rief die Gendarmerie die Bevölkerung auf, das betroffene Gebiet zu meiden. 

Zwei weitere Polizisten verletzt

Am Nachmittag meldete die Polizei die Festnahme eines Verdächtigen infolge eines Schusswechsels. Bei der Festnahme wurden den Angaben zufolge zwei Beamte an der Hand und am Arm verletzt. Nach den Meldungen über die Festnahme hieß es aus Ermittlerkreisen, der Verdächtige sei tot. Innenminister Gérald Darmanin und der Staatsanwalt von Nantes begaben sich an den Ort des Geschehens. Die Polizistin wurde bei der Attacke unter anderem schwer am Bein verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Nach Darmanins Worten wird sie den Angriff überleben.

Hintergründe unklar

Die genauen Hintergründe des Vorfalls waren zunächst unklar. Innenminister Darmanin sagte, der mutmaßliche Täter sei psychisch krank und radikalisiert gewesen. Er habe Schizophrenie und sei deshalb medizinisch in Behandlung. Der etwa 40-jährige gebürtige Franzose sei zudem in einer Anti-Terror-Datenbank erfasst gewesen. Darmanin sagte allerdings auch, die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft sei bei den Ermittlungen zu dem Angriff seines Wissens nicht eingeschaltet worden. Neben der psychischen Beeinträchtigung sei der Mann für eine rigorose Ausübung des Islam bekannt gewesen. "Aber er wurde nie für Terrorismus verurteilt." Medienberichten zufolge war der Mann auch mit Aggressionen gegen Sicherheitskräfte aufgefallen.

"Verachtenswerte, unsägliche Tat"

Die Bürgermeisterin von Nantes, Johanna Rolland, prangerte den Angriff als "verachtenswerte, unsägliche Tat" an. Was könne verachtenswerter sein, als diejenigen anzugreifen, die uns täglich beschützen, schrieb sie in einer Mitteilung. Premierminister Jean Castex schrieb auf Twitter von einem "feigen Angriff" und bedankte sich bei den Einsatzkräften.

Innere Sicherheit Thema vor Wahlen

Vor den Kommunalwahlen in Frankreich im Juni und der Präsidentenwahl im kommenden Jahr sind die Themen innere Sicherheit und Angriffe auf die Polizei ein heißes politisches Eisen. Immer wieder war es in den vergangenen Wochen zu Angriffen auf die Polizei gekommen. Im April hatte ein mutmaßlich islamistisch motivierter Angreifer eine Polizistin in Rambouillet bei Paris mit einem Messer getötet.

Auch weitere Angriffe auf die Polizei hatten zuletzt in Frankreich eine große Debatte über die Sicherheit der Einsatzkräfte ausgelöst. Erst in der vergangenen Woche hatten Tausende Polizistinnen und Polizisten vor der Pariser Nationalversammlung demonstriert und mehr Unterstützung gefordert.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Mai 2021 um 18:00 Uhr.