Eine Gruppe von Menschen wird von der RNLI nach Dover gebracht. | picture alliance/dpa/PA Wire

Nach Bootsunglück im Ärmelkanal Härteres Vorgehen gegen Schleuser vereinbart

Stand: 25.11.2021 11:28 Uhr

Großbritannien und Frankreich wollen nach dem Kentern des Flüchtlingsbootes im Ärmelkanal härter gegen Schleuser vorgehen. Auch andere Länder, darunter Deutschland, sollen einbezogen werden und die Ermittlungen unterstützen.

Nach dem Tod von mindestens 27 Menschen beim Untergang eines Bootes mit Migranten im Ärmelkanal will Großbritannien härter gegen Schleuser vorgehen. Innenstaatssekretär Kevin Foster sagte in der BBC, die Regierung sei entschlossen, das Geschäftsmodell der Menschenschmuggler zu zerstören. Dazu sei ein gemeinsamer europäischer Ansatz nötig.

Nach dem Unglück, bei dem laut französischem Innenministerium auch Schwangere und Kinder ums Leben kamen, wurden fünf mutmaßliche Schleuser festgenommen. Einer davon kam aus Deutschland. "Wir sind bereit, Unterstützung auf dem Boden zu bieten. Wir sind bereit, Ressourcen zu bieten. Wir sind bereit, Personal zu schicken und den französischen Behörden zu helfen", sagte Foster.

Mehr Kooperation der Länder

Zuvor hatte Premierminister Boris Johnson gemeinsame Patrouillen an der französischen Küste gefordert. "Ich verstehe die Schwierigkeiten, mit denen alle Länder konfrontiert sind, aber wir wollen jetzt mehr gemeinsam tun - und das ist unser Angebot", sagte Johnson.

"Großbritannien und Frankreich müssen zusammenarbeiten", sagte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin dem Fernsehsender RTL. "Wir müssen aufhören die einzigen zu sein, die gegen Schleuser kämpfen." Belgien, die Niederlande und Deutschland müssten stärker einbezogen werden und die Ermittlungen besser unterstützen. "Der Schleuser, den wir heute Nacht festgenommen haben, hatte deutsche Kennzeichen", sagte Darmanin. "Er hat diese Schlauchboote in Deutschland gekauft."

Die Migranten nutzen oft seeuntaugliche Boote und zahlen Schleppern hohe Preise. Viele wollen nach Großbritannien, weil sie die Sprache sprechen und dort bereits Bekannte oder Verwandte haben. Der Anstieg der Zahlen dürfte damit zu tun haben, dass die Überfahrt mit den sinkenden Temperaturen demnächst noch gefährlicher wird. "Man kann nicht oft genug betonen, wie kriminell die Schlepper sind, die diese Überfahrten organisieren", sagte Darmanin.

Drei Mal so viele Migranten wie 2020

Großbritannien hat Frankreich wiederholt vorgeworfen, zu wenig zu tun, um die Überfahrten zu verhindern. In diesem Jahr sind bereits etwa 26.000 Migranten aus Frankreich an der englischen Küste angekommen - drei Mal so viele wie im gesamten Vorjahr.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Johnson hatten noch am Mittwochabend über Schritte zur Verhinderung weiterer solcher Dramen beraten. Beide hätten sich auf verstärkte Anstrengungen verständigt, Schleuserbanden zu stoppen, die das Leben von Menschen in Gefahr bringen, teilte die britische Seite anschließend mit.

Macron äußerte nach Angaben des Elysée-Palastes in Paris die Erwartung, dass die Briten zu Zusammenarbeit bereit seien und das Flüchtlingsdrama nicht zu politischen Zwecken instrumentalisierten. "Frankreich wird nicht zulassen, dass der Ärmelkanal zu einem Friedhof wird", hatte Macron bereits am Abend gesagt.

Der Ärmelkanal zwischen Großbritannien und Frankreich

Über dieses Thema berichtete am 25. November 2021 die tagesschau um 09:00 Uhr und Deutschlandfunk um 10:00 Uhr.